Rino Sohn Lordan – ein Stier, der die OB-Rasse nachhaltig prägte

Über 10 000 Zuchttiere im BrunaNet gehen auf Lordan und seine Nachkommen zurück: Der Stier brachte Original Braunvieh Zucht vorwärts. Die enorme Verbreitung seiner Zuchtlinie beeinflusst die genetische Vielfalt – und das fordert heraus.

Nur wenige Original-Braunviehstiere haben die Zucht der Rasse in den vergangenen Jahren so stark beeinflusst wie der 2014 geborene Rino Sohn Lordan aus dem Zuchtbetrieb Glatthard in Schattenhalb BE. Schon als genomischer Jungstier stiess er auf aussergewöhnlich grosses Interesse und wurde in einem bis dahin kaum gekannten Ausmass über die künstliche Besamung eingesetzt.

Heute zeigt sich, dass dieser Vertrauensvorschuss berechtigt war. Gleichzeitig verdeutlicht Lordans Geschichte aber auch die Risiken, welche mit dem intensiven Einsatz einzelner hochgehandelter Jungstiere verbunden sind.

Super Euter und tiefe Zellzahlen

Lordan überzeugte von Beginn an mit einem sehr ausgeglichenen Vererbungsmuster. Noch heute verfügt er bei einer Sicherheit von 99 Prozent über einen Gesamtzuchtwert von 1203. Die grössten Stärken hat er ohne Zweifel im Exterieur. Seine Töchter, über 1000 wurden linear eingestuft, fallen durch hervorragend aufgehängte Euter und eine korrekte Zitzenplatzierung auf.

Auch im Fundament vererbt Lordan viel Positives, vor allem die guten Klauensätze gefallen. In den funktionellen Eigenschaften überzeugt er mit einer hohen Nutzungsdauer, tiefen Zellzahlen und Stärken in der Mastitisresistenz. Wie jeder Vererber hat aber auch Lordan seine Schwächen. Der tiefe Index Melkbarkeit von nur 73 wirkt sich zwar wohl positiv auf die Eutergesundheit aus. Die eine oder andere Lordan-Tochter wurde aber wegen der langen Melkdauer sicher auch schon frühzeitig zum Schlachthof geführt. Auch bei der Milchmenge gehört Lordan nicht zu den absoluten Spitzenvererbern, dafür überzeugen seine Töchter mit guten Inhaltsstoffen und einer hohen Funktionalität.

Viele bekannte Schausiegerinen

Dass aber auch heute noch viele Lordan-Töchter in den Ställen stehen, zeigt: Die Mehrheit der Bauern ist zufrieden mit diesen Kühen. Lordan-Kühe überzeugen aber nicht nur im Stall, sondern dominieren vielfach auch das Geschehen im Schauring. Zu den bekanntesten Schausiegerinnen gehören die zweifache Miss Sorexpo Lampedusa, Ucetta, die Intermediate Champion der letzten Bruna sowie Linda, welche an der letzten Sorexpo den Vize-Miss-Titel gewann. Sie alle verkörpern den modernen Original-Braunviehtyp mit funktionellem Exterieur und ausgezeichneten Eutern und trugen wesentlich zum hervorragenden Ruf ihres Vaters bei.

Lampedusa von David und Claudia Rieder vom Zugerberg ZG war in den letzten Jahren die erfolgreichste Schaukuh aus dem Stier Lordan.(Bild: reb)

Schon als Jungstier sehr hohe Einsatzzahlen

Besonders bemerkenswert sind die enormen Einsatzzahlen von Lordan. Im BrunaNet sind heute 5060 Geburten sowie 2383 eingetragene Zuchttiere registriert. Für einen Original-Braunviehstier stellt dies eine aussergewöhnliche Verbreitung dar. Der intensive Einsatz begann bereits als genomischer Jungstier – also zu einem Zeitpunkt, als noch keine Töchterleistungen vorlagen. Rückblickend erwies sich dieses Vertrauen als gerechtfertigt, denn Lordan bestätigte die hohen Erwartungen mehrheitlich auch in der Nachzuchtprüfung.

Lordan prägt die Population heute längst nicht mehr nur über seine direkten Töchter, sondern vor allem über seine Nachkommen. Besonders sein Sohn Arcas wurde dank seines ebenfalls starken Vererbungsmusters sehr breit eingesetzt. Mit 5389 registrierten Geburten und ebenfalls 2814 Zuchttieren im BrunaNet übertrifft er seinen Vater bei den Geburtenzahlen sogar. Noch mehr Zuchttiere sind im BrunaNet von Arcas Sohn Anakin registriert, fast 3000 sind dort aufgeführt.

Rassenbild positiv verändert

Ebenso bedeutend ist Lordans Einfluss über seine Töchter. Aus der bekannten Lordan-Tochter Urmi stammen mit Morin, Omar und Tiago gleich mehrere populäre Besamungsstiere. Mit dem Stier Edelweiss, von welchem schon über 2000 Geburten registriert sind, kommt ein weiterer stark nachgefragter Jungstier aus einer Lorden-Tochter.

Lordan darf deshalb ohne Übertreibung als einer der prägendsten Original-Braunviehstiere der letzten Jahrzehnte bezeichnet werden. Seine Geschichte zeigt eindrücklich, wie stark ein einzelner Spitzenvererber eine Population positiv verändern kann.

Doch was wäre gewesen, wenn sich bei Lordan in der Nachzuchtprüfung eine wirklich grosse Schwäche in einem wirtschaftlich bedeutenden Merkmal gezeigt hätte oder bei Lordan zu einem späteren Zeitpunkt ein Erbfehler entdeckt worden wäre?

Genetische Vielfalt geht zurück

Dennoch zeigt sein Beispiel eindrücklich die Kehrseite der modernen Genomik. Wird ein Jungstier mit sehr hohen genomischen Zuchtwerten flächendeckend so intensiv eingesetzt, steigt sein genetischer Einfluss innerhalb weniger Jahre massiv an. Mindestens ebenso wichtig bleibt der Einfluss von Lordan auf die genetische Vielfalt der Original-Braunviehzucht.

Ein grosser Teil der heutigen OB-Population trägt das Lordan-Blut in sich. Allein von den stark eingesetzten Stieren Lordan, Arcas, Anakin, Omar, Morin und Tiago sind insgesamt über 10 000 Zuchttiere im BrunaNet registriert.

Auch wenn davon viele nicht mehr in den Ställen stehen, ist diese Zahl bei einer Rasse mit weniger als 20 000 lebenden weiblichen Herdebuchttieren schon äusserst eindrücklich. Eine solche Blutverengung muss gerade bei einer kleinen Rasse unbedingt im Auge behalten werden.

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