Mit seiner Familie und Angestellten hat Jürg Wartmann über 35 Jahre den Landwirtschaftsbetrieb Grubmühle in der fünften Generation bewirtschaftet. Im Jahr 2019, drei Jahre nach Übernahme des Betriebs durch seinen Sohn Daniel, zog Wartmann mit seiner Ehefrau Martha nach Buchs im St. Galler Rheintal.

Dort, in seiner kleinen Werkstatt, entstanden im Verlaufe von zwei Jahren die einzelnen Teile der Hanfreibe. Nun hat Wartmann in der Grubmühle die Hanfreibe während Hunderten von Stunden mit Herzblut und Begeisterung zusammengebaut. Mit einem gewissen Stolz steht er davor.

Energiequelle Kemmenbach

«Die Kraft des Wassers faszinierte mich schon seit meiner Kindheit, früher waren es kleine selbst gebastelte Wasserräder und seit Jahren begeistern mich vor allem grosse, hölzerne Wasserräder, welche zum Antrieb verschiedenster Mühlen, Sägereien, Gewerbebetriebe etc. dienten», erinnert sich Jürg Wartmann.

Auf seinem elterlichen Hof diente das Wasser des vorbeifliessenden Kemmenbaches seit Jahrhunderten und sogar bis ca. 1940 als Energiequelle. Alte Dokumente belegen, dass 1841 nebst dem grossen doppelten Wohnhaus, der Scheune und dem Ofenhaus ein beinahe neues Gebäude mit dem Recht zur Wasserentnahme bestand.

Dieses diente damals zum Betrieb einer Säge, einer Hanfreibe und einer Ölmühle. Dessen zwei Räder waren das ganze Jahr hindurch mit ausreichender Wasserkraft versehen. «Leider ist von der damaligen Anlage nichts mehr vorhanden. Mit meinem Projekt möchte ich der Nachwelt die Funktion der Hanfreibe, wenn auch in etwas verkleinerten Form, aufzeigen», erklärt Wartmann.

Er weiss, dass sein Nachbau, den er anhand der Fachliteratur baute, zwar nicht einem originalen Nachbau entspricht, ist aber trotzdem überzeugt, dass die Betrachter in die Welt vor über 200 Jahren eintauchen werden. Der Nachbau, die Berechnungen, die Konstruktion und vor allem das Arbeiten mit Holz hat den 72-Jährigen fasziniert und herausgefordert.

Historische Spurensuche

Hanfreiben und Ölmühlen wurden oftmals als Einheit betrieben. «So gelang es den Familien, die damit verbundenen Arbeiten übers Jahr zu verteilen», weiss Jürg Wartmann zu erzählen. In der Grubmühle und auch an anderen Orten war dies ein wichtiger Gewerbebetrieb. Die Rohmaterialien, der Faserhanf, wurden von den Bauern angeliefert und anschliessend wieder abgeholt.

Für die Verarbeitung erhielt der Betreiber der Anlage einen Lohn. Ebenso gehandhabt wurde dies mit dem Sägen von Holz und dem Mahlen von Getreide. «Es versteht sich, dass alle diese Betriebe an einem Bach angesiedelt waren, da das Wasser als Energielieferant genutzt wurde», sagt der pensionierte Agronom.

Am Standort vom Ofenhaus

Für den Standort seines Projekts wählte er den von Fussgängern gut frequentierte Wanderweg in der Nähe des Wohnhauses, dort wo einst das Ofenhaus stand. Aus einer nicht mehr benötigten Zisterne mit zehn Kubikmetern Fassungsvermögen gelingt es, das Wasser auf das grosse Rad zu pumpen. Das Wasser gelangt über einen Holz-Kännel auf das Wasserrad und verschwindet nachher im Boden, wo es aufgefangen und zurück gepumpt wird. Das Rad und die gesamte Mechanik ist mit alten Original-Biberschwanzziegeln überdacht und gegen Witterungseinflüsse geschützt.

Für den Bau des Wasserrades verwendete Wartmann Lärchenholz, für das Getriebe Esche. Der handwerklich begabte pensionierte Landwirt erstellte sämtliche Zeichnungen, Pläne und Berechnungen selbst. Der eigentliche Mittelpunkt der Anlage ist der Reibstein. Er hat die Form eines Kegelstumpfes. Diese Form ergibt sich aus der Geometrie: Der Weg, den der Stein zurücklegen muss, ist aussen grösser als innen, also muss er aussen dicker sein als innen.

Reibstein gegossen

Der Reibstein muss die derben Fasern des Hanfstängels für die Weiterverarbeitung weicher und geschmeidiger machen. Darum bestimmt man den inneren Durchmesser etwas grösser. Der Stein ist jetzt gezwungen, leicht «durchzudrehen», weil er nicht schön abrollen kann.

«Einen Naturstein zu bearbeiten, bis er die gewünschte Form hat, war mir etwas zu zeitaufwendig und ich entschloss mich deshalb, eine entsprechende Giessform anzufertigen und den Reibstein aus Sand und Zement herzustellen», erklärt Jürg Wartmann. Mit einem Druck auf den roten Knopf vor der Anlage kann diese in Betrieb gesetzt werden. Eine Schautafel dient der Information.