Susanne Rothenfluh passt es gar nicht, dass die Weiden gegenwärtig braun sind und mehr an eine Savanne erinnern als an gutes Weidefutter. Doch den Weiderindern hat das nicht geschadet, die Weiden haben genug hergegeben, dass sie trotzdem schön gedeckt sind. Kurzum sind sie schlachtreif.
Susanne Rothenfluh und ihre Schwester Martina Rothenfluh führen den Betrieb in Bremgarten AG gemeinsam. Das funktioniert gut zwischen den Schwestern. «Wir sind uns meistens einig. Das ist ein Riesengeschenk», erzählt Susanne Rothenfluh. 2002 konnten sie in Unterpacht den Reitbetrieb mit den Pensionspferden übernehmen, seit 2017 führen sie auch den dazugehörigen Landwirtschaftsbetrieb mit der Fohlenweide. Seither gehören auch behornte Original Braunvieh-Mutterkühe und 50 ha LN dazu.

Hauptbetriebszweig sind die Pferde
Auf dem Betrieb «Fohlenweide» haben die Mutterkühe und Weiderinder wirtschaftlich gesehen einen kleineren Stellenwert als die Pferde. Die fast sechzig Fohlen und vierzig Pensionspferde machen die Hauptbetriebszweige aus. So richtet sich auch die Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Nutzfläche primär nach den Bedürfnissen der Pferde. Auf 8 ha werden Mais, Getreide und Kunstwiese angebaut.
Mutterkuh Schweiz sucht neue Produzentinnen und Produzenten
Naturafarm-Weiderinder Anforderungen:
Alterskategorie: max. Schlachtalter 20 Monate
Herkunft: von Mutterkuh Schweiz anerkannte Fleischrassen; nur Ochsen und Rinder; keine Stiere/Muni
Fütterung: GMF, mind. 120 Tage Weidegang während Vegetationsperiode, im Winter permanenter Zugang zu Laufhof
Natura-Beef-Anforderungen:
Aus Mutterkuhhaltung; Mutter und Kalb sind nie getrennt
Abstammung: Mutterkuh Schweiz anerkannte Fleischrassen
Fütterung: GMF; kein Soja
Das Getreide produzieren sie in erster Linie, damit sie eigenes Stroh haben. Der Mais wird zu einem Teil für die Rinder siliert und zu Maiswürfeln für die Pferde gepresst. «Wir haben hier vor allem das Problem, dass wir zu viel gutes Futter produzieren», erklärt Susanne Rothenfluh lachend, «doch der grösste Teil des Futters ist für die Pensionspferde, da ist ein Ökoheu ausreichend».
So wird ein beträchtlicher Teil des Futters verkauft, dafür kaufen die Schwestern viel Heu für die Pferde dazu. Sie bewirtschaften zusätzlich 12 ha Ökofläche, die sie vom Militär pachten. Auf den Kunstwiesen in der Fruchtfolge säen sie die Mischung «Hauri» an, die der bekannte Rösseler Max Hauri speziell auf die Bedürfnisse der Pferde konzipiert hatte. Auf den übrigen dreissig Hektaren ist Dauergrünland, davon ein grosser Teil Weiden.

«Das funktioniert einwandfrei»
«Wir haben uns für Weiderinder entschieden, weil wir damals einige Mutterkühe weniger hatten, zudem waren wir mit dem Personal unterbesetzt», sagt Susanne Rothenfluh. Bei den Mutterkühen haben sie saisonale Abkalbung. Das vor allem aus dem Grund, weil sie die anspruchsvolle Zeit so etwas bündeln können. Mit den Weiderindern haben sie eine Alternative gefunden, die sich gut in ihr Betriebskonzept einfügt. «Auch risikobedingt passt mir das gut», erklärt Rothenfluh, «wenn die Remonten auf den Hof kommen, ist ihr Immunsystem schon ausgebildet».
Mit ihrem Händler konnten sie es einrichten, dass alle Weiderinder aus dem gleichen Betrieb kommen, damit es von Anfang an ruhiger läuft. Das hat bisher gut funktioniert. Auf dem Betrieb «Fohlenweide» haben sie ihr Weidemanagement so eingerichtet, dass die Weiderinder die kleinen Weiden der Pensionspferde abfressen. Danach teilen sie ihre Weide mit den Fohlen. «Man muss sie zuerst ruhig aneinander gewöhnen, dann läuft das sehr gut», führt Rothenfluh aus.

Mit einem ähnlichen System praktizieren sie das auch so bei den Mutterkühen. Nach einer Eingewöhnungszeit aus der Distanz lassen sich Fohlen und Rinder in Ruhe. Obwohl diese behornt sind, ist es bis anhin nie zu Verletzungen gekommen.
Eine bequeme Variante mit wenig Risiko
Die Fohlen sind von der Fütterung her eher bei den Masttieren anzusiedeln. Sie sind noch im Wachstum und brauchen daher besseres Futter. Bei den Pensionspferden ist die Situation gerade umgekehrt: Hier muss streng darauf geachtet werden, dass sie nicht zu gutes Futter erhalten. So kommt die «Weidepflege» mit den Weiderindern passend.
«Ich möchte nicht mehr Kühe haben», sagt Susanne Rothenfluh. «Lieber möchte ich mit den Weiderindern ausbauen. Das ist eine bequeme Variante mit wenig Risiko.» Mit den zwei unterschiedlichen Gruppen ist auch das Management sehr flexibel.
«Wenn eine Mutterkuh ihr Kalb verliert, ist das ein Totalverlust», führt sie aus. «Das ist ein weiterer Aspekt, der mich dazu bewogen hat, die Weiderinder einmal auszuprobieren.» Letzten Winter ist ein Kalb kurz nach der Geburt gestorben, mit dem dazugekauften Kalb hat es jedoch nur schlecht funktioniert – die Kuh wollte es partout nicht annehmen.
Für Rothenfluh ist es das erste Mal, dass sie ein Rind in der Herde hat, das mit zehn Monaten den nötigen Ausmastgrad nicht erreicht. Sie klärt nun mit Mutterkuh Schweiz ab, ob es die erforderliche Abstammung hat, damit sie es als Weiderind weiter ausmästen kann. Bei den original braunen Mutterkühen läuft während drei Monaten ein Leasing-Muni mit.
Rothenfluh hat sich bei Mutterkuh Schweiz für verschiedene Labels angemeldet, so bleibt sie flexibel. «Aber aktuell sind die Preise auf dem Schlachtviehmarkt so gut, dass ich es auch ohne Label geben könnte und immer noch einen guten Preis hätte», sagt Susanne Rothenfluh und lächelt verschmitzt.

Betriebsspiegel:
30 ha Dauergrünland, davon
8 ha Ackerbau (Mais, Getreide, Kunstwiese)
12 ha Ökofläche
Mitarbeitende:
Susanne und Martina Rothenfluh (Betriebsleiterinnen)
Angestellte: 450% Stellenprozente

