«Das Jahr 2015 forderte die Landwirtschaft, noch bevor die Vegetation einsetzte.» Das hielt Präsident Hans Frei am Mittwochabend in seiner Begrüssung zur Delegiertenversammlung des Zürcher Bauernverbands in Maur fest. Dabei spielte er auf die Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Nationalbank an.
Einkommenssituation hat sich
nochmals verschlechtert
Bereits die AP 2014–17 habe die Einkommenssituation für die produzierende Landwirtschaft verschlechtert.
Mit dem starken Franken sei die Situation nochmals massiv schwieriger geworden, stellte Hans Frei fest. So sei genau 15 Tage nach dem Entscheid der Nationalbank ein Abzug «Frankenstärke» von 2,3 Rappen auf der Milchabrechnung deklariert und vollzogen worden. Dabei werde nicht berücksichtigt, dass sämtliches Futter im Vorjahr produziert wurde, sämtliche Kosten der Tierhaltung keine Korrekturen erfahren, der Arbeitsmarkt keinen Spielraum schafft und die Schulden durch die Frankenstärke nicht geringer werden.
Abzüge müssen
begründet werden
Die Bauern seien nicht mehr bereit, Abzüge auf den Abrechnungen hinzunehmen, ohne Nachweis über die Verwendung der Mittel. Was die produzierende Landwirtschaft seit Anfang dieses Jahres hinnehmen müsse, dürfe nicht unwidersprochen bleiben. «Ohne verlässliche Rahmenbedingungen und einen gezielten Grenzschutz wird der Raubbau auf dem globalen Agrarmarkt zunehmen und die ärmsten Länder werden noch ärmer», sagte Hans Frei.
Resolution einstimmig
verabschiedet
Die 201 anwesenden Delegierten verabschiedeten einstimmig eine Resolution zur AP 2014–17. Diese fordert eine stärkere Gewichtung der Versorgungssicherheitsbeträge gegenüber der Ökologie. Bezogen auf den Zuckerrübenanbau fordert die Resolution, dass am Richtpreis für die Ernte 2014 festgehalten wird. Die Ende März 2015 eröffnete rückwirkende Richtpreissenkung auf der Rübenabrechnung um 15 Prozent sei für die Zuckerrübenproduzenten nicht zumutbar.
Zudem wird der Bund ultimativ aufgefordert, den Grenzschutz zugunsten der inländischen Zuckerproduktion und der industriellen Verarbeitungsbetriebe zu sichern. Es seien Massnahmen einzuführen, welche die vorhandene Kapazität der beiden Zuckerfabriken auslasten würden. Bereits heute, noch vor der Aufhebung der Quotenregelung für Zucker im EU-Raum, gelange Importzucker zu Tiefstpreisen in die Schweiz.
Die Swissness-Vorlage
strikt umsetzen
«Ohne Grenzschutz kann in der Schweiz keine Landwirtschaft auf einer ökonomischen Basis betrieben werden», stellte SBV-Präsident Markus Ritter in seiner Grussbotschaft fest. Wie Ritter weiter darlegte, müsse die Swissness-Vorlage nun konsequent umgesetzt werden – auch wenn sich die Lebensmittel-
industrie dagegen sträube. Ausserdem müsse die Deklarationspflicht für verarbeitete Lebens-
mittel verstärkt werden. «Die Konsumenten sollen wissen, woher die Lebensmittel kommen», sagte Ritter.
Kampagne für einheimische
Lebensmittel gestartet
Die traktandierten Geschäfte gaben kaum zu Diskussionen Anlass. Für die zurücktretenden Urs Amacher und Hans Hauser wurden Benjamin Bühler als Vertreter des Bezirks Dielsdorf und Peter Bossert als Vertreter des Bezirks Horgen neu in den Vorstand gewählt. Die Rechnung für das Jahr 2014 schliesst bei einem Aufwand von 4,14 Millionen Franken mit einem Gewinn von 35 00 Franken. Sie wurde einstimmig genehmigt. Mit der Kampagne «heimische Lebensmittel» will der ZBV das Bewusstsein der Konsumenten für inländische Speisen stärken. ZBV-Geschäftsführer Ferdi Hodel formulierte es so: «Ein- heimische Lebensmittel haben mehr als einen Preis. Sie haben auch einen Wert.» Geplant sind 25 Auftritte an gut frequentierten Plätzen in Zürich, Winterthur, Uster und Bülach, aber auch Plakate für heimische Lebensmittel auf Feldern. Die Website www.heimisch-zh.ch ist bereits aufgeschaltet.
Christian Weber