Der Alltag von Landwirtinnen und Bäuerinnen ist anstrengend. Morgens müssen die Kühe raus oder die Kinder verköstigt und in die Schule geschickt werden – oft beides gleichzeitig. Meist steht den ganzen Tag Arbeit an. In diesem Kontext Rücksicht auf den eigenen Körper, geschweige denn den Zyklus zu nehmen, ist schwierig. Doch der in der Regel 28 Tage lange Rhythmus bestimmt das Leben einer Frau – ausser sie verhütet mit Hormonpräparaten, dann bleibt er aus.
Sonst prägen die Follikel- und die Lutealphase, abgesehen von Schwangerschaften, bis zu den Wechseljahren das Leben. «Wie sich eine Frau in den einzelnen Zyklusphasen fühlt, ist sehr individuell», sagt Sabrina Vollrath, Oberärztin an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde am Inselspital Bern. Und trotzdem gebe es einige Muster, betont sie.
Warum fühle ich mich so?
«Manche Frauen haben während der Menstruation, also in den ersten Zyklustagen, Schmerzen und fühlen sich dadurch körperlich eingeschränkt», erklärt Sabrina Vollrath. Diese Schmerzen markieren den Beginn der Follikelphase.
Der weibliche Zyklus
- Zyklusphase: Follikelphase
Diese Phase ist vom Hormon Östrogen geprägt. Der Körper bereitet sich auf den Eisprung vor. In dieser Zeit haben Frauen oft mehr Energie und eine gesteigerte Libido – also mehr Lust auf Sex. Viele Frauen fühlen sich in dieser Zeit belastbarer und produktiver. Auf einige Frauen hat diese Zyklusphase eine anabole Wirkung – sie haben mehr Kraft und können in dieser Zeit mehr Muskeln aufbauen. - Zyklusphase: Lutealphase
Das Hormon Östrogen stabilisiert sich nach dem Eisprung. «Einige Frauen spüren hormonell bedingte Beschwerden wie Brustspannen, Wassereinlagerungen, Kopfschmerzen, Blähungen, Müdigkeit oder Schlafstörungen», erklärt Sabrina Vollrath.
Kämen zu den körperlichen Symptomen psychische Symptome hinzu, spreche das für das prämenstruelle Syndrom (PMS) respektive eine prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS). Vollrath erklärt: «Wichtig ist neben den Symptomen vor allem der Zeitpunkt der Symptomatik. Diese beginnt während der zweiten Zyklushälfte und klingt mit dem Beginn der Menstruation wieder ab.»
Was ist PMS?
Frauen mit PMS sind vielleicht gereizt, niedergeschlagen oder traurig. Diese Symptome treten nur in der zweiten Zyklushälfte auf und klingen mit der Periode ab. Fühlt eine Frau dadurch eingeschränkt, sollte sie sich unbedingt bei ihrer Gynäkologin oder ihrem Gynäkologen melden. «Die erste Wahl zur Minderung der PMS-Symptome ist eine Verhütungspille», sagt Sabrina Vollrath.
Gewisse Frauen schwören aber auch auf eine Kur mit Mönchspfeffer, die PMS-Symptome nachhaltig lindern soll.
Ernährung und Schlaf unterstützen
«Grundsätzlich zeigt die aktuelle Datenlage, dass körperliche Leistungsfähigkeit nicht zwingend zyklusabhängig ist», antwortet Sabrina Vollrath auf die Frage, ob Frauen ihre Arbeitsbelastung anpassen sollen.
Trotzdem empfiehlt sie, auf körperliche Symptome zu achten und auf die eigenen Bedürfnisse einzugehen. Dazu gehöre beispielsweise das Achten auf Schlaf und Erholung an Tagen mit Symptomen.
«Ich bin überzeugt, dass der gesamte Lebensstil eine wichtige Rolle für unser Wohlbefinden und auch für die Hormonachse spielt», fährt die Fachfrau fort. Da helfen also eine ausgewogene Ernährung, genügend Schlaf, regelmässige Bewegung, Erholung und soziale Kontakte. «Einen einzelnen Geheimtipp gibt es aus meiner Sicht nicht, und wie so oft gilt: Die Dosis macht das Gift», sagt die Ärztin.

Welche Auswirkungen hat Stress?
Stress hat aber Einfluss auf den Zyklus. Bei starkem Stress kann sich bei manchen Frauen der Eisprung verzögern, die zweite Zyklushälfte weniger stabil sein oder gelegentlich sogar ein Eisprung ausbleiben. Gewisse Schwankungen seien aber normal, erklärt Sabrina Vollrath: «Ein Zyklus kann von Monat zu Monat um etwa sieben Tage variieren. Treten neu wiederholt Zyklen unter 22 oder über 38 Tagen auf, ist eine gynäkologische Abklärung sinnvoll.»
Wie Stress – emotional oder körperlich – empfunden wird, ist aber individuell. Es gibt auch positiven Stress, der euphorisierend ist, wie beispielsweise der Beginn eines neuen Hobbys oder Jobs. «Problematisch wird es, wenn die Belastung dauerhaft als negativ empfunden wird und die Erholung oder der Schlaf leidet», gibt die Expertin zu bedenken.
Ein regelmässiger Zyklus ist Ausdruck eines gesunden Körpers und einer funktionierenden Hormonachse. Wenn Bäuerinnen oder Landwirtinnen aber zu stark unter Periodenschmerzen oder PMS-Symptomen leiden, lohnt sich der Gang zur Gynäkologin oder zum Gynäkologen.

