«Die Alpsaion 2022 startete erstens sehr früh und zweitens schweizweit mit einem grossen Mangel an Alppersonal», so das Fazit von Barbara Sulzer zur diesjährigen Alpsaison. Sie bedient das Alpofon, welches für Ersatzpersonal auf Alpen sorgen soll. «Harzig, harzig ist es, Ersatzälpler zu finden, und das schon seit Mai», sagt sie.
Nix mit «zurück zur Natur»
«Die Alpmeister und Älpler brauchen dringend Hilfe und ich kann einfach nicht helfen. Ich musste etwas unternehmen und wandte mich an Radio SRF 1.» Das klappte. Am 15. Juni, 7.10 Uhr war Barbara Sulzer «Morgengast» bei Sven Epiney.
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Das hatte sie vor einigen Jahren schon mal gemacht, dann habe es im Nachgang am Telefon «gräbbelt». Aber dieses Mal blieb das Telefon stumm. Niemand meldete sich. «Ich konnte es kaum glauben. Klar weiss ich, dass in vielen Branchen die Leute fehlen, aber doch nicht auf der Alp. Im ersten Coronajahre hatten sich bei uns sehr viele Helfer gemeldet. Ich hatte das Gefühl, dass sich wirklich viele zurück nach der Natur sehnen.»
Rückzug der Helfer
An Sven Epiney kann der Helfermangel nicht liegen. Der Moderator schwang grossartig die Werbetrommel, um Hörer zu motivieren. Das probierte Barbara Sulzer diese Saison schon auf vielfältigen Wegen. «Langsam gehen mir aber die Ideen aus, wie wir die Älpler unterstützen können», sagt sie.
Auch Caritas Bergeinsatz verzeichnet im Vergleich zu den Pandemiejahren einen Rückgang an freiwilligen Helfern. «Bergeinsatz» unterstützt Bergbauernfamilien, die sich in einer stark belastenden Arbeits- oder Lebenssituation befinden. «In den Coronajahren verzeichneten wir einen Rekord an Anmeldungen. Gemeldet haben sich rund 1200 Personen», sagt Desirée Germann von Caritas Schweiz. Das sei jetzt anders.
Gefragte Gruppeneinsätze im Berggebiet
Ausser für Einzelpersonen organisiert Caritas aber auch eintägige Arbeitseinsätze für Gruppen. Dabei melden sich Firmen für Team-Events an. «Dort läuft die Anmeldung hervorragend», sagt Germann. Die grosse Nachfrage an Gruppeneinsätzen bestätigt auch Pius Fölmli. Er leitet die Technische Abteilung der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) mit ihrem Projekt «bergversetzer.ch». Dabei werden freiwillige Gruppen an Bergbauern, Alpkorporationen oder Gemeinden vermittelt, sei es, um Weiden zu pflegen, Wege zu unterhalten oder auch einen Stallbau zu unterstützen. Während der Pandemie waren solche Einsätze nur eingeschränkt möglich. Jetzt aber melden sich viele Schulklassen, Seniorengruppen, Firmen mit Lernenden und Vereine. «Im Referenzjahr 2019 hatten wir 170 Gruppen, die rund 10 000 Arbeitstage leisteten. Das wollen wir wieder erreichen. Wir sind mit Stand heute bei 6500 Einsatztagen auf gutem Weg», hält Fölmli fest.

