Futterbörse im Kanton Zürich: So sollen Betriebe bei Raufutterengpässen Hilfe finden

Die angespannte Futtersituation veranlasst den Zürcher Bauernverband zum Handeln: Eine neue Onlinebörse vermittelt Futter. Betriebe erfassen Futterart, Menge und Erntezeitpunkt und vereinbaren Preis und Transport direkt.

«Die Lancierung ist eine direkte und pragmatische Reaktion auf die aktuelle Versorgungslage», sagt Ferdi Hodel, Geschäftsführer des Zürcher Bauernverbands (ZBV). Über die neue Herbstfutterbörse sollen zusätzliche Futterpotenziale sichtbar gemacht und Betriebe mit einem Angebot rasch mit Betrieben zusammengebracht werden, die dringend Futter benötigen.

Auslöser für die Onlinebörse sei die aussergewöhnlich angespannte Futtersituation, erklärt Ferdi Hodel. Die trockenen Bedingungen hätten das Wachstum vieler Wiesen und Weiden stark eingeschränkt und zu erheblichen Ausfällen geführt.

Gleichzeitig gebe es Betriebe, die zusätzliches Futter bereitstellen könnten. Zwei Möglichkeiten stehen dabei im Vordergrund: Zum einen kann nach der Getreideernte Zwischenfutter angebaut werden. Zum anderen können Körnermaisbestände, die ursprünglich für die Körnerproduktion vorgesehen waren, bei entsprechender Eignung als Silomais genutzt werden.

«Mit der Herbstfutterbörse wollen wir diese zusätzlichen Futterpotenziale sichtbar machen und Betriebe mit einem Angebot rasch mit Betrieben zusammenbringen, die dringend Futter benötigen», sagt Hodel.

Plattform vermittelt Kontakte

Die Funktionsweise der Börse ist einfach: Landwirtschaftsbetriebe können entweder ein Futterangebot oder ihren eigenen Bedarf auf der Plattform erfassen. Dabei werden wichtige Angaben wie Futterart, Menge beziehungsweise verfügbare Fläche, Standort, möglicher Erntezeitpunkt und Kontaktdaten angegeben.

Anschliessend treten die interessierten Betriebe direkt miteinander in Kontakt. Die konkreten Vereinbarungen – etwa zu Preis, Qualität, Ernte, Häckseln, Konservierung, Transport oder Bezahlung – werden zwischen den Beteiligten getroffen.

«Die Börse vermittelt den Kontakt. Der ZBV ist weder Käufer noch Verkäufer und wird nicht selbst Vertragspartner», stellt Ferdi Hodel klar.

Hoffnung auf Lösungen

Für die kommenden Wochen erwartet der ZBV eine hohe Nachfrage nach zusätzlichem Raufutter. Gleichzeitig hofft der Verband auf möglichst viele Angebote.

«Entscheidend ist, dass die Betriebe ihre Möglichkeiten frühzeitig prüfen und melden», sagt Ferdi Hodel. Auch kleinere Mengen könnten einen wichtigen Beitrag leisten. «Mehrere kleinere Futtermengen können dazu beitragen, die Versorgungslücke eines Tierhaltungsbetriebs zu verkleinern.»

Wetter bleibt entscheidender Faktor

Eine Herausforderung bleibt jedoch bestehen: Eine Plattform allein kann kein zusätzliches Futter produzieren. Beim Zwischenfutterbau hängt der Erfolg stark von den Witterungsbedingungen ab.

«Beim Zwischenfutterbau hängt der Ertrag wesentlich davon ab, ob in den kommenden Wochen genügend Niederschlag fällt und sich die Kulturen ausreichend entwickeln können», erklärt Ferdi Hodel.

Auch beim Einsatz von Körnermais als Silomais gibt es verschiedene Faktoren zu beachten. Entscheidend seien unter anderem der Körneranteil, die Trockensubstanzgehalt, die Qualität des Pflanzenmaterials und die Silierbarkeit.

Zusätzlich spielen Logistik und Wirtschaftlichkeit eine wichtige Rolle. «Es muss geklärt werden, wer die Erntearbeiten übernimmt, wie das Futter konserviert wird und wer für den Transport aufkommt», sagt Hodel. Besonders bei grösseren Distanzen könnten die Transportkosten erheblich sein.

Klimawandel verlangt nach Strategien

Ferdi Hodel geht davon aus, dass solche Lösungen künftig häufiger nötig sein könnten. Längere Trocken- und Hitzeperioden während der Vegetationszeit dürften die Erträge im Futterbau stärker schwanken lassen.

«Deshalb werden flexible Lösungen an Bedeutung gewinnen», sagt er. Dazu gehörten digitale Vermittlungsplattformen, eine vorausschauende Futterplanung, ausreichende Reserven und regionale Netzwerke.

Widerstandsfähigkeit stärken

Um die Landwirtschaft langfristig widerstandsfähiger gegenüber Trockenperioden zu machen, brauche es verschiedene Ansätze. Besonders wichtig seien Böden mit hoher Wasserspeicherfähigkeit, eine gute Bodenstruktur, Humusaufbau sowie vielfältige Fruchtfolgen.

Auch im Futterbau könnten trockenheitstolerantere Pflanzenbestände und artenreiche Wiesen helfen, Ertragsschwankungen zu reduzieren.

Die Betriebe müssen ihre Futterplanung stärker auf mögliche Extremjahre ausrichten und, soweit betrieblich möglich, ausreichende Reserven aufbauen», erklärt Ferdi Hodel. Dafür sind grössere Lagerkapazitäten für Raufutter notwendig, damit in guten Jahren genügend Reserven angelegt werden können.

Zusätzlich müssten Möglichkeiten zur Bewässerung, Wasserspeicherung und regionalen Wasserverteilung geprüft werden, wo dies sinnvoll und vertretbar sei. Dafür brauche es langfristige Konzepte und verlässliche Rahmenbedingungen.

«Die Landwirtschaft kann sich an veränderte klimatische Bedingungen anpassen. Dafür benötigt sie jedoch Planungssicherheit, unternehmerischen Spielraum und die Möglichkeit, schnell auf ausserordentliche Situationen zu reagieren», fasst Hodel zusammen.

Weitere Vermittlungsplattformen

Nicht nur der Zürcher Bauernverband reagiert mit einer Onlinebörse auf die angespannte Futterlage. Auch der Verband Thurgauer Landwirtschaft, der St. Galler Bauernverband, die Genossenschaft Thurgauer Milchproduzenten, die Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost, die Beratung Arenenberg sowie der Maschinenring Ostschweiz haben gemeinsam die Plattform Raufutterbörse lanciert. Sie steht Landwirtschaftsbetrieben aus der ganzen Schweiz offen und soll Angebot und Nachfrage nach Raufutter rasch zusammenbringen.

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