Es gibt Ereignisse, die werfen ihre Schatten voraus. Nachhaltiger sind aber Ereignisse, welche lange nachhallen. Wie die Traktorenlichterschau in der Samstagnacht vom 23. Juli 2022. In zwei Tagen organisiert von zwei jungen Männern. Sie boten am Donnerstag per SMS und Whatsapp Bauern und Bäuerinnen mit ihren Traktoren auf. Am Freitagnachmittag liessen sie die BauernZeitung und ein regionales Blatt von ihrem Vorhaben wissen.

So fuhren am Samstagabend 250 Traktoren auf ein Stoppelfeld zwischen Maisprach, Wintersingen und Buus. Das Aufstellen der Fahrzeuge zum Schweizer Kreuz und dem «Nein!» zur Massentierhaltungs-Initiative dauerte rund zwei Stunden. Das gab den über 500 herbeigeströmten Personen Zeit, sich über Gott und die Welt zu unterhalten. Und eine Bratwurst mit Brot zu geniessen. Schliesslich sind Bäuerinnen dafür bekannt, dass sie im Nu eine «Festwirtschaft» aufstellen können.

Politikern keine Plattform zur Selbstdarstellung bieten

Am meisten war wohl zu hören: «Wir Bauernfamilien halten zusammen, wenn es drauf ankommt.» Manche fragten, ob die Politik nicht eingeladen worden war. Man sehe keine Landräte/Landrätinnen, keine Behördenmitglieder. Darauf antworteten einige, es sei besser so. Sonst müssten noch Reden angehört und Selbstdarsteller(innen) zugeschaut werden.

Die auf diesen Hinweis angesprochenen Organisatoren erklärten: «Wir wollten diesen Anlass explizit für die Bauernfamilien auf die Beine stellen. Wir wollten keine persönlichen Auftritte, sondern eine Zusammenkunft für uns und unter uns.» Dies ist den zwei Männern gelungen. Die Veranstaltung war dem Nachdenken gewidmet, gleich einer inneren Einkehr. Es war ein einmütiger Anlass, ohne ausgelassene Fröhlichkeit.

Das Heu nicht auf derselben Bühne und doch vereint

Ein alter Bauer raunte mir zu: «Ich könnte dir Anwesende aufzeigen, die das Heu nicht auf der gleichen Bühne haben. Jetzt stehen sie hier nebeneinander, vereint für eine Sache.» So sollte es sein: Wir können in Einzelheiten unterschiedlicher Meinung sein. Gelte es aber, sich gegen extreme Ansichten zu wehren, welche von grosser Unkenntnis zeugten, müssten und wollten sie zusammenhalten.

Ich erhielt Reaktionen von nichtbäuerlichen Bekannten. Einer, der viele Jahre im Ausland lebte, schrieb: «Scheint mir ein typisch schweizerischer Anlass gewesen sein: Betroffene haben eine Idee, wie man seiner Frustration Ausdruck geben kann, finden ein paar Gleichgesinnte und setzen sie erfolgreich und friedlich um. Ein super Ergebnis! Und so unbürokratisch.»

Die Solidarität überwältigt viele

Eine Frau mailte: «Es muss eine extrem eindrückliche Demonstration der Solidarität gewesen sein. Ich hatte keinen Hinweis darauf gesehen, sonst wäre ich dabei gewesen.» Ein junger Mann schrieb: «Ja, das war eine tolle Aktion. Danke für die Bilder! Der Effekt mit den Lichtern ist grossartig! Ich warte auf die ersten ‹Grünen›, die motzen, es sei nicht ökologisch, mit 250 Traktoren so weit zu fahren. Aber Pferde haben leider keine Lampen und Sputniks (Warnlichter)!»

Öfters mal Mut zeigen

Im Nachhinein hörte ich von Personen, die etwas bewegen können und Einfluss haben, diese Zusammenkunft habe bewiesen, wozu die Bauernsame gemeinsam fähig sei. Miteinander würde sie etwas zustande bringen. Und die meisten fügten an: «Wir müssen es unbedingt mehr wagen.»