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Die Leber ist kein Giftlager, sondern eine Delikatesse – so gelingt sie

Der dritte Teil unserer Serie «From Nose to Tail» dreht sich um die Leber. Weil sie Schadstoffe im Körper verarbeitet, fragen sich viele, ob sie diese auch speichert. Studien entwarnen.

Herbstzeit bedeutet in einigen Restaurants Metzgete. Und dabei darf die Leber nicht fehlen. Sie kann in unzähligen Zubereitungsarten verwendet werden. Am bekanntesten sind wohl «Suuri Leberli». Doch nicht überall trifft Leber den Geschmack. Es scheitere am Mundgefühl, vermutet Metzgermeister Mark Widmer.

Denn zu Streichleber, in Leberwürsten oder Terrinen verarbeitet, würden auch Personen Leber essen, die sie sonst eher verschmähen. Er selbst gesteht, dass er noch im Lernprozess stecke, Leber zu mögen. Selbst bereitet er Leber nicht zu, isst sie aber gelegentlich auswärts. Und es wirkt: «So langsam bekomme ich sie gern», verrät er. Denn Leber mit Butter und Kräutern oder auch an einem kräftigen Jus serviert, schätzt er mittlerweile.

Mark Widmer ist Metzgermeister aus dem Bernischen Grossaffoltern. (Bild: Andrea Wyss)

Zur Person

Mark Widmer ist Metzgermeister aus Grossaffoltern im Kanton Bern. Er führt den Familienbetrieb in der fünften Generation. Die Metzgerei Widmer schlachtet Tiere aus der Region und legt Wert auf Qualität und echtes Handwerk, das den modernen Zeiten angepasst ist.

Kalbsleber als Delikatesse

In seinem Geschäft ist Leber in den kälteren Monaten ein sehr gefragtes Produkt. Zumindest was die Kalbsleber anbelangt. Die Anzahl Lebern aus den Kälbern, die Mark Widmer schlachtet, vermag die Nachfrage nicht zu decken und er muss welche zukaufen. Das schlägt sich auch auf den Preis nieder. So kostet ein Kilo Kalbsleber über 50 Franken. Viel geringer sieht die Nachfrage bei Rinds- und Schweinelebern aus. Die Preise bewegen sich denn mit 16 und 14 Franken pro Kilo auch in einem viel tieferen Bereich.

Kalbslebergeschnetzeltes mit Apfelscheiben

Für 4 Personen

Zutaten

600 g Leber vom Schweizer Kalb
1 Schalotte
2 kleine Äpfel
110 g kalte Butter
1 EL eingelegte grüne Pfefferkörner, grob gehackt
2 dl trockener Rotwein
2 dl Kalbsfond
Salz
Zucker
2 Zweige Majoran, abgezupfte Blätter








Zubereitung

  1. Kalbsleber 1 Stunde vor der Zubereitung aus dem Kühlschrank nehmen und in Streifen schneiden.
  2. Schalotte schälen und fein würfeln. Kerngehäuse der Äpfel ausstechen und die Äpfel in dünne Scheiben schneiden.
  3. Circa einen Fünftel der Butter in einer Pfanne schmelzen. Apfelscheiben darin bei milder Hitze von beiden Seiten goldgelb braten. Herausnehmen und beiseitestellen.
  4. Kalbsleber in zwei Portionen anbraten. Dafür etwa einen weiteren Fünftel der Butter in der Pfanne stark erhitzen, die Hälfte der Leberstreifen hineingeben und einen Teil der Schalottenwürfel darauflegen. Erst nach ca. 2 Minuten umrühren und Temperatur auf mittlere Hitze reduzieren. Unter gelegentlichem Rühren 2–3 Minuten weiterbraten und aus der Pfanne nehmen. Die 2. Portion Leberli mit der gleichen Menge Butter ebenso anbraten. Zur Seite stellen.
  5. Grünen Pfeffer in die heisse Pfanne geben, mit Rotwein und Kalbsfond ablöschen, bis zur Hälfte einkochen lassen und vom Feuer nehmen. Restliche kalte Butter in die Sauce rühren, sobald sie nicht mehr kocht.
  6. Kalbsleber nochmals kurz in der Sauce wärmen, Apfelscheiben zugeben. Mit Salz und einer Prise Zucker würzen, mit Majoranblättern bestreuen und servieren.

Dazu passen Kräuterrösti und ein grüner Salat.

Quelle: Proviande

Wie bei allen Innereien gilt, dass Leber gekühlt nur wenige Tage haltbar ist. Vakuumverpackt und bei mindestens –18 Grad tiefgefroren, ist Leber rund ein halbes Jahr haltbar.

Und auch für alle Lebern gilt beim Zubereiten: «Nur kurz und scharf anbraten. Das Schlimmste, was man mit Leber tun kann, ist, sie zu Tode kochen», betont der Metzgermeister. Denn dann werde sie zäh.

Lecker und gesund oder doch nicht?

Die Leber ist aber nicht nur eine Delikatesse für uns Menschen. Das Organ erfüllt bei Tier und Mensch gleichermassen wichtige Aufgaben im Stoffwechsel und reinigt unser Blut von Giftstoffen. Enthält denn Leber dadurch aber mehr Giftstoffe wie Schwermetalle oder organische Umweltgifte als Muskelfleisch? Dieser Frage gingen bereits zahlreiche Studien nach, heisst es bei «Schnell, einfach, gesund» der Gesundheitsplattform im deutschsprachigen Raum.

(Bild: Grafik Matthieu Induni)

Kochserie «Nase bis zum Schwanz»

«From Nose to Tail» bedeutet, ein Tier von der Nase bis zum Schwanz zu verwerten. Früher war das gang und gäbe. Doch die Ernährungsgewohnheiten haben sich verändert. Viele wissen nicht mehr, wie Ragout oder Innereien zubereitet werden. Oder es fehlt an der Zeit, um stundenlang in der Küche zu stehen.

In unserer losen Serie in Zusammenarbeit mit Proviande und Metzgermeister Mark Widmer zeigen wir Beispiele auf, wie Stücke jenseits von Filet, Plätzli, Koteletts und Co. zur Gaumenfreude werden, und dass es sich lohnt, dafür Zeit zu investieren. Im dritten Teil der Serie widmen wir uns der Leber. aw

Unter den Studien befanden sich solche mit Weidetieren ebenso wie solche mit Tieren, die in der Nähe von Industrieanlagen lebten – also genau dort, wo man eine höhere Belastung vermuten würde. Auch in Experimenten, in denen Tiere gezielt mit Giftstoffen (z. B. Aflatoxin, einem Schimmelgift) belastet wurden, wurde untersucht, wo sich diese Stoffe im Körper anreichern, führt Martin Auerswald, studierter Biochemiker und Ernährungsberater, auf der Plattform aus.

Nicht mehr Giftstoffe als das Steak

Und diese Studien kommen zum Schluss: Die Leber von Tieren – unabhängig von ihrer Lebensweise – enthält nicht mehr Giftstoffe als gewöhnliches Muskelfleisch, das wir als Steak, Filet, Gulasch oder Hackfleisch verzehren. Denn die Leber speichert die Giftstoffe nicht. Vielmehr arbeitet sie kontinuierlich daran, die Stoffe umzuwandeln, wasserlöslich zu machen und danach auszuscheiden.

Leber zu verzehren schadet gesunden Menschen also nicht. Im Gegenteil. Leber gehört zu den nährstoffreichsten Lebensmitteln überhaupt. «Sie liefert nahezu alle essenziellen Vitamine und Mineralstoffe in hoher Konzentration und besonders gut verfügbarer Form», schreibt Martin Auerswald. Daher empfiehlt die Gesundheitsplattform: «Ungefähr einmal pro Woche Leber in den Speiseplan einzubauen.»

Gichtbetroffene sollten verzichten

Vorsicht walten lassen müssen jedoch Personen mit erhöhten Harnsäurewerten und Gicht, rät die Rheumaliga Schweiz. Betroffene sollten auf Leber und Innereien generell verzichten. Denn Leber enthält viele Purine, was ein Auslöser für einen Gichtschub sein kann.

Leber ist zudem reich an Eisen. Vorsicht geboten ist daher auch bei Personen mit der sogenannten Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose). Dabei nimmt der Darm mehr Eisen auf, als benötigt, heisst es auf der Website des Unispitals Zürich. Das überschüssige Eisen lagert sich in der Leber und in den Gelenken ab, seltener auch in der Bauchspeicheldrüse, im Herz und in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse).

Bleibt eine Eisenspeicherkrankheit unentdeckt, kann das schwerwiegende körperliche Folgen haben. Die Erkrankung kann zu irreparablen Schäden an Organen führen, etwa in der Leber oder in den Gelenken. Wie bei vielen anderen auch, heisst es also ebenfalls beim Konsum von Leber: massvoll und nicht in Massen geniessen.

Wird Leber als Streichwurst zubereitet, sind Skeptiker eher bereit, die Innerei zu probieren. (Bild: Proviande)

Leberstreichwurst im Glas

Für 4 Personen

Zutaten

500 g Leber vom Schweizer Rind
500 g Hals vom Schweizer Schwein
250 g Kochspeck vom Schweizer Schwein
3 Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
1 EL Butter
Salz und Pfeffer
1 Msp. Piment gemahlen
1 Msp. Kümmel ganz
1 Msp. getrockneter Majoran
1 EL grober Senf
1 EL Rapsöl










Zubereitung

  1. Leber, Fleisch und Speck klein schneiden. Zweimal durch die mittlere Scheibe des Fleischwolfes geben oder mit einem Küchenmixer grob mixen.
  2. Zwiebeln und Knoblauch schälen und fein würfeln. Butter in einer kleinen Pfanne erhitzen und beides darin glasig dünsten, ohne Farbe nehmen zu lassen. Zur Fleischmasse geben und kräftig mit Salz, Pfeffer, Piment, Kümmel und Majoran würzen. Senf unterrühren.
  3. Saubere Einmachgläser in eine Auflaufform (für den Ofen) oder einen grossen Topf (für den Kochherd) stellen. Warmes Wasser einfüllen, bis die (leeren) Gläser zu drei Vierteln darin stehen. Wasser auf 90 °C erhitzen (mit Thermometer kontrollieren).
  4. Die heissen Einmachgläser mit Öl auspinseln. Leberwurstmasse mit einem Löffel einfüllen und gut andrücken, damit keine Luftlöcher zurückbleiben. Die Ränder der Gläser sollten sauber sein.
  5. Die gefüllten Gläser geschlossen ca. 1,5 Stunden im Wasserbad bei 90 °C garen.
  6. Die Gläser herausnehmen und sofort mit sauberen Gummiringen oder Drehverschlüssen luftdicht verschliessen und abkühlen lassen.
  7. Im Kühlschrank einige Monate haltbar.

Schmeckt besonders gut auf geröstetem Brot mit klein geschnittenen Essiggurken und Schnittlauch. Dazu passt Rettichsalat.

Quelle: Proviande

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