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Obsalim: Anhand von Kuh-Signalen die Fütterung analysieren

Mit der Obsalim-Methode lässt sich anhand von Kärtchen kostengünstig und schnell analysieren, ob und wo Probleme in der Fütterung vorliegen. Ein Augenschein auf einem Praxisbetrieb.

Im Futtertenn liegt ein Fuder frisches Gras. Vor dem Mittag haben Emil Brauchlis Kühe noch Grünmais bekommen, jetzt liegt ein Grossteil seiner 30 Milchkühe wiederkäuend in den Liebeboxen. Ein Bild, wie es Bruno Ottiger, Berater am BBZ Arenenberg, gerne sieht. Heute ist Ottiger für einen Obsalim-Besuch bei Emil Brauchli in Wagerswil TG. Die Methode beruht darauf, anhand von Zeichen an der Kuh mögliche Fütterungsfehler zu analysieren und Harmonie in den Stoffwechsel zu bringen.

Gesamtbild der Herde sollte einheitlich sein

Emil Brauchli kam vor einem Jahr erstmals mit Obsalim in Kontakt. «Ich hatte viele Kühe mit Vierteln und hohen Zellzahlen», erzählt er. Brauchli wandte sich an die Beratungsstelle am BBZ Arenenberg. Nach einem Besuch von Bruno Ottiger erhöhte er den Maisanteil in der Ration. Die Situation verbesserte sich. Im Winter besuchte er den Obsalim-Kurs am Arenenberg. Seither gehört er einer Praxisgruppe von Bauern an, die sich regelmässig auf Betrieben zum Erfahrungsaustausch und Üben treffen. «Ich beobachte meine Kühe seither viel mehr», sagt der Milchbauer.

Ottiger trägt mittlerweile Überkleider und Stiefel und geht durch den Stall. Er beobachtet zuerst die Homogenität der Herde. Wie viele Kühe käuen wieder? Wie aufmerksam sind sie? Wie ist der BCS? Die Homogenität der Herde beurteilt er an diesem Nachmittag als gut.

Nickhautvorfall: Ein Zeichen für gestresste Kühe

Dann geht Bruno Ottiger, der nebst seiner Beratungstätigkeit auch Tierhaltungslehrer ist, dazu über, die Kühe einzeln zu betrachten. «Es hat ein paar Tiere mit Schleckstellen, vor allem bei den Rindern», hält er fest. Dieses Zeichen zeigt eine Panseninstabilität an. Bei drei Viertel der Tiere stellt er einen Nickhautvorfall fest. «Ein Zeichen der Übermüdung und dass die Tiere gestresst sind», bemerkt Ottiger und nimmt die entsprechende Karte beiseite.

Immer Mist auswaschen

Als nächstes steht die Beurteilung des Kotes an. «Das gehört zu Obsalim immer dazu», sagt Bruno Ottiger. Der Mist ist dem Stiefeltest nach zu beurteilen klebrig. «Das sieht man auch an der Verschmutzung der Kühe an Vorder- und Hinterbeinen», sagt er und sortiert ein nächstes Kärtchen aus. Das Mistauswaschen mit Presse zeigt, dass der Anteil unverdaulicher Fasern, der Faserkuchen, mit 16 mm an der oberen Grenze ist. Das liege am Mais, kommentiert Ottiger.

Zurück im Futtertenn zückt Ottiger die Kärtchen, die er während seiner Beobachtungen aussortiert hat. Es sind:

  • Nickhautvorfall,
  • elastischer Mist,
  • gelber Harn.

Insgesamt ist die Fütterung von Emil Brauchli ausgeglichen. Den Faseranteil in der Ration sowie die Pansenstabilität sind in Ordnung. «Energie hat es genug in der Ration, das Eiweiss ist eher knapp», fasst Ottiger zusammen. Das Eiweiss ist denn auch der Punkt, wo die grösste Differenz vorliegt.

Zusätzlich Rapsschrot füttern

Zurückzuführen ist das auf den Fütterungsablauf. Emil Brauchlis Kühe sind im Moment morgens auf der Weide. Wenn sie vor dem Mittag in den Stall kommen, erhalten sie Grünmais (acht bis zehn Kilogramm pro Kuh) und nach dem Mittag Gras. Abends füttert Brauchli noch Heu dazu. Als Mineralstoff bekommen seine Kühe eine handelsübliche Mineralstoffmischung mit dem Kalzium-Phosphor-Verhältnis 2:1.

Bemerkenswert sind laut Ottiger die vielen unverdauten Maiskörner im Kot. Er schlussfolgert, dass den Kühen schnell verfügbares Eiweiss fehlt, um den Mais zu verdauen. Ottiger empfiehlt Brauchli, zusätzlich zum Mais etwa ein halbes Kilo Rapsschrot zu verfüttern.

Ottiger, der am Arenenberg Obsalim-Kurse anbietet, rät, man solle jeweils nur etwas an der Fütterung ändern und dann zehn bis 14 Tage warten, ob eine Verbesserung eintritt. Nach diesen 14 Tagen erfolgt ein weiterer Obsalim-Besuch. Die Beratung kostet 120 Franken pro Stunde. Eine Beratung dauert zirka zwei Stunden. Mitglieder der Praxisgruppe zahlen 60 Franken.

So funktioniert Obsalim

Die Obsalim-Methode wurde vom französischen Tierarzt Bruno Giboudeau entwickelt. Es gibt 60 Kärtchen. Sie lassen Rückschlüsse auf die Energie- und Eiweissversorgung, den ­Faseranteil in der Ration oder die Pansenstabilität zu. Stellt man ein Symptom an einer Kuh fest und mehr als drei Viertel der Herde zeigt dieses Symptom ebenfalls, zieht man die entsprechende Karte und legt sie beiseite.
Hat man mindestens drei Symptome (Karten) beisammen, legt man sie übereinander, schreibt die Zahlen auf und zählt sie zusammen. Positive Zahlen stehen für einen Überschuss, negative für ein Manko. Dort, wo die grösste Differenz besteht, sollte man ansetzen.

Bei der Obsalim-Methode arbeitet man mit Kärtchen. 60 gibt es insgesamt. (Bild Bruno Ottiger, Arenenberg)
Bei der Obsalim-Methode arbeitet man mit Kärtchen. 60 gibt es insgesamt. (Bild Bruno Ottiger, Arenenberg)

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