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Eine Präsidentin zwischen Berg und Tal

Edith Camenzind, die Präsidentin der Schwyzer Bäuerinnen, wohnt auf 1000 Meter über Meer. Die Abgeschiedenheit ist manchmal abenteuerlich.

Abenteuerlich ist die Anfahrt zum Hof Oberbrüggen der Familie Camenzind in Gersau. Enge, kurvige Strassen führen am Fusse der Rigi hinauf auf gut 1000 Meter über Meer. Die waghalsige Fahrt wird mit einer herrlichen Aussicht auf den Vierwaldstättersee belohnt. Hier bewirtschaften die neugewählte Präsidentin der Schwyzer Bäuerinnen, Edith Camenzind, und ihr Mann Daniel 23 ha landwirtschaftliche Nutzfläche in den Bergzonen III und IV. Zehn Mutterkühe mit Kälbern sowie dreissig Stück Jungvieh sind zu versorgen, ein Grossteil in Vertragsaufzucht. Zum Hof gehören zudem einige Geissen und Hühner. Auch eine Alp betreibt die Familie, die liegt nochmals weiter oben Richtung Rigi Burggeist, unterhalb der Scheidegg.

Ja keinen Bauern

Vor 25 Jahren lief sich das Paar am Jodelfest in Sempach über den Weg. Die aufgestellte Bäuerin stammt aus Römerswil im Seetal und ist dort auf einem Bauernhof aufgewachsen. Sie habe immer gesagt, dass sie nie einen Landwirt heiraten möchte. «Meine Mutter war immer im Stress, so viel Arbeit das ganze Jahr. Dann kam es halt doch anders für mich», erzählt die vierfache Mutter lachend.

Nachdem sie zu ihrem Mann in die «Höger» zog, arbeitete Edith Camenzind weiterhin auswärts als hauswirtschaftliche Betriebsleiterin. Bis zu dem Zeitpunkt, als es für sie stimmte, ganz aufzuhören und Vollzeit auf dem Hof mitzuhelfen. Ein Jahr konnte sie den Betriebsalltag miterleben, dann kam das erste gemeinsame Kind zur Welt. Inzwischen hat das Paar vier Kinder. Die älteste Tochter absolviert die Lehre als Bäckerin/Konditorin/Confiseurin. Der jüngste Sohn kommt im Sommer in die dritte Klasse.

Mit dem Bob in die Schule

Der Schulweg der Kinder ist alles andere als gewöhnlich. Die nächste Bushaltestelle ist knapp ein Kilometer talwärts entfernt. Im Winter wird eine Bobfahrt dahin bevorzugt. «Obwohl diese Schlitten dann oft den Weg rauf nicht mehr finden. Die warten, bis sie jemand mit dem Auto wieder mitnimmt», erzählt Camenzind augenzwinkernd.

Trotz der Abgeschiedenheit des Hofes findet seit acht Jahren eine Agri-Praktikantin den Weg zu Familie Camenzind. Der jüngste Sohn ist mit den Besucherinnen gross geworden, denn nur wenige Tage nach seiner Geburt war die erste Praktikantin auf dem Hof. «Diese Mädchen sind eine Bereicherung. Man profitiert auch selber. Sie bringen unter anderem Abwechslung in den Kochalltag.» So habe sie dank der Schulaufgaben wieder angefangen, zu sterilisieren, erzählt die Bergbäuerin. Edith Camenzind steht noch mit allen Mädchen in Kontakt. Ihre allererste Praktikantin machte sie sogar zur Gotte.

Offen für Neues

Bisher waren ausschliesslich weibliche Praktikantinnen auf dem Betrieb, für das kommende Jahr hat sich ein junger Mann beworben. «Er möchte natürlich gerne vermehrt draussen arbeiten, das wäre ein etwas anderes Agriprakti. Aber es könnte eine gute Erfahrung werden», nimmt die Gastgeberin an.

Langweilig wird es auf dem Betrieb Oberbrüggen bestimmt nicht. Im Winter ist die Familie öfters eingeschneit, Landwirt Daniel Camenzind pflügt dann jeweils die Strasse. Bei Wintern mit schwerem, nassem Schnee lässt die Familie auch schon mal ihr Auto weiter unten an der Strasse stehen und überwindet die letzten Höhenmeter zu Fuss. «Wenn es sehr heftig schneit, dann verlasse ich das Haus natürlich nicht, wenn es nicht unbedingt nötig ist», offenbart die Bergbäuerin.

Wocheneinkauf planen

Mit drei vollen Gefriertruhen, viel Eingemachtem und einem gut gefüllten Vorratskeller schaut die Familie den schneereichen Tagen gelassen entgegen. Auch während der Pandemie musste sich Edith Camenzind nie Gedanken um die Versorgung machen. «Mein Garten ist zwar nicht riesig, gärtnern ist auch nicht mein Hobby. Aber Salat pflanze ich sicher immer.» Wer so abseits wohnt, muss den Wocheneinkauf gut planen. «Wenn du etwas Wichtiges vergessen hast, dann hast du halt Pech gehabt», meint die Bäuerin schmunzelnd.

Eine Präsidentin zwischen Berg und Tal
Edith Camenzind, die neue Präsidentin der Schwyzer Bäuerinnen ist vierfache Mutter und passionierte Bergbäuerin.

Zu den Schwyzer Bäuerinnen kam Camenzind durch die Ortsvertreterinnen. Als die Kinder noch kleiner waren, habe sie jedoch noch nicht aktiv mitgewirkt. «Man war im Verein, hat den Jahresbeitrag bezahlt. Mehr aber nicht.» Camenzind wurde bereits vor 15 Jahren für den Vorstand angefragt, doch damals war es noch zu früh. Vor vier Jahren trat sie dann im Vorstand das Amt der Kassiererin an. «Erst hatte ich blockiert, aber gereizt hatte mich der Präsidentinnenposten trotzdem. Ich wollte, dass mein Mann auch 100 Prozent dahinterstehen kann», erklärt sie ihr Zögern. Da ihr Mann kurz darauf einige Ämter ablegte, konnte die Bäuerin das Amt schlussendlich übernehmen. So hält sich das Paar weiterhin gegenseitig den Rücken frei.

Rest kommt «vorewäg»

1500 Mitglieder sind zu führen, viele Sitzungen zu leiten und beizusitzen. Vor der ersten GV im vergangenen März war Camenzind etwas nervös: «Ich dachte erst, das Sprechen vor grossen Menschenmengen sei nichts für mich. Doch irgendwann blendet man sie aus und redet einfach.» Ihre Vorgängerin, Alice Gwerder, bezeichnet sie als humorvoll und unterhaltsam. «Ich hingegen bin da eher etwas trockener», gibt sie zu bedenken. Was die Präsidentin weiter fördern möchte, sind die Auftritte in den Sozialen Medien. «Dafür haben wir eigens ein neues Ressort geschaffen und konnten es gleich besetzen», freut sie sich. Der Verein verspricht sich durch die Kanäle unter anderem mehr Teilnehmerinnen bei den Kursen und den Kontakt zu jüngeren Bäuerinnen.

«Es ist ein gut geführter Verein, den ich da übernahm. Und auch der elfköpfige Vorstand ist eine tolle, verlässliche Truppe», schwärmt Camenzind. Grosse Pläne habe sie noch nicht, erst mal wird das neue Kursprogramm zusammengestellt und alles andere kommt dann «vorewäg».

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