Ein älterer Herr läuft mit seinem Rollator entlang der Liegeboxen des Betriebs Wijermatt in Unterägeri ZG. Der Pensionär beobachtet die wiederkäuenden Kühe und geht dann zurück in Richtung des nahegelegenen Altersheims. Für die Familie Merz ist Besuch auf ihrem Hofgelände etwas Alltägliches.
«Viele Menschen spazieren an unserem Hof vorbei und beobachten die Tiere oder die Arbeiten auf dem Feld und im Stall. Wir nehmen uns dabei auch immer wieder bewusst Zeit, mit den Spaziergängern ins Gespräch zu kommen. Es ist eine wichtige Aufgabe unseres Berufsstandes, die Landwirtschaft zu erklären», betont Landwirt Martin Merz. Er ist seit vier Monaten Präsident des Zuger Bauernverbandes.
Der neue Bauernpräsident ist auf dem nahe bei Unterägeri gelegenen Hof aufgewachsen und ist seit jeher Besucher gewohnt. Etwas anders sieht das bei seiner Frau Irene Merz aus: «Auf meinem elterlichen Betrieb in Allenwinden gab es selten Passanten. An die vielen Leute auf dem Hofareal musste ich mich erst gewöhnen», so die ausgebildete Bäuerin.

Aus zwei Höfen wurde ein Betrieb
Angewöhnen mussten sich in den vergangenen Monaten auch die Milchkühe von Irene und Martin Merz, denn im Dezember 2025 wurde der neue Stallanbau bezogen und auf automatisches Melken umgestellt. «Der Umzug ist gut verlaufen, mittlerweile läuft es rund im Stall», zeigt sich Martin Merz zufrieden.
60 Kühe verschiedener Rassen stehen im Stall. Gefüttert werden diese über ein Futterband, welches von einem stationären Mischer beschickt wird. «Ziel des Projekts war es, einerseits einen kostengünstigen Bau zu realisieren, andererseits wollten wir aber bei der Arbeitsproduktivität und beim Tierwohl möglichst wenig Kompromisse eingehen», erklärt Merz.
Die Leistung der Kühe sei durch den besseren Kuhkomfort gestiegen und liege bei rund 8000 Kilogramm Milch. «Auf unserem auf 750 m ü. M. gelegenen Hof ist dieser Wert angesichts des hohen Anteils an betriebseigenem Raufutter sicher standortangepasst», so der 37-Jährige. 62 Hektaren gehören zum stattlichen Betrieb. Rund die Hälfte der Flächen befindet sich aber nicht in Unterägeri, sondern am Wohnort von Irenes Eltern im Nachbardorf Allenwinden.
«Es war lange Zeit nicht klar, ob wir die Stallerweiterung hier in Unterägeri oder auf dem Betrieb von Irene realisieren sollten», erklärt Martin Merz. Sie hätten sich für diesen Entscheid bewusst Zeit gelassen, denn beide Standorte hätten ihre Vorzüge gehabt.
Ohne seine Frau geht nichts
Irene und Martin Merz haben ihre Betriebe zusammengeschlossen und führen ihren Hof mittlerweile gemeinsam als Selbständigerwerbende. «Somit sind wir auch beide sozial gleich abgesichert und versichert», erklärt Irene Merz. Die 36-Jährige lernte erst Konditorin-Confiseurin, erlangte dann den Fachausweis als Bäuerin und führte ab 2017 einen Hof als Pachtbetrieb. Aber schon damals arbeitete sie eng mit dem Hof ihres Vaters und dem Betrieb ihres Mannes zusammen.
Auch heute ist Irene Merz neben der Betreuung ihrer drei Kinder stark im Betrieb engagiert. «Ohne meine Frau würde unser Landwirtschaftsbetrieb nicht funktionieren», lobt Martin Merz. Auch die Schwiegereltern und die Eltern unterstützen die junge Bauernfamilie. Nur dank dieser Hilfe war es Martin Merz überhaupt möglich, sich für das Präsidentenamt des Zuger Bauernverbandes zur Verfügung zu stellen (siehe Kasten).

Das Hofleben ist als Lebensschule enorm wertvoll
Seit bald 20 Jahren sind Irene und Martin Merz schon ein Paar. 2013 arbeiteten sie gemeinsam in Neuseeland auf einer Milchfarm mit 2000 Tieren. «Sieben Monate gemeinsam Kühe zu melken und Kälber zu tränken, waren der Härtetest für unsere Beziehung», erklärt Martin Merz mit einem Schmunzeln. Diesen bestanden sie mit Bravour.
Heute geniessen sie trotz des teils hektischen Alltags das Hofleben mit ihren drei Kindern Salome (6), Aron (4) und Sven (2). «Es ist erfüllend zu sehen, wenn alle drei Kinder wegen einer kalbenden Kuh voller Freude in den Stall rennen», betont Irene Merz. Gerade in der heutigen Zeit, in der alles Wissen jederzeit verfügbar ist, sei diese Nähe zu Tieren und Natur mit all ihren schönen und teils auch weniger schönen Seiten für die Erziehung und auch als Lebensschule enorm wertvoll, so Irene Merz, und ergänzt: «Nicht ohne Stolz erklären unsere Kinder ihr praktisches Wissen über die Landwirtschaft auch ihren Freundinnen und Freunden.»

Der Zuger Bauernverband hat viele Herausforderungen
Im letzten März wurde Martin Merz an der Generalversammlung des Zuger Bauernverbandes zum neuen Präsidenten gewählt. «Die Nähe zum Siedlungsgebiet prägt die Landwirtschaft in unserem Kanton. Entsprechend wichtig ist auf vielen Zuger Betrieben die Direktvermarktung», erklärt Merz.
Diese Nähe sei aber auch mit Herausforderungen verbunden. Viele Feldwege würden dadurch nicht nur für die Bewirtschaftung von Landwirtschaftsflächen benötigt, sondern gleichzeitig auch von vielen Menschen für ihre Freizeitaktivitäten genutzt. «Dass Heuernte-Maschinen auch gelegentlich an einem Sonntag unterwegs sein müssen, wird vielfach nicht mehr verstanden», so Martin Merz.
Entsprechend hoch ist in seinem Verband der Stellenwert der Öffentlichkeitsarbeit. «Es ist eine wichtige Aufgabe von uns Bäuerinnen und Bauern, unsere nachhaltige Landwirtschaft auch der Stadtbevölkerung zu erklären und aufzuzeigen.»
Druck auf Landwirtschaftsflächen beschäftigt
Als weitere Herausforderungen im Kanton Zug bezeichnet er den hohen Druck auf landwirtschaftliche Flächen, die für Strassen und Wohnraum benötigt werden, die Phosphorproblematik im Zugersee, gebietsfremde Schädlinge wie den Japankäfer und mögliche PFAS-Belastungen. Zudem würden seinen Verband auch nationale Themen wie die AP 2030 und die verschiedenen Abstimmungskämpfe beschäftigen. Auch die Turbulenzen auf dem Milchmarkt beschäftigen Martin Merz. «Obwohl im letzten Winter in etwa gleich viel Milch produziert wurde wie vor zehn Jahren, wurden die Bauern wegen Überproduktion an den Pranger gestellt», betont Martin Merz. Dass aber Verarbeiter in den vergangenen milchschwachen Jahren eine Mehrproduktion förderten, gleichzeitig in der Schweiz aber Verarbeitungskapazitäten abgebaut wurden, sei öffentlich nicht thematisiert worden. Die Schweizer Milchwirtschaft habe insbesondere im Käsebereich in den letzten Jahren im Inland Marktanteile verloren, obwohl die Bauern mit jedem Liter Milch an das Marketing zahlen. «Das zeigt, dass nicht alle Verarbeiter und Organisationen in der Branche ihre Aufgabe gleich gut erfüllen. Langfristig bin ich aber überzeugt, dass es mit der Milchwirtschaft wieder aufwärtsgehen wird», betont Martin Merz. Auch für seinen eigenen Verband blickt er positiv in die Zukunft. «Dank der professionellen Geschäftsstelle und des motivierten Vorstands ist der Zuger Bauernverband aktuell sehr gut aufgestellt.»

