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«Die Pestizidverbots-Initiative bietet die Chance für ein dringend nötiges Umdenken»

Die Kleinbauern-Vereinigung hat sich für eine aktive Rolle im Abstimmungskampf und für die Pestizidverbots-Initiative entschieden. In einem Webinar erklärte VKMB-Präsidentin Regina Fuhrer anhand ihrer eigenen Erfahrungen als Bäuerin, warum die Vorlage umsetzbar und wichtig sei.


«Es handelt sich bei der Pestizidverbots-Initiative (PVI) nicht um eine Bio-Initiative. Aber natürlich geht es in diese Richtung», erläuterte Angelika Hilbeck, Leiterin der Forschungsgruppe Umweltbiosicherheit und Agrarökologie an der ETH Zürich einleitend. Zusammen mit der Präsidentin der Kleinbauern-Vereinigung VKMB, der Bio-Bäuerin Regina Fuhrer, besprach Hilbeck, inwiefern die PVI die Schweizer Landwirtschaft weiterbringen könnte.

 Seit 35 Jahren jedes Jahr Bio-Kartoffeln

Pestizidfrei zu produzieren sei nicht dasselbe, wie biologisch zu arbeiten, stellte Regina Fuhrer zu Beginn klar. «Man versteht den Betrieb als System und arbeitet mit dem Ökosystem, Boden und Tieren zusammen. In der konventionellen Landwirtschaft teilt man das System auf.» Dann habe man einen Acker mit Kartoffeln und daneben einen Ökostreifen, während bei einem Bio-Betrieb beides auf dem Feld vereint sei. «Das ist auch nötig, um den Boden gesund zu halten», ist Fuhrer überzeugt.

Sie höre oft, Kartoffeln könne man kaum biologisch anbauen – und wenn, dann nicht ohne problematisches Kupfer einzusetzen. «Wir haben seit 35 Jahren Bio-Kartoffeln,», konterte die VKMB-Präsidentin, «und wir hatten jedes Jahr Ertrag.» Das funktioniere innerhalb eines starken Gesamtsystems, das gesunde und widerstandsfähige Pflanzen ermögliche.

Regina Fuhrer bewirtschaftet mit ihrer Familie einen Betrieb im Gürbetal mit 12,8 Hektaren LN. Nach der Übernahme von ihren Schwiegereltern stellte Fuhrer zusammen mit ihrem Mann den Betrieb aus Überzeugung auf Bio um. (Bild reginafuhrer.ch)

Ursachen statt Symptome bekämpfen

Nach Meinung von Regina Fuhrer wird mit Pflanzenschutzmitteln Symptombekämpfung betrieben: «Man sieht einen Pilzbefall und fragt sich, welche Mittel dagegen zur Verfügung stehen», illustrierte sie. Besser wäre es aber, über die Ursachen nachzudenken, das System zu verstehen und damit auch, warum die Pflanzen krank werden. Das sei eine der Herausforderungen, die eine Annahme der PVI mit sich bringen würde.

«Es braucht die Bereitschaft zum Umdenken. Aber mit den 10 Jahren Übergangsfrist haben wir genug Zeit dafür»,

meinte die Bio-Bäuerin.

Haltung des SBV sei unverständlich

Konventionelle Landwirtinnen und Landwirte sieht Regina Fuhrer in einem Hamsterrad gefangen, das von Markt, Handel, Agrochemie und der Maxime «mehr, schneller, billiger und auf Kosten der Natur produzieren» angetrieben wird. Daher sei es ihr unverständlich, dass sich der Schweizer Bauernverband SBV dermassen mit Händen und Füssen gegen die PVI stemmt – die schliesslich ein Weg aus dem Hamsterrad wäre, so Fuhrer.

«Wir produzieren ja keine Schrauben» 

Was das Argument der Gegnerschaft angeht, dass die ein Pestizidverbot die Versorgung mit Lebensmitteln gefährden würde, drückte sich die VKMB-Präsidentin klar aus: «Als Bio-Bäuerin fühle ich mich da beleidigt. Schliesslich produzieren wir auch Lebensmittel.» Im Übrigen denke dieses Argument zu kurz – ausgelaugte oder geschädigte Böden seien eine echte Bedrohung für die Ernährungssicherheit. Damit sei ein Rückgang der Produktion «Angsmacherei». Auch, dass Lebensmittel teurer würden, ist für die Bio-Bäuerin kein stichhaltiges Argument. Ohne Kostenwahrheit müsse man eben beispielsweise die Kosten für schädliche Umweltkosten über den Wasserpreis tragen, statt für ein biologisch produziertes Rüebli mehr zu zahlen.

Klar ist für Regina Fuhrer aber auch, dass die äusseren Qualitätsanfoderungen kaum mehr zu erreichen sind. «Wir produzieren schliesslich keine Schrauben.» Rüebli seien mal kürzer oder länger, dicker oder dünner. Zwar gestalte man mit seinem Einkaufskorb die Landwirtschaft mit, es sei aber an der Zeit, die Rahmenbedingungen für die Lebensmittelproduktion nicht länger dem Markt zu überlassen. «Die negativen Auswirkungen sind zu gross», so Fuhrer. Gesellschaft und Politik müssten nun handeln, «und darum brauchen wir ein Pestizidverbot», schloss die Bio-Bäuerin. 

Synthetische und nicht-synthetische Pflanzenschutzmittel

Als Beispiele für nicht-synthetische Pflanzenschutzmittel nannte Angelika Hilbeck von der ETH Zürich Bt-Spritzmittel, das auf dem Gift des Bakteriums Bacillus thuringiensis basiert. «Im konventionellen Anbau sind nicht-synthetische Mittel wenig beliebt, weil sie oft schnell abgebaut und sehr spezifisch sind», erklärt die Wissenschaftlerin. So könnten beispielsweise nur Larvenstadien so bekämpft werden. «Und wenn man das verpasst hat, nützt es eben nichts mehr.»

«Alternativlos gibt es nicht in der Landwirtschaft»

Synthetische Mittel seien immer ein Fremdkörper in einem natürlichen System und daher gebe es lediglich sehr und weniger schädliche, antwortete Regina Furer auf die Frage, ob alle synthetischen PSM schädlich seien. Bei der Diskussion um Spinosad, das gelegentlich als parktisch unverzichtbar für biologischen wie auch konventionellen Obstbau beschrieben wird, sieht Angelika Hilbeck einen Denkfehler: «Wenn Spinosad bei Obst so wichtig ist, bedeutet das, dass dieses System offenbar sehr vulnerabel ist.» Entsprechend müsste hier geforscht werden, um das Anbausystem zu stärken. In einem Notfall könne man dann im schlimmsten Fall immer noch eine Ausnahme machen und ein PSM einsetzen – «Ausnahmen wären kein Problem. Was heute so problematisch ist, ist der flächendeckende Gebrauch von PSM.» Gleiches gelte auch für die Gefahr der Resistenzbildung.

Ganz allgemein gebe es in der Landwirtschaft keine Alternativlosigkeit, ist die Wissenschaftlerin überzeugt 

Genaue Verteilung der Forschungsgelder unbekannt 

Wie viel Geld jeweils in die Forschung für den konventionellen und den biologischen Anbau fliessen, konnte Angelika Hilbeck nicht beziffern. Aber es sei klar David gegen Goliath. «Wenn man soviel Geld in die Bio-Forschung oder jene zur Agrarökologie investieren würde, wäre sehr viel möglich.» Man habe es einfach noch nie ausprobiert, bedauerte sie.

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