«Heute können wir selbst entscheiden, was wir auf den Grill legen, das sollte auch zukünftig möglich sein», betonte der Schwyzer Bauernverbandspräsident Albin Fuchs bei der Grillstelle Altberg in Bennau. Die Ernährungs-Initiative, über die das Schweizer Volk am 27. September 2026 abstimmt, wolle aber in diese Freiheit eingreifen.
«Im Zentrum der Initiative stehe nicht, wie der Name es vermuten lassen könnte, die Ernährungssicherheit, sondern unser Konsumverhalten», so Albin Fuchs weiter. Anstatt tierische Lebensmittel, wolle die Initiantin pflanzliche Lebensmittel verpflichtend auf den Speiseplan bringen. Dies hätte für den Futterbaukanton Schwyz grosse Konsequenzen.

Tierhaltung auch im Tal wichtig
Dies betonte auch Edith Camenzind, Präsidentin der Schwyzer Bäuerinnen und Landfrauen. Sie verdeutlichte am Beispiel ihres Bergbetriebs, wie eng die Tierhaltung von Berg- und Talgebiet miteinander verbunden ist. «Bergbetriebe übernehmen die Aufzucht von Jungtieren aus dem Tal und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Rindviehhaltung und zur Bewirtschaftung der Alpen. Gleichzeitig sind auch die Talbetriebe auf die Tierhaltung angewiesen, da der Hofdünger eine wichtige Grundlage für den Ackerbau bildet und vielfältige Fruchtfolgen ermöglicht», so die Bio-Bäuerin aus Gersau SZ.
Pflanzenbau und Tierhaltung sowie Berg- und Tallandwirtschaft würden sich somit zu einem funktionierenden Gesamtsystem ergänzen, in dem die verschiedenen Bereiche voneinander abhängig sind.
Das Fleisch würde stattdessen einfach importiert, nicht selten aus Ländern mit tieferen Tierwohlstandards.
Nationalrat Heinz Theiler
Mehr Fleischimporte und weniger Arbeitsplätze
Auch für Heinz Theiler, Nationalrat und Präsident des Schwyzer Gewerbeverbands, gefährdet die Initiative das Gesamtsystem und entsprechend die Wertschöpfungskette. Bauern, Futtermühlen, Landtechnik, Metzgereien, Detailhandel und Gastronomie wären von den Auswirkungen betroffen.
Mit der Reduktion der Produktion von tierischen Lebensmitteln in der Schweiz gingen viele Arbeitsplätze verloren. «Die Nachfrage nach Fleisch würde aber nicht einfach verschwinden, sondern das Fleisch würde stattdessen einfach importiert, nicht selten aus Ländern mit tieferen Tierwohlstandards. Zudem würde der Einkaufstourismus angekurbelt», so Nationalrat Heinz Theiler.

Keine einzige Stimme im Parlament
Der Selbstversorgungsgrad von 70 Prozent, den die Initiative fordere, töne zwar gut, man müsse aber realistisch sein, betonte Nationalrat Marcel Dettling. «Das letzte Mal, als wir einen so hohen Selbstversorgungsgrad hatten, war während der Kriegsjahre. Heute sind wir in der Schweiz viel mehr Menschen, zudem haben die Landwirtschaftsflächen abgenommen.»
Die Initiative ist nur eine weitere in einer Reihe von Initiativen gegen die Landwirtschaft. Der Nein-Anteil bei den Abstimmungen zu diesen Agrarinitiativen sei laufend angestiegen. Dass nun die Ernährungsinitiative im Schweizer Parlament nicht einmal eine Stimme erhalten hat, habe es noch nie gegeben.

