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Mit 40 von der Automatikerin zur Agronomiestudentin: das zweite Berufsleben von Daniela Vögeli

Automatikerin, dreifache Mutter, angehende Agronomin: Daniela Vögeli beginnt mit 40 Jahren ein Studium an der HAFL. Im Porträt erzählt sie, wie ein Garten in Ipsach BE ihr Leben veränderte.

Es ist 5.30 Uhr auf dem Praktikumsbetrieb in Oberwil bei Büren BE. Die Luft ist noch kühl, als Daniela Vögeli den Weidezaun öffnet, die Kühe ruft und diese dann zügig Richtung Stall treibt. «Gestern warteten alle schon hier am Zaun, als ich kam, um sie zu holen», meint sie lachend.

Wenige Minuten später läuft die Melkmaschine und die fünfzehn Kühe werden von ihr gefüttert und gemolken. Während die Milch in die Kannen fliesst, beobachtet sie aufmerksam jedes Tier.

Daniela konzentriert sich auf das Melken. Sie kennt die Eigenheiten jeder Kuh und bekam mit der Zeit auch eine gewisse Routine bei der Stallarbeit.(Bild: Samuel Otti)

Als die letzte Kuh gemolken ist, fährt sie die frische Milch in die Käserei. Erst danach bleibt Zeit für ein gemeinsames Frühstück. Doch auch dieses dauert nicht lange. Anschliessend zieht sie die Arbeitskleider wieder an und hilft beim Umbau des Kuhstalles. Beton, Holz, Werkzeuge und Stallarbeit gehören für sie heute ebenso selbstverständlich zum Alltag wie Melken oder Kühe treiben.

Dass hier eine ausgebildete Automatikerin mit Berufsmatura arbeitet, die zusammen mit ihrem Mann drei schulpflichtige Kinder grosszieht und im Herbst 2027 ein Agronomiestudium an der HAFL beginnt, überrascht zunächst. Wer Daniela Vögeli zuhört, merkt jedoch schnell: Dieser Weg ist keine spontane Laune, sondern das Ergebnis vieler Erfahrungen und sorgfältiger Überlegungen.

Mathematik statt Sprachen

Aufgewachsen ist Daniela Vögeli in Niederhünigen BE. Schon als Schülerin lagen ihr Mathematik und logisches Denken deutlich mehr als Sprachen. Deshalb entschied sie sich für eine Lehre als Automatikerin. Die Technik faszinierte sie, insbesondere das Analysieren von Problemen.

«Mich interessierte das Fräsen oder Bohren weniger, als das Diagnostizieren von Fehlern und das Entwickeln von Verbesserungen», erzählt sie. Servicetechnikerin im Ausland zu werden, erschien ihr damals als Traumberuf. Die Vorstellung, Maschinen auf der ganzen Welt in Betrieb zu nehmen und gleichzeitig fremde Länder kennenzulernen, motivierte sie.

Die Lehre begann sie bei der Post. Weil deren Lehrwerkstatt geschlossen wurde, schloss sie ihre Ausbildung bei Mikron in Nidau BE ab und absolvierte parallel dazu die Berufsmittelschule. Bei der Firma Mikron lernte sie auch ihren späteren Mann kennen. Nach dem Lehrabschluss wollte sie dann vor allem eines: Geld verdienen und finanziell unabhängig sein.

Die Welt als Klassenzimmer

Zunächst arbeitete sie einige Monate, sparte Geld und erfüllte sich anschliessend einen Traum. Allein bereiste sie während drei Monaten Ecuador, Peru und Argentinien. «Damals spielte ich sogar mit dem Gedanken auszuwandern», erzählt Daniela Vögeli.

Die Reise veränderte ihren Blick auf die Welt. Nach der Rückkehr arbeitete sie bei Railtec Systems GmbH. Gemeinsam mit ihrem Mann bereiste sie später Australien und die USA. Reisen wurde zu einer Schule des Lebens, lange bevor sie sich beruflich neu orientierte.

Sport als Ausgleich

Später wechselte Daniela Vögeli zur Firma Marti Technik AG ins Büro. Die Tätigkeit war interessant, dennoch suchte sie einen Ausgleich. «Ich mache gerne Ausdauersport, je länger desto besser; da bin ich wie eine Dampflokomotive.» Daniela Vögeli fuhr Inline-Skates, absolvierte den Gigathlon, spielte Volleyball und fand schliesslich den Weg zum Seeclub Biel.

Dort engagierte sie sich bald weit über das Rudern hinaus und übernahm später sogar die Gesamtverantwortung für den Braderie-Auftritt des Vereins – ein Anlass mit über hundert Helferinnen und Helfern und einem Umsatz von fast 67 000 Franken.

Ein Garten verändert alles

Mit der Geburt der Kinder veränderten sich die Prioritäten. Das Arbeitspensum wurde immer weiter reduziert. Nach der Geburt der Tochter verabschiedete sie sich ganz aus der Industrie. Den entscheidenden Anstoss brachte ausgerechnet der Garten ihres Hauses in Ipsach BE.

Um ihn naturnah zu gestalten, besuchte sie einen Permakulturkurs. «Das eröffnete mir eine völlig neue Sichtweise.» Plötzlich ging es nicht mehr nur um Pflanzen, sondern um Zusammenhänge, Kreisläufe und Menschen, die Landwirtschaft anders dachten. «Da wurde mir klar: Meine Zukunft liegt in der Natur.»

Warum Agronomie?

Zunächst interessierte sie sich für Umwelt- und Ressourcenmanagement. Doch je intensiver sich Daniela Vögeli mit beiden Studiengängen beschäftigte, desto klarer wurde ihr, dass sie tiefer in die Landwirtschaft eintauchen wollte. «Gerade in der Landwirtschaft muss man die Zahlen, die Investitionen und die Geschäftsabläufe konsequent im Griff haben.»

Die Praktikantin packt bei allen anfallenden Arbeiten des Bauernhofes mit an, auch beim Stallumbau. So sieht sie auch alle Aspekte der Landwirtschaft.(Bild: Samuel Otti)

Für sie ist Betriebswirtschaft kein Nebenthema, sondern die Grundlage jeder nachhaltigen Entwicklung. Wer Landwirtschaft verändern wolle, müsse zuerst verstehen, wie ein Betrieb funktioniere – fachlich, wirtschaftlich und politisch. Genau deshalb entschied sie sich für das Agronomiestudium an der Hochschule für Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL.

Das obligatorische Vorstudienpraktikum absolviert sie auf dem Biobetrieb von Daniel Otti. Weil sie Familie und Ausbildung unter einen Hut bringen muss, dauert dieses nicht ein Jahr, sondern zwei Jahre. Für diese Möglichkeit ist sie ihrem Praktikumsbetrieb dankbar.

Zeit ist kein Argument

Im Herbst 2027 beginnt Daniela Vögeli ihr Teilzeitstudium. Fünf bis sechs Jahre wird es dauern. Viele würden zögern. Sie nicht. «Ich investiere in mich selber. Darum ist die Dauer unbedeutend. Wenn ich mit siebenundvierzig Jahren mit dem Studium fertig bin, kann ich immer noch zwanzig Jahre in meinem Traumberuf arbeiten.»

Wenig später zieht sie wieder die Arbeitshandschuhe an und verschwindet auf der Baustelle des Stallumbaus. Dort wird nicht lange über Lebenspläne gesprochen. Dort wird gearbeitet. Vielleicht beschreibt genau das Daniela Vögeli am besten: Sie träumt nicht von Veränderungen. Sie packt sie an – Schritt für Schritt, Melkung für Melkung, Semester für Semester. Und genau deshalb wirkt ihr ungewöhnlicher Neuanfang nicht mutig, sondern erstaunlich selbstverständlich.

Daniela Vögeli mit ihrem Praktikums-Lehrmeister Daniel Otti und seinem Sohn Jonathan, beim Fototermin auf der Stall-Baustelle.(Bild: Samuel Otti)

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