Es ist noch hell, als die Leute den Weg hinunterkommen. Vorbei am Haus aus Ostermundigen, vorbei am Bauernhaus aus Villars-Bramard, durch lichten Wald, Kieswege unter den Füssen. Und dann, von hinten, erhebt sich eine Tribüne. Man steht plötzlich mitten im Spielort, taucht in eine Senke, die Berge des Berner Oberlands vor sich, die Bühne darunter. Keine Häuser des Freilichtmuseums diesmal im Hintergrund, sondern die grosse Kulisse des Ballenbergs selbst. Das hat einen Grund: In diesem Stück brennt ein Haus.
Eigens dafür wurde es gebaut, mitten im Museumsgelände, als Nachbau des historischen Grimsel-Hospizes. Ein Haus, das man anzünden kann. Denn das ist der Kern der Geschichte, die das Landschaftstheater Ballenberg diesen Sommer erzählt: die wahre Geschichte von Peter Zybach, Grimselwirt, Aufsteiger, Pionier und Betrüger. Ein Mann, der alles hatte und noch mehr verlor.
Vom Bauernsohn zum bekanntesten Wirt der Alpen
Peter Zybach wurde 1790 in Oberhasli geboren, als Sohn einer kinderreichen Bauernfamilie. Was er daraus machte, war bemerkenswert. Nach dem Tod der Eltern übernahm er das Familiengut, wurde durch Fleiss und Umsicht zum hablichsten Bauern der Gegend, heiratete die Tochter des Grimselwirtes und übernahm 1836 die Pacht des Hospizes auf dem Grimselpass. Was er dort vorfand, war ein einfaches Haus auf 2164 Metern Höhe. Was er daraus machte, war eine Institution.
Theater Ballenberg
«Akte Zybach – Ein Grimseldrama» läuft vom 1. Juli bis 15. August 2026 im Freilichtmuseum Ballenberg, unterhalb des Bauernhauses aus Villars-Bramard VD. Vorstellungsbeginn ist um 20 Uhr. Die Tribüne ist überdacht und fasst über 700 Personen, wetterfeste Kleidung wird empfohlen.
Das Stück ist geeignet für Kinder ab 10 Jahren. Bei starkem Regen oder Gewitterrisiko Verschiebung auf den Ersatzspieltag, jeweils den folgenden Dienstag. Für die letzte Spielwoche vom 12. bis 15. August gibt es keinen Ersatzspieltag. Infos zur Durchführung jeweils ab 15 Uhr auf der Website.
Anreise öffentlicher Verkehr: Postauto bis Ballenberg West, 15 Minuten Fussweg zur Bühne. Sonderkurs nach der Vorstellung um 22.15 Uhr ab Ballenberg West nach Brienz mit Anschluss nach Interlaken, Bern und Zürich. Parkplätze gebührenpflichtig, Fussweg zur Bühne ebenfalls rund 15 Minuten.
Zybach liess das Hospiz auf 100 Betten ausbauen, fügte Schlachtraum, Käserei, Milchkeller und Waschküche hinzu. Er machte das Haus, das oft durch Schneefall und schlechtes Wetter von der Welt abgeschnitten war, weitgehend autark.
Und er empfing Gäste aus ganz Europa. Denn das Berner Oberland galt damals als Perle der Alpen, die Grimsel als eine der schönsten Passrouten der Schweiz. Kaum ein Liebhaber der schweizerischen Berglandschaft, der nicht beim Grimselwirt eingekehrt wäre. Naturforscher, Adelige, Touristen aus England, Frankreich, Deutschland: Sie alle kannten seinen Namen.
Peter Zybach, der arme Bauernsohn aus Oberhasli, war zu einem der bekanntesten Männer der Region geworden. Weit über die Landesgrenzen hinaus.
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Gier, Angst und ein verhängnisvoller Entschluss
Doch der Erfolg hatte seinen Preis. Neid und verletzte Eitelkeiten nagten an ihm. Die Pacht lief 1853 aus, und Zybach hatte Grund zur Sorge: Die Landschaft Oberhasli, der das Hospiz gehörte, zeigte wenig Neigung, den Vertrag zu verlängern. Er hatte viel investiert, hatte sich alles aufgebaut, und nun drohte er es zu verlieren.
Im Herbst 1852 fasste er einen Entschluss, der ihn in die Schweizer Geschichte eingehen liess. Er liess das Hospiz durch seine Winterknechte in Brand stecken. Das Kalkül: die Versicherungssumme kassieren, den Schaden abdecken, sich eine neue Zukunft kaufen.
Doch der Betrug flog schnell auf. Die Knechte redeten, die Indizien häuften sich, und Peter Zybach, der Mann, dessen Name in ganz Europa bekannt war, wurde verhaftet, vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt.
Er wurde begnadigt. Doch Kettenhaft und zwanzig Jahre Landesverweis warteten auf ihn. Der Fall machte Schlagzeilen in ganz Europa. Und er gilt bis heute als erster grosser Versicherungsbetrug der Schweizer Geschichte.
Eine wahre Geschichte, eigens geschrieben
Auf der Bühne stehen die Schauspieler Daniel Bill und Reto Stalder, umgeben von über 25 Laienspielerinnen und -spielern aus der Region. Enrico Maurer und Atréju Diener haben das Stück eigens für das Landschaftstheater geschrieben, nachdem Maurer in der Region recherchiert und verschiedene historische Stoffe geprüft hatte. Regie führt Simon Burkhalter.
Das Ergebnis ist ein Freilichtspiel, das die Möglichkeiten des Ortes voll ausschöpft: dramatisch, bildstark, mit einem Blick tief in die Zerrissenheit eines Mannes, der alles hatte und noch mehr verlor.
Dass es Zybachs Geschichte wurde und nicht eine andere, war das Ergebnis eines mehrjährigen Prozesses. Der künstlerische Ausschuss des Vereins berät den Vorstand weit im Voraus. Der Vorstand entscheidet schliesslich, welche Stoffe auf den Ballenberg kommen. «Das ist ein längerer Prozess», sagt Tristan Jäggi, Geschäfts- und Produktionsleiter des Landschaftstheaters. Bis 2028 sei bereits klar, was gespielt werde.
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Eine Kulisse, die es so kein zweites Mal gibt
Das Landschaftstheater Ballenberg existiert seit 1991. Seither bespielt der gleichnamige Verein jeden Sommer das Museumsgelände mit Stücken, die ländliche Schweizer Kultur zum Leben erwecken, von den Grossmeistern der Schweizer Literatur bis zu vergessenen Stoffen aus der Region. Über 16 000 Menschen besuchen das Theater pro Jahr. Das Stammpublikum, sagt Tristan Jäggi, habe seinen Grund.
Der Ballenberg liegt zwischen Brienz und Meiringen im Berner Oberland, auf 640 bis 700 Metern über Meer. Über 110 originale historische Gebäude aus allen Landesteilen der Schweiz stehen auf dem 66 Hektaren grossen Museumsgelände, dazu Bauernhoftiere, Gärten, Handwerksvorführungen.
Viele Besucherinnen und Besucher verbinden den Theaterabend mit einem Tagesausflug ins Museum, und tauschen die Gegenwart ein gegen eine Welt von früher. Das Gasthaus Alter Bären, direkt auf dem Weg zur Bühne, serviert ab 17.30 Uhr ein Theaterbuffet. Ein kulinarischer Einstieg, ein spektakulärer Abschluss.
Eine Reise zurück
Wer den Theaterabend zu einem ganztägigen Ausflug machen will, verbindet ihn mit einem Besuch im Freilichtmuseum. Über 110 historische Gebäude aus allen Landesteilen der Schweiz, mehr als 200 Bauernhoftiere und tägliche Handwerksvorführungen sind von 10 bis 17 Uhr zugänglich. Vergünstigte Museumseintritte gibt es beim Online-Kauf der Theaterbillette.
Für Gruppen ab 12 Personen bietet das Landschaftstheater ein Kombiticket an: Museumsbesuch, Theaterbuffet im Gasthaus Alter Bären und Theaterbillett für 111 Franken pro Person. Das Buffet wird ab 17.30 Uhr serviert, Reservation erforderlich. Buchung telefonisch unter 033 952 10 45 oder per Mail an landschaftstheater(at)ballenberg.ch.
Finanzierung bleibt herausfordernd
Das Landschaftstheater trägt sich zum allergrössten Teil über Ticketeinnahmen, ergänzt durch Sponsoren wie heuer die Kraftwerke Oberhasli als Hauptsponsor sowie Stiftungsgelder. «Die Gelder der öffentlichen Hand sind recht überschaubar», sagt Tristan Jäggi.
Der Kanton fördere nach eigenen Regeln, subsidiär, gebe also gleich viel, wie die Gemeinde besteuert. Und eine Gemeinde wie Hofstetten BE könne eben nicht leisten, was beispielsweise eine Stadt wie Bern besteuern könnte.
Und das Publikum? Es kommt aus der ganzen Schweiz, aber das Haupteinzugsgebiet bleibt die Region. Freilichttheater in dieser Form, an diesem Ort, findet man so schnell nicht ein zweites Mal. «Der Ballenberg zeigt unsere landwirtschaftliche Vergangenheit», sagt Jäggi. «Bei uns fühlen sich einfach alle sehr wohl.»