Kurz & bündig
- Die Fruchtfolge auf dem Ludihof ist geplant, muss aber wegen Direktvermarktung und Spezialkulturen flexibel bleiben.
- Raps und Luzerne spielen eine zentrale Rolle für Bodenstruktur und Humusaufbau.
- Direktvermarktung beeinflusst die Flächenaufteilung und ermöglicht Kulturen wie Hartweizen, Kürbis und Kartoffeln.
Eine klassische Ackerbauregion ist die Linthebene nicht. Rund 1700 Millimeter Niederschlag fallen durchschnittlich pro Jahr, gleichzeitig haben sich die Wetterbedingungen verändert: nicht unbedingt weniger Regen, aber stärker verteilt und schwieriger planbar.
Auch die Fruchtfolge auf dem Betrieb von Familie Schuler folgt deshalb keinem starren Schema. Neben klassischen Ackerkulturen wachsen hier Gemüse, Erdbeeren und Spargeln für die Direktvermarktung. Dazu kommen 9500 Legehennen und 40 Mastrinder.
«Wir haben keine typische Fruchtfolge wie ein reiner Ackerbaubetrieb», erklärt Franz Schuler senior. Trotzdem ist die Reihenfolge der Kulturen geplant. Die Herausforderung liegt darin, jedes Jahr die verschiedenen Betriebszweige zusammenzubringen.
Die arrondierten Flächen rund um den Hof helfen dabei. Schlaggrössen können flexibel angepasst werden. Häufig wird versucht, mit rund einem Hektar grossen Einheiten zu arbeiten. So können beispielsweise 0,5 Hektaren Kartoffeln und 0,5 Hektaren Kürbis zusammen eine Fläche ergeben, auf der sonst Mais stehen würde.
Diese Flexibilität ist ein Vorteil: Muss eine Wiese wegen Mäuseschäden oder schlechter Bestandesentwicklung erneuert werden, kann schnell reagiert werden. Die Planung bleibt aber der Ausgangspunkt.
Raps bringt Struktur in den Boden
Ein wichtiger Bestandteil der Fruchtfolge ist heute der Raps. Seit 7 Jahren baut Familie Schuler diese Kultur wieder regelmässig an. Lange Zeit war Raps in der Region kaum zu sehen.
Der Grund liegt auch im Strukturwandel. Viele Betriebe waren früher stärker auf Viehhaltung ausgerichtet und weniger auf Ackerbau spezialisiert. Zudem waren die schweren Böden und die hohen Niederschläge für Raps nicht immer einfach.
Heute hat sich das verändert. Mehr gemischte Betriebe setzen wieder stärker auf Ackerkulturen.
Für Franz Schuler junior ist Raps nicht nur wegen des Ertrags interessant. «Man merkt, dass der Boden danach besser ist», beschreibt er die Erfahrungen. Das tiefe Wurzelsystem lockert den Boden und verbessert die Wasseraufnahme. Besonders nach Starkregenereignissen sei die bessere Infiltration sichtbar. Nach Raps folgt eine Luzerne-Gras-Mischung.
Luzerne: Bodenaufbau über die Fruchtfolge
Die Luzerne-Gras-Mischung steht meistens zwei Jahre. Die Kultur erfüllt dabei mehrere Funktionen: Sie liefert Futter, lockert den Boden und trägt zum Humusaufbau bei.
Gerade die tief reichenden Wurzeln sind für den Betrieb entscheidend. Andere Kulturen erreichen diese Bodenschichten kaum.
Nach dieser Phase wird ein Teil der Fläche in eine zwei- bis dreijährige Kunstwiese überführt. Der andere Teil wird wieder für den Ackerbau genutzt.
«Humus ist schnell weg, aber sehr schwierig wieder aufzubauen», sagt Franz Schuler junior. Deshalb spielt die organische Substanz heute eine zentrale Rolle. Neben Luzerne und Raps setzt der Betrieb deshalb auf Gründüngungen und organische Dünger. Geplant ist zudem, Mist gemeinsam mit Grüngut zu kompostieren. Dadurch soll ein stabilerer Dünger entstehen, der den Humusaufbau unterstützt und den Stickstoff besser verfügbar macht.
Vom Silomais bis zum Spezialgetreide
Nach der Luzerne-Gras-Mischung folgt Silomais. Dieser wird für die eigenen Mastrinder benötigt. Körnermais wäre aufgrund der Standortbedingungen schwieriger.
Danach folgt Getreide. Neben Winterweizen baut Familie Schuler auch Hartweizen an. Eine besondere Kultur für die eigene Direktvermarktung.
Der Hartweizen wird zu Teigwaren verarbeitet. Die Mühle Entenschiess im Thurgau bereitet das Getreide für die weitere Verarbeitung auf. Das Mehl wird dann verwendet, um im Hofladen verschiedenen Teigwaren herzustellen.

Die Kultur ist allerdings anspruchsvoll. Beim ersten Versuch sorgten ein nasser Frühling und Frühsommer für Probleme. Die Qualität war so schlecht, dass das Getreide kaum noch sinnvoll genutzt werden konnte.
Auch bei der Düngung gilt Zurückhaltung. Die Stickstoffmenge wird bewusst nicht vollständig ausgeschöpft. Das Risiko, dass der Bestand ins Lager geht, ist zu gross.
Direktvermarktung beeinflusst die Fruchtfolge
Nach dem Getreide werden die Flächen häufig geteilt. Kartoffeln und Kürbis sind wichtige Kulturen für den Hofladen.
Dabei gelten klare pflanzenbauliche Regeln. Kartoffeln und Bohnen benötigen beispielsweise eine Anbaupause von mindestens 5 Jahren, um Krankheitsprobleme zu vermeiden.
Auch beim Raps hat der Betrieb bereits erfahren, wie wichtig die Pause ist. Als die Kultur einmal früher als geplant wieder auf derselben Fläche stand, waren die Auswirkungen direkt sichtbar.
Die kleinen Gemüseflächen folgen dagegen weniger einem festen Schema. Zwischen Kartoffeln und Kürbis können beispielsweise Randen oder Buschbohnen wachsen. Erdbeeren und Spargeln sind mehrjährige Kulturen und werden deshalb separat betrachtet. Durch die Direktvermarktung entstehen zusätzliche Herausforderungen für die Planung. Gleichzeitig ermöglicht die Direktvermarktung Kulturen, die auf kleinen Flächen wirtschaftlich interessant sind.

Gründüngung als Werkzeug für den Boden
Zwischen den Hauptkulturen kommen verschiedene Gründüngungen zum Einsatz. Familie Schuler probiert unterschiedliche Mischungen aus, beispielsweise Humusmischungen oder Phacelia.
Die Auswahl erfolgt je nach Situation und Ziel. Wichtig ist, dass der Boden bedeckt bleibt und organische Substanz aufgebaut wird.
Zwischenfutter spielt dagegen kaum eine Rolle, da der Betrieb keinen zusätzlichen Futterbedarf hat.
Die Bedeutung solcher Massnahmen nimmt zu. Mit weniger verfügbaren Pflanzenschutzmitteln und Behandlungen wird die Fruchtfolge wichtiger, um Krankheiten und Schädlinge zu regulieren.
Ein Beispiel dafür ist der Drahtwurm. Der Betriebsleiter beobachtet eine zunehmende Problematik, besonders nach Wiesen. Vermutlich spielen dabei auch fehlende Beizmöglichkeiten eine Rolle.
Ausprobieren und weiterentwickeln
Die Entwicklung des Betriebs zeigt: Eine Fruchtfolge ist kein starres System. Sie muss zum Standort, zur Vermarktung und zur Betriebsstruktur passen.
In den vergangenen Jahren wurden verschiedene Kulturen ausprobiert. Eiweisserbsen beispielsweise wurden nach einigen Jahren wegen der hohen Niederschläge wieder aufgegeben. Heute könnten sie unter anderen Bedingungen wieder interessant sein.
Auch Sonnenblumen wurden erstmals angebaut. Sie könnten eine mögliche Ergänzung für die Zukunft sein. Im Vergleich zu Raps ist die Kultur weniger aufwendig, allerdings sind auch die Erträge tiefer.
Für Familie Schuler bleibt entscheidend, Neues schrittweise auszuprobieren. Die Erfahrung aus vielen Jahren Ackerbau hilft dabei, Chancen und Risiken einzuschätzen. «Die Natur zeigt einem manchmal ziemlich schnell, ob etwas funktioniert», lautet eine der wichtigsten Erfahrungen der Famillie Schuler.
Betriebsspiegel
der Familie Schuler
Familie Corinne und Franz Schuler-Ulrich, Benken SG
LN: 21 ha; davon 16 ha ackerfähig
Kulturen: Silomais, Winterweizen, Hartweizen, Raps, Kartoffeln, Kürbis, Buschbohnen, Randen, Erdbeeren, Spargeln
Tierbestand: 40 Mastrinder, 9500 Legehennen
Weitere Betriebszweige: Direktvermarktung, kleinere Lohnarbeiten
Arbeitskräfte: Betriebsleiter-Ehepaar, Ehepaar Schuler senior, 2 Festangestellte, Lehrling

