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1. August-Brunch: Was Bieris nach 260 Gästen fürs nächste Jahr anders machen

Chantal und Samuel Bieri aus dem Emmental BE haben den Brunch heuer zum ersten Mal angeboten. Das Paar möchte andere Betriebe dazu aufmuntern – «Es fägt!»

Nach dem 1. August-Brunch auf dem Hof ist vor dem 1. August-Brunch. So zumindest sieht die Situation bei Chantal und Samuel Bieri aus Trub BE aus. Das Paar hat heuer auf seinem Hof inmitten der weiten Hügel des Emmentals zum ersten Mal den Brunch angeboten und wird es nächstes Jahr wieder tun. Sie blicken mit der BauernZeitung auf die Erfahrung zurück und zeigen sich hellauf begeistert.

«Wenn ihr die Gegebenheiten habt und Freude daran, Gäste zu bewirten, dann ist der Brunch für den Bauernbetrieb das Richtige. Denn es fägt!»

Samuel Bieri über den Traditionsanlass.

Der Landwirt und Forstwart erklärt freudestrahlend: «Wenn ihr die Gegebenheiten habt und Freude daran, Gäste zu bewirten, dann ist der Brunch für den Bauernbetrieb das Richtige. Denn es fägt!» Und auch seine Frau Chantal Bieri strahlt eine grosse Zufriedenheit aus.

«Ich habe Freude, wenn die Gäste Freude haben», erklärt sie. Beide stammen aus Brunchanbieterfamilien und standen während mehrerer Jahre als Helfer im Einsatz. Während der vergangenen Jahre waren sie jeweils als Gäste an einem Brunch anwesend. Chantal Bieris Wunsch war es jedoch schon lange, wenn das Bauernhaus um– und ausgebaut und damit Platz vorhanden sei, den Brunch selbst anzubieten.

Das war nun heuer der Fall. Die Werkstatt und die Halle zum Unterbringen der Maschinen wurden für die Gäste hergerichtet, damit sie bei allen Wettersituationen vor Sonne oder Regen geschützt sitzen können und keine Zelte benötigt werden. Der Betriebsleiter betont: «Der Brunch ist eine gute Sache.» Chantal Bieri will, dass das Erlebnis für die Gesellschaft erhalten bleibt. Denn es gebe in der Umgebung nicht viele Anbieter.

Die Gäste wurden in der neuen Werkstatt und der Maschinenhalle des umgebauten Bauernhauses verköstigt.(Bild: Familie Bieri privat)

Gemeinsam mit 14 Helferinnen und Helfern wurden 260 Gäste verköstigt. Dass trotz der Abgeschiedenheit ihres Hofes so viele Menschen kamen, freut Familie Bieri sichtlich. Beide strahlen bei den Erzählungen über das ganze Gesicht. Ihr Angebot umfasste Rösti, Spiegeleier, Hamme, Käse, Brot, Zopf, 1.-August-Weggen, Joghurt, Müesli, Butter, Konfitüre, Fruchtkuchen und Getränke wie Kaffee und Holunderblütensirup.

Das Thema Orangensaft

Was bei vielen Brunchangeboten auf dem Tisch steht, ist Orangensaft. Bei Familie Bieri war dies nicht der Fall. Ein Gast bemängelte dies. Doch den Hinweis des Gastgebers, dass lediglich regionale Produkte angeboten werden und daher Holunderblütensirup vorhanden sei, akzeptierte der Gast problemlos. Ziel fürs nächste Jahr ist es, auch eigene Schafwurst anbieten zu können. Heuer reichte dieses Vorhaben noch nicht, da sich die Schafherde erst im Aufbau befindet.

Zusätzlich und unabhängig vom Brunchpreis wurde eine kleine Festwirtschaft mit weiteren, kostenpflichtigen Getränken wie Bier und Mineralwasser angeboten. Eine kleine Ausstellung mit Maschinen aus dem Lohnunternehmen und ein grosser Spielbereich mit Trettraktoren, Hüpfburg und Sandkasten rundeten das Angebot ab.

Erfahrungswerte bei anderen einholen

Bei den Vorbereitungsarbeiten halfen nebst dem Angestellten Franco Stucki, auch beide Elternpaare tatkräftig mit. Für die vorgängigen Planungsarbeiten und Bestellungen war Chantal Bieri zuständig. Bei der Planung haben ihr die diversen Listen sehr geholfen, die der Schweizer Bauernverband auf dem Bauernportal zur Verfügung stellt.

Zudem konnte die Familie auf Wissen und Material aus eigenem Bestand zurückgreifen, da sie auf dem Hof das Schärmtanne-Beizli betreibt. Dieses ist von Mai bis Oktober jeweils am Sonntag und auf Anfrage für Gruppen geöffnet. Wegen dessen Betrieb hatte Chantal Bieri, die gelernte Verkäuferin ist, 2018 auch das Wirtepatent gemacht.

Einiges an Material, wie Grillplatte, Wärmebehälter und zusätzliches Besteck, wurde gezielt zugekauft, da der Brunch keine Eintagsfliege bleiben wird. Gemietet wurden die Festbänke und Filterkaffeemaschinen.

Dieses Gebäude war früher ein Schweinestall. Eine Tante baute es einst zum Schärmtanne-Beizli aus.(Bild: Alissa Scheuermeier)

Was die Mengenberechnung für den Brunch anging, holte Chantal Bieri Verbrauchszahlen bei drei bestehenden Anbietern ein und verglich sie. Da sich diese sehr ähnelten, plante sie die Bestellung anhand dieser Zahlen. Dieses Vorgehen habe sich bewährt und nun lägen eigene Referenzzahlen fürs nächste Mal vor. Eingekauft wurde bei befreundeten Bauernbetrieben und umliegenden Geschäften.

In Zahlen

300 Spiegeleier wurden gebraten
70 kg Rösti verspeist
30 kg Hamme gegessen
30 kg Käse wurden vertilgt
6 Bleche Früchtekuchen wurden verteilt



Pannen locker nehmen

Dass beim ersten Mal nicht ganz alles reibungslos läuft, gehört wohl dazu. So fiel der Strom bei der Grillplatte aus, auf der die Rösti gebraten wurde. Kurzerhand wurde das Braten in die Beizliküche verlegt und der Hausherr musste als Transporteur zwischen Küche und Buffet, das in der Maschinenhalle des Lohnunternehmens stand, fungieren. W

as das Paar im nächsten Jahr anders machen wird, ist das Positionieren der Festwirtschaft mit den zusätzlichen, kostenpflichtigen Getränken. Dieses müsse klarer vom Brunchbuffet getrennt sein – etwas, das heuer nicht der Fall war und für Verwirrung sorgte.

Familie Bieri richtete die Käse sortenweise auf Tellern an. Das hat den Vorteil, dass jeweils nur kleine Mengen auf dem Buffet stehen und immer gekühlte Ware angeboten werden kann.(Bild: Familie Bieri privat)

Perfekt funktioniert hat hingegen die Anordnung der Buffets. «Chantal wollte, dass wir speditive Fassstrassen haben. Das war ihr sehr wichtig», erklärt der Hausherr. Dazu wurde beim Aufstellen bewusst viel Zeit investiert, um die optimale Situation zu kreieren. Zeit, die sich offenbar gelohnt hat. Denn die Gäste hätten nie lange anstehen müssen.

Viel Wert legte die Gastgeberin auch darauf, dass trotz Buffetbetrieb alles immer hygienisch frisch war. So wurde als Beispiel der Käse am Vortag frisch geschnitten und sortenweise auf Tellern angeordnet und im Kühler aufbewahrt, statt grosse Käseplatten zu arrangieren. Dieses Vorgehen bewirkt, dass immer nur kleine Mengen auf dem Buffet stehen und jederzeit frische Waren auf dem Buffet angeboten werden können. Ein Vorgehen, das auch der Lebensmittelexperte begrüsste, den Chantal Bieri im Vorfeld kontaktierte.

Diskussion Preisfestsetzung

Bei der Preisfestsetzung hat sich die Familie an vergleichbaren Angeboten anderer Anbieter orientiert. So bezahlten bei ihnen heuer die erwachsenen Personen 35 Franken. Ein Preis, der von ein paar Gästen als zu tief befunden wurde. Doch dem Paar ist es wichtig, dass sich auch Familien das Erlebnis «Brunch auf dem Bauernhof» leisten können.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden mit je 100 Franken und der Verpflegung entschädigt. Der Aufwand des Paares fliesst wohl aber nicht in die Endabrechnung ein. Nun gehe es darum, diese Endabrechnung zu erstellen. Erst danach werden sie entscheiden, ob der Preis im nächsten Jahr allenfalls doch etwas angehoben wird. Was sicher bleiben wird, ist der hohe Anspruch der beiden, den Gästen einen schönen Aufenthalt auf ihrem Hof zu bieten.

Noch befindet sich die Schafherde der Familie im Aufbau und sie nehmen Sömmerungstiere auf. Doch das soll sich ändern.(Bild: Andrea Wyss)

Betriebsspiegel Familie Bieri

Betriebsleiter: Samuel und Chantal Bieri
Familie: Roman (6 J.) und Luca (knapp 3 J.)
Mitarbeitende: 1 Mitarbeiter Teilzeit
Produktionsform: ÖLN
Zone: Bergzone 2
Höhe: 950 m ü. M.
Fläche: 30 ha Land plus Wald
Kulturen: Grasland, Wald
Tiere: 7 Mutterkühe, 63 eigene Schafe plus rund 144 Sömmerungsschafe
Betriebszweige: Lohnunternehmen Landschaftspflege von Steil- und Nassflächen, Schärmtanne-Beizli, betreutes Wohnen.








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