Gerade schüttet es wie aus Kübeln über dem Betrieb Chuderboden in Malters LU – eine Seltenheit in diesem Sommer. «Wir müssen ein System haben, das sowohl bei Trockenheit als auch bei Starkregen funktioniert», sagt Beat Rölli. Daran arbeitet er seit 15 Jahren. Fertig ist er nicht. Aber seine bisherigen Massnahmen haben sich im Extremsommer 2026 bewährt.
Versickerungsgräben wären hier gefährlich
Der Chuderboden liegt zwischen 700 und 800 m ü. M. an einem Südhang und umfasst 3,5 ha LN und 4,5 ha Wald. Zwei Hektaren sind extensive Wiesen eines Naturschutzgebiets. Auf den 1,5 ha rund um das Betriebsgebäude sind die Verhältnisse sehr unterschiedlich: Ein steiler Hang, eine Wand aus Sandstein, nasse und trockenere Flächen grenzen aneinander. Eine ständige Gefahr sind Hangrutsche. «Versickerungsgräben wären hier zu gefährlich», erklärt Beat Rölli. Gräben nutzt er daher nur, um Wasser zu lenken, damit er es nicht selbst transportieren muss.




Eine Million Liter Wasser mehr gespeichert
Dass das System hier noch im Aufbau ist, sieht man. Ausgebaggerte Drainagen liegen auf einem Hafen neben Metall- und Plastikteilen, die im Boden zum Vorschein gekommen sind.
Der Betriebsleiter will Wasser halten, statt es abzuführen. Er holt es an die Oberfläche, statt auf Drainagen zu setzen. «Auf 1,5 ha rund ums Hofgebäude speichern wir heute eine Million Liter Wasser mehr als vor 15 Jahren», meint Beat Rölli.
Ein Teil dieses Wassers wird offensichtlich gespeichert – in einem von drei Teichen. Am dritten baggert der Betriebsleiter mit einer gemieteten Maschine. Die anderen zwei füllen sich mit dem Regen, der an diesem Tag so ergiebig an Felsen entlang und aus der Dachrinne strömt.
Holz fällt an und wird zum Schwamm
Der Boden selbst soll rund um den Chuderboden zum Schwamm werden. Dazu schwört der Betriebsleiter aufs «Erdisieren». «Ich habe hier sehr viel Holz», gibt er zu bedenken. Es fällt bei der Pflege des Waldes, der zahlreichen Wildobststräucher und -bäume sowie dem Rebschnitt an. Dieses Material türmt Rölli zu Haufen auf, zerkleinert es mit der Motorsäge und bedeckt das Ganze mit Erde.
«Zuerst etwa 20 cm tief abhumisieren, dann das Holz auf den Boden legen und mit Erde zudecken», so das Rezept des Luzerners. Bewusst mischt er dabei humusreichen Ober- mit mineralischem Unterboden. Letzterer werde auf diese Weise schnell belebt und bringe wertvolle Nährstoffe. «Die Natur ist das Vorbild», meint Rölli und verweist auf fruchtbare Schwemmlandschaften, in denen Flüsse immer wieder mineralisches Sediment auf humosen Boden führen.
Zum Terrassieren und im Hügelbeet
Das vergrabene Holz sauge viel Wasser auf, schildert Beat Rölli. Einigermassen dicht gepackt und zerkleinert wird verhindert, dass darauf wachsende Pflanzen mit ihren Wurzeln plötzlich in der Luft eines Hohlraums hängen. Mit dieser Technik terrassiert der Landwirt seine Hänge Stück für Stück. Zwar falle das Holz mit der Zeit etwas zusammen, aber nicht dramatisch.
Die Zersetzung berge eine gewisse Gefahr für eine Stickstoff-Blockade, räumt er ein: «Junge Gemüsesetzlinge würde ich jetzt nicht darauf platzieren.» Aber selbst das scheint gar nicht schlecht zu funktionieren. Patisson und andere Kürbisarten gedeihen jedenfalls gut auf einem Hügelbeet zwischen den Wildobstbäumen. Obwohl Rölli sagt, er habe es viel zu spät bepflanzt – erst im Juni. Geholfen haben dürfte dem Gemüse die Schafwolle, die es beim Setzen als Dünger erhalten hat. Und offensichtlich hat es den Pflanzen nicht an Wasser gemangelt.



Kornelkirschen, Mispeln, Mirabellen, Aronia und weitere Gehölze stabilisieren die steilen Flächen mit ihren Wurzeln. Das lebendige und vor allem auch das tote Wurzelwerk der Bäume speichert Wasser und verbessert die Versickerung. Bei Trockenheit bringt ein Baum Wasser aus der Tiefe an die Oberfläche: Es verdunstet auf den Blättern und steht später als Tau auch Pflanzen mit flachen Wurzeln zur Verfügung.
Verheiratete Reben statt klassischem Rebberg
Agroforst- und Permakultur-Elemente – wie die erdisierten Holzhaufen – prägen den Chuderboden. Den Rebberg möchte Beat Rölli langfristig auflösen, denn er macht gute Erfahrungen mit «Vite maritata». Diese «verheirateten Reben» wachsen an Bäumen empor, statt in einem Rebberg gezogen zu werden. «Ich habe bis zu viermal mehr Ertrag und die Reben sind gesünder», beobachtet der Landwirt.
Er nutzt die Trauben, um Verjus zu produzieren. Dazu werden unreife Trauben seiner verheirateten Reben in zwei bis drei Metern Höhe geerntet, wobei Rölli in einem Zug gleich den Rebschnitt erledigt. Obwohl durch die Krone des Stützbaumes – im Fall des Chuderbodens sind es verschiedene, z. B. Weiden – die Reben mehr Feuchtigkeit ausgesetzt sind, zeigten die Pflanzen sogar weniger Pilzbefall. «Vielleicht liegt das an der Höhe über dem Boden oder am veränderten Mikrobiom auf den Blättern», mutmasst Rölli.
«Ich bäschele nicht»
Neben Verjus und verschiedenen Wildobst-Produkten nutzt der Luzerner die Krautschicht für die Produktion von Wildkräutersalaten.
Gegenwärtig gehören zum Chuderboden keine Tiere. Beat Rölli würde zwar gerne dezentrale Komposthaufen errichten und dort Hühner halten. Noch ist es aber nicht so weit. Bisher hat er mit dem dritten Teich eine grosse Baustelle und jede Menge Arbeit, die gleichzeitig anfällt. Daher auch sein Ansatz, verfügbares Material möglichst an Ort und Stelle einzusetzen, statt Äste, Erde und Rebschnitt weit zu transportieren. Was er pflanzt, muss weitgehend selbst funktionieren – «Ich bäschele nicht», stellt er klar. Seine Erfahrungen gibt er als Permakultur-Berater weiter.
Rölli plant den Ausbau seines Systems rollend und ist offen für neue Ideen. Für die Finanzierung seiner Teiche konnte der Landwirt Fördergelder von Kanton und Stiftungen mobilisieren. Er plädiert dafür, dass derartige Speicher nicht allein als Biodiversitätsförderung angesehen, sondern als multifunktional anerkannt werden.
Bereit für weitere extreme Trockenheit
Die Kornelkirschen zeigen heuer trotz allem deutliche Trockenschäden. Ihr verfärbtes Laub fällt zu Boden. Die Früchte bleiben klein und hart. Das beliebteste Produkt des Chuderbodens – Kornelkonfitüre – dürfte rar werden. «Wir sind am Optimieren des Systems», sagt Beat Rölli. Am Anfang der nächsten Saison will er mit drei Teichen doppelt so viel Wasser speichern, wie noch 2026. Auch der Boden soll dank der getroffenen Massnahmen besser als Schwamm wirken. Der Landwirt spricht von «Faktor-10-Projekten»: «Wenn es uns gelingt, auf Parzellen, mit Teichen und Schwammbeeten um sie herum 10-mal mehr Wasser zu speichern als normal, sollten wir für extreme Trockenheit gut vorbereitet sein.»
Kursnachmittag auf dem Chuderboden
Regenerativ Schweiz veranstaltet am 18. September 2026 einen Kursnachmittag zum Thema Schwammland auf dem Betrieb von Beat Rölli.

Grauwasserkreislauf mit eigener Kläranlage
Zwei von drei Quellen beim Chuderboden sind in diesem Sommer versiegt. Die letzte lieferte im August noch 7 dl/Minute – für acht Leute. «Zwei Drittel geben wir an die Nachbarn ab», ergänzt Beat Rölli. Einige benachbarte Betriebe mussten per Tanklastwagen mit Wasser versorgt werden. Rölli hingegen profitiert davon, dass das Grauwasser seines Haushalts in einem annähernd geschlossenen Kreislauf zirkuliert. Dieses gering verschmutzte Wasser aus Dusche und Küche fliesst zuerst durch eine 2-stufige Pflanzenkläranlage und anschliessend durch einen 3-stufigen technischen Filter im Untergeschoss des Hauses. «Das Resultat ist Brauchwasser in Trinkwasserqualität», erklärt der Landwirt stolz. Aus rechtlichen Gründen darf er es nicht Trinkwasser nennen, obwohl es die qualitativen Mindestanforderungen übertreffe.
Noch ungelöst ist indes das Problem, dass sich das Wasser in diesem Kreislauf langsam mit Salz anreichert. Es stammt etwa aus dem Geschirrspüler (Regeneriersalz) und beeinträchtigt auf Dauer den Geschmack. Daher beabsichtigt Rölli, künftig mehr Regenwasser ins System einzuspeisen.
Seit Dezember habe er nur 10 m3 Quellwasser in seinen Haushalt eingeleitet. Zum geringen Wasserbedarf trägt die trockene Trenntoilette bei, die perfekt in den Holzbau mit Strohisolation passt. Umweltfreundliche Putzmittel sind ein Muss in diesem Haushalt, wo das Wasser aus der Waschmaschine irgendwann wieder aus dem Hahn kommt. «Die Fusseln aus synthetischer Kleidung bleiben halt zurück», stellt Beat Rölli fest. Die Fasern enden in der ersten Stufe des Kreislaufs: in den 23 m3 Pflanzenkohle, umfasst von Ziegeln und dicht bewachsen.

