Ab dem 1. Januar dieses Jahres ist eine Abdeckung aller Güllebehälter-Neubauten verpflichtend. Bestehende Behälter müssen bis 2030 abgedeckt werden. Dies hat der Bundesrat im Rahmen der Revision der Luftreinhalte-Verordnung (LRV) 2020 beschlossen. 

Die Abdeck-Pflicht aller Güllelager ist eine der Massnahmen, welche die Ammoniak-Emissionen in der Landwirtschaft reduzieren soll. Güllelager sind dabei eine ernst zu nehmende Quelle – 17 % der Ammoniak-Emissionen stammen aus der Hofdüngerlagerung. Mit der Abdeckung liessen sich bis zu 80 % der Emissionen reduzieren, wie aus einer Studie der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) von 2020 hervor geht. 

In Zahlen
> 90 % der schweizweiten Ammoniak-Emissionen stammen aus der Landwirtschaft.
43 % davon entstehen beim Ausbringen der Gülle.
37 % entweichen in Stall und Laufhof,
17 % bei der Hofdünger-Lagerung und
3 % auf der Weide.

Hohlplatten aus Beton sind stark nachgefragt

Gemäss der LRV kommen feste Konstruktionen oder Schwimmfolien in Frage (siehe Tabelle), wie sie beispielsweise Michael Kohli von der Kohli AG in Gisikon LU und Edi Arnold von der Arnold & Partner AG in Schachen LU anbieten. Zu den festen Konstruktionen gehören Hohlplatten aus Beton. Hier bestünde die grösste Nachfrage, wie beide Fachmänner angeben. Auch, weil der Aufbau nur einen halben Tag einnehme. 

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Für die Montage muss der Güllebehälter jedoch gut zugänglich sein, damit er mit einem Sattelschlepper und Kran direkt angefahren werden kann. «So ein Sattelschlepper kann 20 bis 22 m lang sein. Sind Kurven vorhanden, ist das Befahren unmöglich», gibt Arnold zu bedenken. Hohlplattendecken würden bei ihm auf Silos mit Durchmessern ab 10 bis 18 m montiert. Um die grosse Last der Hohlbetonplatten tragen zu können, müssen die Güllesilos selbst aus Beton bestehen. Stahlblechsilos würden der grossen Last nur nachgeben. Die Kosten variieren je nach Durchmesser. Teurer wird es ab einem Silodurchmesser von 15 m, da wegen der höheren Spannweite stärkere Elemente verbaut werden müssen, so Kohli. 

Befahrbare Betondecke noch anderweitig nutzbar

Für Güllesilos, die im Boden versenkt sind, lohnt sich die geschlossene Betondecke als Abdeckung. «Diese ist befahrbar und kann gut auch als Mist- oder Waschplatz verwendet werden», so Edi Arnold. Wegen ihrer hohen Nutzlast von 1 bis 2 Tonnen/m2 ist das Befahren auch mit Traktor und Lastwagen kein Problem. Sie ist aber mit 250 bis 330 Franken pro Quadratmeter eindeutig die teuerste Lösung unter den Abdeckungen.

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Baubewilligung einzig für das Zeltdach nötig

Für Betriebe, die ein Stahlsilo besitzen, kommen nur das Zeltdach und die teilschwimmende Folie in Frage. Hier ist die Statik einfach zu schwach, um schwerere Konstruktionen zu erlauben, so Michael Kohli. Es gebe aber auch Kunden mit Betonsilos, welche sich für die Kunststoffvarianten entscheiden. Die Last des Daches wird durch eine Mittelstütze getragen. Diese Variante eigne sich gemäss Edi Arnold aber nur bis zu Höhen von 700 m ü. M. Darüber hinaus könne das Zeltdach die höheren Schneelasten (> 150 kg/m2) nicht mehr tragen. 

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Unter allen Abdeckungen ist sie die einzige Variante, die aufgrund ihrer Höhe von 2 bis 5 m eine Baubewilligung benötigt. Ein Aufwand, den nicht alle Kunden gerne eingehen möchten. Baufirmen wie die Kohli AG oder die Arnold & Partner AG übernehmen für ihre Kunden deshalb die Abwicklung. Nach sechs bis acht Wochen ist der Bau von der Gemeinde in der Regel genehmigt, so Edi Arnold.  

Folie ist die günstigste Variante, aber macht Probleme

Die günstigste Variante unter den Siloabdeckungen ist die teilschwimmende Folie bzw. konische Windabdeckung mit einem zentralen Ringschwimmkörper. Diese wird in den Güllebehälter hineingehängt. Gemäss beider Fachmänner sei hier zu beachten, dass Regenwasser und Schnee hineinflies­sen können. 80 cm Freiraum sollten deshalb zwischen Gülle und Abdeckung für das zusätzliche Wasser mit einkalkuliert werden. Zu empfehlen ist die konische Windabdeckung für Silo-Höhen von 4 m oder höher.

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Von dieser Variante sei Michael Kohli aber kein grosser Freund: «Sie verursacht viele Probleme, wenn starker Wind herrscht oder die Schneelast zu gross ist. Auch stellt sie beim Rühren ein Hindernis dar», begründet der Fachmann. Empfohlen wird die teilschwimmende Folie nur bis Silodurchmessern von maximal 16 m. Darüber hinaus brauche es Zeltkonstruktionen, welche für Durchmessern von bis zu 30 m und mehr möglich sind.

Holzabdeckungen für Bergregionen geeignet

Ein noch recht neues und nachhaltiges System ist die Holzabdeckung. Die Kohli AG arbeitet hierfür mit der Erni Holzbau AG zusammen, welche die Montage übernimmt. Durch das geringe Gewicht können die Holzelemente auf Beton- und Stahlblechsilos (Abstützung auf der Aussenseite nötig) aufgebaut werden. Die Konstruktion ist selbsttragend ohne Mittelstütze und für Silos bis zu 21 m Durchmesser möglich. 

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AboDas fertig gedeckte Silo mit den braunen gedämmten Sandwich-Paneelen bei Jörg Gabriel, Ebrüti, Ebikon. (Bild Erni AG)GüllegrubeDas erste Holzdach auf dem Güllesilo stehtFreitag, 18. Juni 2021 Die Arnold & Partner AG bietet ebenfalls eine Holzabdeckung an, allerdings nur für Betonsilos. «Unsere Konstruktion besitzt eine Beton-Mittelstütze, wodurch höhere Schneelasten von bis zu 500 kg/m2 getragen werden können», begründet Edi Arnold. Deshalb sei sie auch für höher gelegene Betriebe gut geeignet. Für die Montage ist eine gute Zufahrt nicht zwingend. Beide Holzkonstruktionen haben den Vorteil, dass sich die Kosten durch die Eigenleistung des Landwirts verringern, indem eigenes Holz geliefert werden kann oder bei der Verkleidung mitgeholfen wird. Die Kosten bewegen sich zwischen Fr. 160–190.–/m2 (Kohli AG) und Fr. 180–200.–/m2 (Arnold & Partner AG). 

AbdeckungSiloMittelstützeMax. Schnee-/NutzlastKosten (Fr. pro m2)Bemerkungen
ZeltdachBeton und Stahlblechja150–200 kg/m2150–200Bis max. 700 m ü. M. geeignet; Baubewilligung nötig
Teilschwimmende FolieBeton und Stahlblechnein120–150Empfohlen für Silos ab 4 m Höhe oder mehr
HohlplattendeckeBeton und Betonelementenein500 kg/m2150–180

- Zufahrt mit Sattelschlepper und Kran notwendig

- Montage möglich auch bei vollem Silo

- Solarpanels können problemlos darauf angebracht werden

BetondeckeBetonja1–2 t/m2 (Nutzlast)250–330Geeignet für Mist- oder Waschplatz, Viehauslauf etc.
HolzBetonja/nein (je nach Konstruktion)500 kg/m2180–200Geeignet für Bergregionen und schlechte Zufahrten

(Quelle Arnold & Partner AG)

Grosse Güllesilos werden zuerst vorgenommen

Welches System für welches Güllelager am besten geeignet ist, liesse sich vorzugsweise vor Ort abklären, sagt Michael Kohli. «Erst dort können wir uns ein genaues Bild vom Standort und vom Güllesilo machen. Es kommt vor, dass ein Landwirt zwischen zwei Varianten wählen kann, ein anderer aber nicht», begründet er. Es gebe daher keine schlaue Aussage, welches System für wen am besten geeignet sei.

Aufgrund des hohen Tierbestandes gibt es in der Zentralschweiz derzeit am meisten zu tun, sagt Edi Arnold. In den ersten zwei bis drei Jahren würden zunächst alle gros­sen Silos mit einem Durchmesser von 14 bis 18 m vorgenommen werden. «Sie besitzen die meiste Oberfläche und deshalb den meisten Ammoniakverlust.» Sind diese Betriebe versorgt, würden dann die kleinen zum Zuge kommen. 

Durch Bund und Kantone unterstützt

Abdeckungen werden mit Fr. 60.– pro m2 unterstützt (Bund und Kanton je Fr. 30.–/m2). Gesuche müssen bei den kantonalen Vollzugsstellen für Strukturverbesserungen eingereicht werden.

Die Vorgabe zu den Lagerabdeckungen ist seit Januar 2022 in der Direktzahlungsverordnung (DZV) verankert und kann bei Mangel zu DZ-Kürzungen (Fr. 300.–) führen. Dies wäre z. B. bei neu gebauten Güllelagern ohne Abdeckung der Fall, so das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW). Wenn der Mangel nicht behoben wird, wird die Kürzung verdoppelt. Nicht gekürzt wird, wenn die kantonale Behörde Fristen ausgesprochen hat. Für den Vollzug seien gemäss BLW die Kantone zuständig.

Luftreinhalte-Verordnung
Ein bedeutender Anteil der Ammoniak-Emissionen stammt aus der Gülle. Um diese Emissionen zu reduzieren, gelten gemäss Luftreinhalte-Verordnung (LRV) neue Bestimmungen zur emissionsmindernden Gülle-Ausbringung (ab 1. Januar 2024) und Abdeckung von Güllelagern (ab 1. Januar 2022). 

Die Vorgabe der LRV gilt gemäss Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) nur für Betriebe mit einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von mind. 3 Hektaren und mit einer Hangneigung von weniger als 18 %. 

Gülle-Ausbringung
Der Schleppschlauch- oder Schleppschuhverteiler sowie das Schlitzdrillver-fahren gelten als geeignete Ausbringungsverfahren. Im Ackerbau ist der Einsatz vom Breitverteiler weiterhin möglich, sofern die Gülle innerhalb von max. vier Stunden in den Boden eingearbeitet wird. 

Güllelager-Abdeckung
Als wirksame Abdeckungen gelten feste Konstruktionen oder Schwimmfolien. Nicht empfohlen werden schwimmende Kunststoffelemente, das Aufbringen natürlicher Schwimmdecken oder  Strohhäckselaufschichtungen. Diese müssten innerhalbvon 6–8 Jahren saniert werden.