Martin Schönbächler ist eine der grössten Zukunftshoffnungen des Innerschweizer Schwingerverbandes. Im letzten Jahr gewann er als 17-Jähriger bereits seinen ersten Kranz. Heuer startete der Zwei-Meter-Mann nun so richtig durch und holte an vier Kantonalfesten das begehrte Eichenlaub.
Bisheriger Höhepunkt seiner Karriere war aber ganz klar der erste Bergkranz am diesjährigen Schwarzsee-Schwingfest, wo er im dritten Gang den Berner Eidgenossen mit der Maximalnote besiegte. Zudem holte der zwei Meter grosse Mann am gleichen Anlass den Schönschwingerpreis.
Ammenkühe und Pensionspferde
Eine solche Erfolgsbilanz ist für einen 18-Jährigen aussergewöhnlich. Umso erstaunlicher ist es, dass Martin Schönbächler im Gespräch kaum auf seine schwingerischen Leistungen eingeht. Viel lieber erzählt er von seinen Zukunftsplänen auf dem elterlichen Landwirtschaftsbetrieb. Erst vor ein paar Wochen schloss er seine Ausbildung zum Landwirt EFZ erfolgreich ab, Ende Juli endete auch die Zeit auf seinem Lehrbetrieb.
Alle drei Lehrjahre absolvierte Martin Schönbächler auf Milchwirtschaftsbetrieben im Kanton Schwyz. «Ich würde eigentlich gerne Kühe melken, am liebsten eine Braunvieh-Herde», erklärt er im breitesten Einsiedler Dialekt. Auch auf seinem elterlichen, zehn Hektar grossen Betrieb Rosenhag stehen neben sieben Pensionspferden zehn Braunvieh-Kühe im Stall.
Diese werden allerdings als Ammenkühe gehalten. «Die Milchproduktion wäre bei unseren Strukturen kaum wirtschaftlich», schätzt der Jungbauer seine betriebliche Ausgangslage ein.

Schon als Kind wollte er Bauer werden
Martin Schönbächler wird voraussichtlich zeitnah den Biohof Rosenhag in Einsiedeln SZ übernehmen. Er konnte sich schon früh bei Entscheidungen auf dem Betrieb einbringen. «EDV-Arbeiten übernahm ich schon als Dreizehnjähriger, und auch bei Maschinenarbeiten und beim Tierankauf liess mir mein Vater bereits früh viele Freiheiten», erinnert er sich zurück.
Für ihn war schon als Sechsjähriger klar, dass er einmal Bauer werden wollte. Entsprechend häufig war er darum schon während der Schulzeit im Stall anzutreffen. Als Abschlussprojekt in der Oberstufe renovierte er gemeinsam mit einem Freund den Steyr-Traktor des Vaters.
Martin Schönbächler verbrachte mit seinen Kollegen viel Zeit auf dem Bauernhof Rosenhag. Gemeinsam wurde gebastelt, geflickt und später gearbeitet. «Meine Freunde unterstützen meine Familie und mich bisweilen auch einmal bei der Heuernte. Auch heute kann ich notfalls auf ihre Unterstützung zählen», erklärt Martin Schönbächler.
«Hier in Einsiedeln bin ich am richtigen Ort, hier passt alles und ich fühle mich entsprechend wohl.»
Jungbauer und Spitzenschwinger Martin Schönbächler
In Einsiedeln tief verwurzelt
Sein soziales Umfeld und seine Heimat sind dem bodenständigen Jungbauern sehr wichtig: «Hier in Einsiedeln bin ich am richtigen Ort, hier passt alles und ich fühle mich entsprechend wohl», betont Martin Schönbächler. Klar sei er wegen seiner Hautfarbe und seiner Körpergrösse immer etwas aufgefallen – negative Erfahrungen machte er indes keine.
Seine Mutter Marjorie stammt aus Kenia und war früher als Leichtathletin in den Disziplinen 800 Meter und Weitsprung aktiv. «Von ihr habe ich wohl meine Explosivkraft, das eigentliche Schwingertalent kommt hingegen von meinem Vater», erklärt der Hüne.
Vater Josef war ebenfalls ein erfolgreicher Schwinger und gewann 1977 einen eidgenössischen Kranz. «Mein Vater gibt mir auch heute noch wertvolle Tipps. Aber auch von erfahrenen Schwingklub-Kollegen wie Martin Grab oder Christian Schuler kann ich profitieren.»
Intensive Wochen ermüden
Zweimal wöchentlich trainiert das Jungtalent beim Schwingklub Einsiedeln. Gerade die aktuellen Sommermonate 2026 seien hart: Die Schwingfeste und die langen Arbeitstage auf dem Ausbildungsbetrieb hätten ihn schon beansprucht.
«Im letzten Gang am Schwarzseeschwinget gegen Johann Borcard war ich völlig ausgelaugt und benötigte danach mehrere Tage, um mich wieder etwas frisch zu fühlen», so Martin Schönbächler. Im kommenden Winter werde er voraussichtlich mehr Zeit für Training und Regeneration haben.
Er möchte einen Teil dieser Zeit auch im Kraftkeller verbringen, denn Körperspannung und Rumpfstabilität seien bei seiner Grösse nicht nur für die sportliche Leistung bedeutend, sondern auch für die Verletzungsprävention wichtig. Obwohl er bisher von schweren Verletzungen verschont blieb, schmerzt sein Rücken- und Hüftbereich immer wieder.

Kilchberger Schwinget steht an
Dank seiner starken Leistungen wurde Martin Schönbächler auch für das Kilchberger Schwinget vom 5. September 2026 selektioniert. Bis dahin wird er nur noch das Chilbischwinget in Einsiedeln bestreiten und sich natürlich in der Schwinghalle den Feinschliff für den Saisonhöhepunkt holen. Doch auch in dieser wichtigen Phase steht der eigene Hof zuoberst auf der Prioritätenliste von Martin Schönbächler: «Ich möchte in den nächsten Wochen endlich mein Stallumbau-Projekt abschliessen.»

