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Agroscope entwickelt ein neues Werkzeug für den Analyse-Kasten in Sachen Nachhaltigkeit

Agroscope hat mit Salcasustain das dritte Bewertungssystem für Landwirtschaftsbetriebe entwickelt. Es ist vor allem für die Beantwortung von Forschungsfragen geeignet.

Agroscope hat ein neues Werkzeug erarbeitet. Dieses erlaubt es dem Betriebsleiter, ein umfassendes, vollständiges und wissenschaftlich fundiertes Bild der Nachhaltigkeit für den Betrieb zu erhalten, Schwachstellen aufzudecken und Synergien zu finden. Wir haben uns mit dem Entwickler von Salcasustain, Andreas Roesch, unterhalten.

Herr Roesch, es gibt mit Rise von HAFL und Smart vom FiBL bereits zwei Nachhaltigkeits-Bewertungssysteme für die Landwirtschaft, warum braucht es noch ein drittes?

Andreas Roesch: Eine Methode kann nicht alle Zwecke abdecken. Deshalb ist es sinnvoll, für unterschiedliche Zielgruppen und Fragen unterschiedliche Modelle zu entwickeln. Vor der Beantwortung einer Fragestellung muss man sich genau überlegen, welche Methode am geeignetsten ist, diese möglichst gezielt und umfassend zu beantworten. [IMG 2]

Worin unterscheidet sich Ihre Methode von den anderen?

Salcasustain ist im Gegensatz zu Smart und Rise vor allem für die Beantwortung von Forschungsfragen geeignet. Zudem bietet es die Möglichkeit, unterschiedliche Managementstrategien auf Betriebsebene zu überprüfen. Dabei ist es möglich, auch die Folgen relativ geringfügiger Änderungen im Management zu ermitteln. So reagiert Salcasustain etwa sehr sensitiv auf Änderungen in der Bodenbearbeitung bei unterschiedlich schweren Maschinen, auf Änderungen in der Anwendung von Pestiziden oder der Einführung neuer Arbeitstechniken.

Ein Alleinstellungsmerkmal von Salcasustain ist auch die Bewertung der Ästhetik des Landschaftsbildes oder die präzise Abschätzung der zeitlichen Arbeitsbelastung als Indikatoren für soziale Nachhaltigkeit. Zudem werden auch die Umweltwirkung auf Produktebene (und tw. auf der Ebene Parzelle und Kultur) erfasst, während die anderen beiden Methoden auf Betriebsebene bleiben.

Gibt es auch Nachteile von Salcasustain?

Die Quantifizierung der Indikatoren stellt natürlich auch komplexere modelltechnische Anforderungen an das Werkzeug. Deswegen kann Salcasustain nur von den Forschenden bedient werden. Dies im Unterschied zu Smart und Rise, mit dem nach einer relativ kurzen Einführung ein Nachhaltigkeitsassessment auf Betriebsebene mittels Interviews durchgeführt werden kann.

Was bringt dem Betrieb eine Nachhaltigkeitsbewertung?

Der Betriebsleiter ist für seinen Betrieb verantwortlich und in der Regel daran interessiert, ressourcen- und bodenschonend sowie wirtschaftlich zu produzieren, ohne das eigene Wohlbefinden und dasjenige seiner Angestellten und Handelspartner zu vernachlässigen.

Eine Nachhaltigkeitsbewertung liefert ihm die entsprechenden Informationen. Sie hilft, Zielkonflikte zu entdecken und wenn möglich zu vermeiden. Sie erlaubt, das aktuelle Management zu überprüfen. Eine Nachhaltigkeitsbewertung hilft zudem, treibende Kräfte hinter den Resultaten zu eruieren und Verbesserungspotenziale zu identifizieren (z. B. durch Ersatz ungeeigneter Maschinen, angepasste Düngung oder eine reduzierte Menge an problematischen Wirkstoffen im Pflanzenschutz). Auf Betriebsstufe erlaubt sieden Vergleich mit den Berufs-kolleg(inn)en.

Wie gross ist der Aufwand für diese Bewertung, zeitlich und finanziell?

Ein kürzlich abgeschlossenes Projekt hat anhand zweier Testphasen auf zwölf Praxisbetrieben gezeigt, dass der Aufwand der Datenerhebung für die Ersterhebung bei rund 19 Stunden liegt und bei leicht über 13 für die Zweiterhebung (davon 6–9 Stunden für die zur Auszahlung von Direktzahlungen ohnehin nötigen Daten).

Es ist aber zu erwarten, dass der Zeitaufwand durch die zunehmende Digitalisierung (Sensoren senden nötige Daten direkt an Datenbank) deutlich reduziert werden kann. Ebenso sollte die Entwicklung neuer Plattformen wie Barto dazu beitragen, die zeitliche Belastung durch Vermeidung von Doppelerhebungen und anwenderfreundlicher Dateneingabe deutlich zu reduzieren.

Der Aufwand für die Datenbereinigung und -plausibilisierung ist gegenwärtig aus verschiedenen Gründen und oft ungenügender Prüfung der Daten gleich bei der Eingabe sehr hoch.

Wo sehen Sie den grössten Handlungsbedarf in Sachen Nachhaltigkeit?

Bezogen auf die Nachhaltigkeitsbewertung gibt es Handlungsbedarf bei der Methodenentwicklung insbesondere im sozialen Bereich. Für die Entwicklung hin zu einem nachhaltigen Schweizer Land- und Ernährungssystems reicht die Bewertung alleine nicht, es braucht die Einsicht zum Handlungsbedarf und den Umsetzungswillen bei allen Akteuren der Gesellschaft.

Welches sind die einfachsten Schritte?

Die Berechnung gewisser Indikatoren (wie etwa der Ästhetik des Landwirtschaftsbildes und der Arbeitsbelastung) ist einfach zu automatisieren und einzusetzen. Die ökonomischen Indikatoren können anhand von in üblichen Buchhaltungsprogrammen verfügbaren und häufig verwendeten Kennzahlen berechnet werden.

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