Heisses Wetter führte zu kleineren Kirschen mit hohen Brix-Werten

Die Ernte bei Hochstammbäumen ist in der Innerschweiz weitgehend abgeschlossen. Produzenten und Abnehmer waren wegen der anhaltend hohen Temperaturen stark gefordert.

Die Hochstamm-Chriesi-Bauern mussten heuer sehr hitzetolerant sein. Während der Haupterntephase herrschten teils über 35 Grad. Das heisse und trockene Wetter forderte aber nicht nur die Pflückerinnen und Pflücker, auch die Früchte litten.

Vor allem die fehlenden Niederschläge und die dadurch knappe Wasserversorgung der Bäume hinterliessen ihre Spuren. «Die Kirschen von Hochstammbäumen in unserer Region waren heuer wegen der knappen Wasserversorgung sicher etwas kleiner, dafür wiesen die Früchte hohe Zuckergehalte auf», erklärte Produzent Erwin von Rickenbach aus Steinen SZ, der auch Vertreter des Produktezentrums Destillate des Schweizer Obstverbandes ist.

Kirschessigfliege gut in Schach gehalten

Die enormen Temperaturen während der Erntearbeiten seien heuer schon eine Herausforderung gewesen, meint der Produzent. Entsprechend früh am Morgen seien die Arbeiten in Angriff genommen worden. Die grosse Hitze habe aber auch dafür gesorgt, dass die Kirschessigfliege (KEF) in ihrer Entwicklung gehemmt worden sei. «Die KEF konnte heuer von den meisten Brennkirschenproduzenten gut in Schach gehalten werden», sagt Erwin von Rickenbach.

Das bestätigt auch Daniel Z'graggen von der Z'graggen Distillerie AG in Lauerz SZ. «Brennkirschenproduzenten mit gepflegten Bäumen hatten die KEF dieses Jahr gut im Griff», weiss Z'graggen. Sein Unternehmen habe den Bedarf an Brennkirschen über die eigenen langjährigen Stammlieferanten abdecken können. Er teilt die Einschätzung von Erwin von Rickenbach: «Ja, durch die knappe Wasserversorgung der Bäume stellte man eine Zucker-Aufkonzentration in den reifenden Kirschen fest, was zugleich zu kleineren Früchten führte.»

Ernte und Logistik mussten zügig erfolgen

Auch Thomas Waser von der Familienbrennerei Etter Söhne AG in Zug spricht von einem guten Jahr: «Wir konnten bei den Kirschen heuer teils rekordhohe Brix-Werte messen.» Die eingelieferten Mengen seien zwar nicht riesig gewesen, wichtiger sei aber ohnehin die Qualität. «Unsere Lieferanten machten heuer einen super Job», rühmt Thomas Waser weiter.

Die hohen Temperaturen hätten alle gefordert – es galt zu verhindern, dass der Gärprozess bei den Kirschen zu stark einsetzte. «Sowohl die Ernte als auch die Logistik mussten heuer zügig erfolgen», sagt Waser. Die Etter Söhne AG habe dieses Jahr aktiv nach neuen regionalen Hochstamm-Kirschenproduzenten gesucht und diese auch gefunden.

Kirschen, die von der Kirschessigfliege befallen waren, gab es heuer in gepflegten Anlagen weniger als in anderen Jahren.(Bild: reb)

Nur einzelne Hagelereignisse verzeichnet

Von grossen Hagelschäden wurden die meisten Brennkirschenproduzenten in der Innerschweiz verschont. Einzelne Schäden mussten allerdings verzeichnet werden. So gab es im Gebiet Goldau–Oberarth Mitte Juni ein Hagelereignis. Davon betroffen war auch Obstbauer Dominik Linggi. «Die Tafelkirschenernte an unseren Hochstammbäumen mussten wir nach diesem Hagelschlag leider aufgeben, Brennkirschen gab es aber noch.»

Das Hagelereignis sei räumlich stark eingegrenzt gewesen; auf einer seiner Parzellen, die nur einen Kilometer vom Betriebszentrum entfernt ist, habe es gar keine Schäden gegeben.

«Die KEF hatten wir dieses Jahr bis auf die ganz späten Sorten gut im Griff.»

Obstbauer Felix Knüsel zum Umgang mit dem Schädling.

Auf Brenn- statt Konservenkirschen gesetzt

Von Hagel verschont blieb auch Felix Knüsel, der auf seinem Betrieb Erli in Küssnacht am Rigi SZ mit seinem Team von rund 60 Hochstammbäumen Kirschen erntet. 1,5 Tonnen pflückte er gestielt und verkaufte diese als Tafelkirschen, den Grossteil lieferte er als Brennkirschen ab. «Die KEF hatten wir dieses Jahr bis auf die ganz späten Sorten gut im Griff», zeigt sich auch Felix Knüsel zufrieden.

Die Früchte seien zwar etwas kleiner gewesen, dafür habe es infolge des fehlenden Regens auch kaum aufgesprengte Kirschen gegeben. Dank der mehrheitlich trockenen Frühlingswochen sei auch der Druck von Monilia und Schrotschuss tief gewesen, was zu sehr gesunden Bäumen geführt habe.

Bis vor drei Jahren lieferte Felix Knüsel den grössten Teil als Konservenkirschen an die damalige Räber AG ab, nun verkauft er seine Früchte als Brennkirschen. Der Preis liege zwar rund einen Drittel tiefer, die Ernte- und Sortierarbeiten seien aber auch etwas weniger aufwendig.

Aus der Primärverarbeitung ausgestiegen

Bis vor drei Jahren war das Traditionsunternehmen Räber AG in Küssnacht am Rigi ein bedeutender Abnehmer für Konservenkirschen. Per Juni 2024 übernahm die Bakels Nutribake AG die Belegschaft und das Geschäft der Räber AG. Die Bakels Nutribake AG ist mittlerweile nicht mehr in der Primärverarbeitung tätig. Laut Geschäftsführer Pascal Hürlimann arbeitet die Bakels Nutribake AG aber mit Partnern zusammen und hat beispielsweise rund 20 Tonnen Konservenkirschen von Aronia Swiss zugekauft, zu der regionale Bauern ihre Früchte zur Verarbeitung bringen. Zudem bezieht die Bakels Nutribake AG auch von weiteren Schweizer Bauern Kirschen.

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