Besamung, Trächtigkeit, Tankmilch: Ab November kennt der Lely-Roboter die Daten
Die Kuh ist besamt, der Eintrag liegt beim Zuchtverband. Bisher musste die gleiche Information im Herdenmanagement des Melkroboters nochmals erfasst werden. Das soll sich nun ändern. Am 18. November 2026 wird eine Neuerung auf der Datenbank installiert. Ab diesem Datum werden Daten aus den Datenbanken der Zuchtorganisationen automatisch an das Herdenmanagementsystem von Lely übermittelt.
Drei Datenpakete
Es geht um drei Arten von Informationen: Besamungen und Belegungen, Resultate von Trächtigkeitsuntersuchungen sowie die Resultate der theoretischen Tankmilch aus der Milchleistungsprüfung (MLP). «Damit stehen diese Informationen den Tierhaltern künftig direkt im Lely-System zur Verfügung, ohne dass sie dort nochmals manuell erfasst werden müssen», sagt Thomas Denninger von Swissherdbook.
In einem ersten Schritt senden die Systeme der Zuchtorganisationen, Cownect und Brunanet, die Daten an Lely. Die Übertragung läuft laut Denninger ereignisbasiert und damit praktisch in Echtzeit. Wird eine Besamung in der Datenbank der Zuchtorganisation erfasst, landet sie bei funktionierender Internetverbindung normalerweise innerhalb von Sekunden bis wenigen Minuten bei Lely.
Je nach Weg dauert es trotzdem etwas länger. Besamungen von Swissgenetics werden schon heute jede Nacht in die Datenbanken der Zuchtorganisationen importiert. Im Lely-System sind sie deshalb spätestens am Folgetag sichtbar. Anders beim Eigenbestandsbesamer, also beim Landwirt, der seine Tiere selbst besamt: Erfasst er die Besamung direkt über Smartherd, wird sie unmittelbar weitergeleitet. Auch die Resultate der Trächtigkeitsuntersuchungen, etwa von Fertalys, und jene der theoretischen Tankmilch werden automatisch übertragen. Die manuelle Eingabe im Lely-System entfällt.
Milchwäger schon heute nicht mehr zwingend
Ganz neu ist der automatische Datenaustausch auf Roboterbetrieben allerdings nicht. «Den Milchwäger benötigt es heute schon nicht mehr zwingend bei Roboterbetrieben mit automatisiertem Tierdatenaustausch», erklärt Thomas Denninger. Die Milchmengen werden bereits jede Nacht ab dem Roboter importiert. Die Betriebe hängen das Shuttle selbst am Roboter an. In der eBGS-App müssen sie nur noch einzelne Tiere markieren, etwa Galtkühe, also trockengestellte Kühe, oder umgestellte Tiere, zum Beispiel auf der Alp.
Auch in die andere Richtung soll es bald gehen. Im kommenden Jahr ist geplant, dass Daten von den Robotern an die Systeme der Zuchtverbände wie Cownect übermittelt werden.
IT-Projekte bestimmen den Zeitpunkt
Warum gerade jetzt? Swissherdbook stehe schon länger mit Lely und anderen Melkmaschinenherstellern in Kontakt, sagt Thomas Denninger. Den November habe man aber bewusst gewählt. Im Sommer wurden die Daten von Holstein Switzerland migriert, und Ende Oktober werden die neue TVD und Agridata eingeführt. Der Zeitpunkt hänge damit «in erster Linie mit der Koordination verschiedener IT-Projekte zusammen» und nicht mit neuen Vorgaben für die Milchleistungsprüfung.
Zuerst Lely, die anderen folgen
Den Anfang macht Lely. Weitere Melkmaschinenhersteller sollen im Laufe des ersten Halbjahres 2027 folgen. Ob ein Betrieb profitiert, hängt laut Denninger nicht allein davon ab, ob er einen Melkroboter besitzt. Entscheidend ist auch, ob die Software des jeweiligen Herstellers die nötigen Schnittstellen unterstützt.
Die Daten sind vorhanden. Herdebuchbetriebe, also Betriebe mit Tieren im Zuchtbuch, müssen sich im Prinzip nur für den Datenaustausch anmelden. Einzelne Datenpakete können sie jederzeit freischalten und die Freigabe auch wieder entziehen. «Der Züchter hat also stets die Kontrolle über seine Daten», sagt Thomas Denninger.
Weniger Fehler, geprüfter Milchsensor
Den grössten Vorteil sieht Thomas Denninger darin, dass Mehrfacheingaben wegfallen. Was bei einer Zuchtorganisation bereits vorhanden ist, muss im Herdenmanagementsystem des Roboters nicht nochmals erfasst werden. Das senke den administrativen Aufwand und das Risiko von Übertragungsfehlern. Zudem stünden die Daten in den verschiedenen Systemen schneller und einheitlicher zur Verfügung. Das verbessere die Datenqualität und erleichtere die tägliche Arbeit mit dem Herdenmanagement. Einen konkreten Nutzen gibt es auch bei der Milchleistungsprüfung: Mit den Resultaten der theoretischen Tankmilch lässt sich der MQC-Milchsensor von Lely kalibrieren oder überprüfen.
Für die Zuchtorganisationen bedeutet der automatisierte Austausch laut Denninger langfristig ebenfalls bessere Daten und effizientere Abläufe. Vor allem wenn die Daten künftig in beide Richtungen fliessen, könnten sie noch besser genutzt und Doppelspurigkeiten weiter abgebaut werden.

