Der Landwirtschaftsbetrieb der Justizvollzugsanstalt (JVA) Witzwil gibt in den nächsten Jahren Landwirtschaftsland ab. Dies teilte der Kanton Bern in jüngster Vergangenheit mit. Die Massnahme erfolge als Resultat der Überprüfung zur künftigen Ausrichtung der Landwirtschaftsbetriebe im Justizvollzug, die der Regierungsrat angeordnet hat. Was genau heisst das in den nächsten Jahren und was geschieht mit dem Land? Diesen Fragen ging die BauernZeitung nach. Eines vorneweg: Landwirte, die interessiert sind, Flächen zu pachten, können bereits jetzt beim Kanton ihr Interesse deponieren (siehe Kasten).

Es braucht weniger Land

«Die Landwirtschaftsbetriebe der JVA Witzwil und des Massnahmenzentrums St. Johannsen dienen der sinnvollen Beschäftigung von Eingewiesenen im Justizvollzug. Bei der erfolgten Überprüfung über die nötige Grösse und künftige Ausrichtung standen die Ziele im Straf- und Massnahmenvollzug im Vordergrund sowie Naturschutz, Biodiversität und die bäuerliche Produktion», schreibt der Kanton auf Anfrage. Konkret geht es um mehr als die Hälfte der bewirtschafteten Fläche. Werden bislang 728 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche bewirtschaftet, verbleiben der Domäne Witzwil nach der Rückgabe noch 343 Hektaren. 385 Hektaren gehen zurück ans Amt für Grundstücke und Gebäude (AGG) in der Bau- und Verkehrsdirektion. Darin enthalten sei auch eine Alpwirtschaft auf dem Chasseral mit 110 Hektaren. Die verbleibende Landmenge reiche, um genügend Arbeitsplätze zur sinnvollen Beschäftigung der eingewiesenen Personen sicherzustellen, wird mitgeteilt. «Künftig arbeiten rund 59 Eingewiesene direkt in der Landwirtschaft und bis zu 55 weitere in der Lebensmittelveredelung», gibt der Kanton Auskunft. Noch ist unklar, wann genau das Land an den Kanton zurückgegeben wird und was genau damit geschieht. Die Überprüfung des Landwirtschaftsbetriebes des Massnahmenzentrums St. Johannsen soll bis voraussichtlich Ende Jahr abgeschlossen werden.

Gestaffelte Rückgabe

«Wie die frei werdende Fläche künftig genutzt wird, liegt in der Verantwortung von AGG und dem Amt für Landwirtschaft und Natur (Lanat), der Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion», heisst es. Die Rückgabe werde jedoch gestaffelt erfolgen. Das Rückgabeprozedere werde die JVA mit dem AGG noch im Detail erarbeiten. Klar ist hingegen, dass auf dem Naturschutz weiterhin ein grosses Augenmerk liegen wird. Damit verbundenen Auflagen würden bei der künftigen Verwendung der frei gewordenen Landflächen weiterhin ausdrücklich Rechnung getragen, heisst es.

Interesse jetzt anmelden

«Unter der Leitung des Amts für Grundstücke und Gebäude (AGG) wird der Zeitplan für die gestaffelte Rückgabe erarbeitet, die kantonalen Bedürfnisse eruiert und die Vergabekriterien festgelegt.» Dies schreibt die Berner Staatskanzlei. Landwirte, die Interesse daran haben, in naher Zukunft von diesen Flächen etwas zu pachten, können ihr Interesse bereits jetzt dem AGG anmelden. Wenn der Vergabeprozess starte, würden die Interessenten informiert, teilt die Staatskanzlei weiter mit.

Das ist zu tun: Eine E-Mail mit Adresse, Telefonnummer und mit den Bedürfnissen an markus.allemann(at)be.ch senden.

Ja zu Kredit

Das baufällige Regionalgefängnis Biel/Bienne soll durch einen Neubau in Witzwil ersetzt werden. Dazu nötig ist, landwirtschaftliche Anlagen zurückzubauen und Ersatzbauten zu erstellen. Die Bau-, Energie-, Verkehrs- und Raumplanungskommission befürwortet den Kredit für den Gesamtleistungswettbewerb des Gefängnisneubaus und für die Projektierung der Ersatzneubauten für die Landwirtschaft, teilt der Kanton am Mittwoch mit. Nun muss auch noch der Grosse Rat zustimmen.