«Keine Panik, Futter ist verfügbar, aber teuer», sagt der Präsident der Raufutterhändler

Fabian Gut, Präsident der schweizerischen Raufutterhändler, gibt Entwarnung: Raufutter werde gegenwärtig zwar zu hohen Preisen gehandelt, sei aber weiterhin verfügbar.

Bei vielen Bauern liegen die Nerven blank. Offenbar kommt es laut Fabian Gut gegenwärtig vermehrt vor, dass Bauern bei verschiedenen Händlern die gleiche Bestellung aufgeben. «Das führt zu einer Marktverzerrung und letztendlich zu Überbestellungen, die nicht gebraucht werden», so Gut. Er appelliert, keine Vorauszahlungen zu leisten, sondern die Ware zuerst vor Ort zu prüfen. Er empfiehlt den Landwirten, mit lokalen Händlern zusammenzuarbeiten und auf bestehende Geschäftsbeziehungen zurückzugreifen.

Aufgrund der hohen Nachfrage würden einige Händler aktuell keine Bestellungen mehr annehmen, da auch die Transportkapazitäten kurzfristig nicht vorhanden seien. «Die Raufutterernte ist in Europa noch nicht abgeschlossen. Die Trockenheit ist zwar in ganz Europa gravierend», sagt Gut, doch gerade die Luzerne könne länger mit der Trockenheit zurechtkommen. «Eine Panikmache ist der Situation nicht dienlich. Je nachdem, wie die Wetterbedingungen in den kommenden Wochen werden, kann sich die Situation wieder ändern.»

Ein bis zwei Schnitte fehlen

Gut geht davon aus, dass im Futterbau, über das ganze Jahr gesehen, zwei Schnitte fehlen werden. In einzelnen Regionen in der Schweiz wird ebenfalls der Maisertrag wesentlich tiefer ausfallen. Als gravierend schätzt er die Situation für die Milchbauern ein: Neben dem tiefen Milchpreis zusätzliche Auslagen für teures Futter zu leisten werde die finanzielle Situation in einigen Betrieben enorm belasten. Er fordert, dass das BLW die Zölle senkt, um nicht zusätzliche Kosten für die Betriebe zu verursachen.

Bio- Futter auf Biomondo ausschreiben

Das noch vorhandene bio-zertifizierte Grundfutter solle möglichst von Knospe- Betrieben genutzt werden, teilt Bio Suisse in einer Medienmitteilung mit. Daher sei es wichtig, überschüssiges Futter auf der Plattform «Biomondo» auszuschreiben. Die Verfügbarkeit auf der Plattform bildet eine wichtige Grundlage für die Beurteilung von Gesuchen um Ausnahmebewilligung. Gemäss den Richtlinien von Bio Suisse können die Zertifizierungsstellen bei nachgewiesenen Ertragsverlusten infolge aussergewöhnlicher Witterungsverhältnisse ausnahmsweise den Einsatz von Nicht-Schweizer Knospe Futter bewilligen.

BLW steht wegen der Zölle in der Kritik

Die aktuelle Zollsituation beim Import von Raufutter (wie Heu und Luzerne) in die Schweiz ist angespannt und wird vom schweizerischen Raufutterverband kritisiert. Obwohl die Importpreise drastisch steigen und die Versorgungslage für den kommenden Winter als kritisch eingestuft wird, hatte das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) entschieden, die Einfuhrzölle per 1. Juli 2026 nicht zu senken. Die Zollansätze und Garantiefondsbeiträge wurden unverändert belassen. Das BLW wies die Forderungen von Futterhändlern und Tierhaltern nach einer nicht zeitplanmässigen Zollsenkung zurück. Es begründet dies mit dem gesetzlich verankerten Schwellenpreissystem, nach dem der Grenzschutz anhand der aktuellen Marktpreise und des Zielpreises berechnet wird.

Fabian Gut, Präsident Schweizer Raufutterverband(Bild: Privat)

Futterhändler bemängeln, dass das starre Festhalten an den Zöllen den ohnehin teuren Import von Raufutter zusätzlich künstlich verteuert, obwohl im Inland akuter Futtermangel droht. Durch die Trockenheit in der Schweiz sowie in den Hauptlieferländern (Frankreich, Süddeutschland, Norditalien) sind die Preise massiv gestiegen.