ABO

Walnuss oder Haselnuss? Welcher Baum zum Garten passt

Walnuss braucht viel Raum und lässt kaum Unterwuchs zu, Haselnuss trägt mit mehreren Sorten besser – worauf es bei Standort, Schnitt und Lagerung ankommt.

Diese Vorstellung ist ein Traum: Es ist Spätherbst und draussen prasselt der Regen an die Scheibe. Ich sitze in der warmen Stube und knacke ein paar Baum- und Haselnüsse für mich auf und freue mich, dass diese in meinem eigenen Garten gewachsen sind. Ist das auch Ihr Wunsch? Dann sind hier Tipps und Tricks für eine reiche Nussernte.

Geduld und Platz sind nötig

Bis es so weit ist, sind jedoch Geduld und Ausdauer gefragt. Die mühsame Wahrheit zuerst: Zwar wachsen viele Nussbäume und -sträucher einfach und ohne grosses gärtnerisches Geschick. Das Sammeln, Trocknen und Aufknacken der Nüsse benötigt jedoch Fleiss und erklärt auch Gärtner(innen) den hohen Wert.

Während in unseren Breitengraden Walnuss und Haselnuss problemlos wachsen, können an milden und bevorzugten Lagen auch Mandel oder Pekannuss wachsen und Nüsse produzieren.

Möchte man im Garten einen Wal- oder Baumnussbaum – das ist übrigens botanisch dasselbe –, braucht es genug Platz. Ab etwa zehn Metern Durchmesser bei einem Mittelstamm ist man im Rennen. Bei einer Hochstammvariante braucht es nochmals deutlich mehr Platz. Es ist ein Baum für einen grossen Garten oder eine Wiese.

Die Blätter und Fruchthüllen enthalten einen Wirkstoff, der verhindert, dass andere Pflanzen im Fallradius wachsen – ein üppiges Bepflanzen um den Walnussbaum herum ist also nicht möglich. Er möchte lieber alleine stehen.

Die Ernte lässt auf sich warten

Die ersten Nüsse können nach fünf bis zehn Jahren geerntet werden. Ein einzelner Baum kann in einem ertragreichen Jahr über 50 Kilogramm Nüsse geben. Diese müssen für die Ernte gesammelt werden, wenn nötig aus der äusseren Fruchthülle befreit, gewaschen und getrocknet werden.

Nun können die Nüsse mäusesicher und trocken mehrere Monate gelagert werden. Geschälte Nüsse sind deutlich weniger lange haltbar – die wertvollen ungesättigten Fettsäuren in der Baumnuss oxidieren mit der Luft und die Nuss wird schnell ranzig.

Im Tiefkühler oder Kühlschrank ist sie länger haltbar oder auch, wenn man sie portionsweise und gut getrocknet vakuumieren kann.

Pflegeleichte Bäume

Im Gegensatz zur Nussernte gibt der Baum selbst wenig Arbeit. Er benötigt fast keinen Schnitt. Ein Korrekturschnitt von jüngeren Bäumen oder ein Rückschnitt von Schäden kann im Spätsommer angebracht sein.

Im Winter sollte man die Walnuss möglichst nicht schneiden, denn sie neigt zum «Bluten» – tritt Saft aus, kann das den Baum schwächen. Da die Nüsse auch gerne von Tieren weitergetragen werden, kann es sein, dass im Umfeld des Nussbaumes wieder neue Nussbäume wild wachsen.

Haselnuss benötigt weniger Platz

Hat man im Garten etwas weniger Platz, kann eine Haselnuss eine gute Wahl sein. Im Gegensatz zur Walnuss ist der Strauch der Haselnuss sehr schnittverträglich und kann so auch an Platzverhältnisse angepasst werden.

Aber auch die Hasel kann bis sieben Meter hoch wachsen und über fünf Meter im Durchmesser erreichen . Ein regelmässiger Rückschnitt fördert aber das Fruchtwachstum, da die Nüsse bevorzugt am jungen Holz wachsen.

Für einen hohen Ertrag können mehrere Sorten helfen, weil sich die Hasel fremd bestäubt. Diese können zum Beispiel als Hecke im Garten gepflanzt werden.

Auch in der Schweiz werden Haselnüsse produziert, es handelt sich jedoch um eine Nische. (Bild lid/mg)
Haselnüsse werden nicht vom Baum gepflückt, sondern geschüttelt und vom Boden aufgelesen. (Bild: lid/ Matthias Gutknecht)

Haselnüsse nur vom Boden nehmen

Vom Strauch abgezogene Nüsse sind noch nicht reif, schrumpfen schnell und sind nicht haltbar. Es werden also die Nüsse vom Baum geschüttelt und aufgelesen. Weil sich viele Wildtiere wie Vögel und Eichhörnchen ebenfalls gerne an der Ernte bedienen, lohnt sich ein regelmässiges Aufsammeln.

Danach geht es mit dem Befreien von den Hüllblättern, Reinigen und Trocknen gleich wie bei den Baumnüssen weiter. Einmal getrocknet, können die Nüsse länger gelagert werden.

Bei den Haselnüssen kann der Haselnussbohrer Schaden anrichten – er legt seine Eier in die noch unreifen Nüsse und die Larven fressen sich genüsslich an der Nuss satt. Dies sieht man meist an einem Bohrloch in der Nusshülle. Spätestens beim Aufknacken ist zu sehen, dass das Innere nur noch aus einem Häufchen Kotkrümel besteht.

Mandel benötigt einen Begleiter

Ist der Garten an einer warmen Lage, kann auch ein Mandelbaum wachsen. Mandelbäume blühen früh im Frühjahr und wunderschön üppig in Rosatönen. Sie benötigen aber entweder einen zweiten Mandel-, einen Nektarinen- oder einen Pfirsichbaum zur Befruchtung.

Im Herbst platzen die Fruchthüllen auf und die Mandeln fallen in ihrer Schale auf den Boden. Mandelbäume benötigen je nach Sorte etwas weniger Platz. Drei bis fünf Meter reichen ihnen. Durch die empfindlichen frühen Blüten kann ein Platz an der warmen Hauswand sinnvoll sein – nur Staunässe mögen sie gar nicht.

Pekan ist der Exot

Die Pekannuss ist von den Ansprüchen her ähnlich wie die Walnuss, allerdings benötigen die Nüsse eine vier bis sechs Wochen längere Vegetationszeit zur Reife. Das begrenzt den Anbaustandort auf bevorzugte Lagen. Auch wird der Baum, einmal etabliert, sehr gross.

In den Jugendjahren benötigt er mehr Pflege, damit der Pekan lichtdurchlässig wächst und so ein langfristig guter Ertrag ermöglicht wird. Der Baum hat filigran gefiederte Blätter und eine leuchtend gelbe Herbstfärbung. Er kann also im Garten als schöner Solitärbaum wachsen – für eine ergiebige Befruchtung braucht es allerdings eine zweite Sorte der grossen Bäume.

Nüsse aus dem Garten können unseren Speisezettel reichhaltig ergänzen. Der passende Baum oder Strauch kann jahrelang reiche Ernte bringen, sollte aber sorgfältig ausgewählt werden und den Bedürfnissen und Gegebenheiten angepasst sein.

Bereit zur Ernte: reife Pekannüsse am Baum. Auf dem Gelände wurden bereits 300 Bäume gepflanzt.
Reife Pekannüsse am Baum. Ursprünglich aus Amerika stammend, werden sie auch hierzulande gepflanzt. Jedoch ist der richtige Standort wichtig. (Bild: Thomas Siegenthaler)

Nussbäume jetzt pflanzen

Wurzelnackte Bäume werden entweder im Herbst oder im Frühjahr gepflanzt. Eine Herbstpflanzung bietet gegenüber einer Pflanzung im Frühjahr einen schnelleren Austrieb im Frühjahr, einen besseren Bodenschluss durch Winterfröste und dadurch häufig eine bessere Wasserversorgung. Dies erklärt ein Informationsblatt des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL).

So pflanzt man einen Walnussbaum:

  • Wurzel vor Frost und Austrocknung schützen (Erdeinschlag, Wässern), auch beim Transport.
  • Ausreichend grosses Pflanzloch ausheben – bei einem 2 m hohen Baum circa 50 cm tief und breit.
  • Den Pfahl im Pflanzloch in den Unterboden einschlagen. Der Pfahl sollte bis circa 10 cm unter den künftigen Kronenansatz reichen.
  • Die dickeren und die verletzten Wurzeln des Baumes zur Förderung der Saugwurzelbildung massvoll bis ins gesunde (weisse, saftige) Gewebe zurückschneiden.
  • Zur Vermeidung von Frostrissen den Baum auf der Nordwestseite des Pfahls platzieren (in starken Westwindlagen auf der Ostseite).
  • Wurzeln etagenweise sauber nach aussen legen.
  • Die Wurzeln möglichst ohne Hohlräume mit Oberbodenerde bedecken.
  • Erde bis 5 cm über der Wurzelansatzstelle und 10 bis 20 cm unter der Veredelungsstelle auffüllen.
  • Den Baum nicht zu straff am Pfahl festbinden.
  • Mit circa 10 Litern Wasser angiessen.
  • Kompost- oder Mistring um den Baum anlegen; Düngergabe gelegentlich wiederholen.
  • Die ersten fünf Jahre eine Baumscheibe mit circa 50 cm Radius von Gras und Beikraut freihalten.

Am besten eignen sich humose, tiefgründige Böden. Staunässe wiederum vertragen Nussbäume auch nicht gut: Regenreiche Jahre an schlecht drainierten Standorten können zum Absterben der Bäume führen. Der Jungbaum sollte im ersten Jahr – je nach Sorte und Grösse der Pflanzen – circa 30 cm wachsen. Im Folgejahr bilden gesunde Bäume bereits 50 bis 100 cm lange Triebe.

Weiterlesen