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Wettpflüger Marco Angst: «Pflügen wird immer eine Bedeutung haben»

Der Weltmeister Marco Angst erklärt, warum er 2026 trotz seiner Qualifikation nicht an EM und WM im Wettpflügen teilnimmt und stattdessen mitorganisiert.

Bereits seit Kindertagen hegt Marco Angst aus Wil ZH eine Faszination für landwirtschaftliche Maschinen. Er begleitete seinen Vater, der sich ebenfalls für das Wettpflügen interessierte, schon früh. Rasch wurde klar: Marco Angst wollte das Pflügen auf Wettkampfebene selbst ausprobieren.

Mit 14 Jahren bekam er seinen ersten Occasions-Pflug geschenkt. Der Rest ist Geschichte. Der heute 35-Jährige blickt auf eine Karriere im Wettkampfpflügen zurück, die gespickt ist mit grossen Erfolgen: 2019 wurde er erstmals Weltmeister in Minnesota (USA); 2023 sicherte er sich den Vizeweltmeistertitel in Kuldiga (Lettland) und 2025 gelang es ihm in Prag (Tschechien) erneut, den Weltmeistertitel zu holen. Doch 2026 ist alles anders: Bei den Grossveranstaltungen EM und WM wird der Profi nicht selbst in der Traktorkabine sitzen.  

Die Europameisterschaft im Wettpflügen steht vor der Tür. Sie werden jedoch nicht selbst antreten und sind stattdessen im Organisationskomitee tätig – warum? 

Die Organisation der Europameisterschaft ist langwierig und die Ansprüche an das Wettkampfgelände sind hoch. 40 ha abgeerntete Getreidefläche werden gebraucht, die möglichst nah beisammenliegen. Das ist in der Schweiz mit den kleinstrukturierten Flächen nicht einfach. Ich habe mich in diesem Jahr daher dazu entschieden, mich dafür einzusetzen, den Anlass möglich zu machen. Für die Durchführung werde ich einen grossen Teil meiner Ferien aufbrauchen müssen.

Die Veranstaltung einerseits mitzuorganisieren und dann auch noch aktiv daran teilzunehmen, wäre unmöglich gewesen. Zudem habe ich mich auch für die diesjährigen Weltmeisterschaften qualifiziert, die zwei Wochen nach der EM in Kroatien stattfinden. Dafür hätte ich allerdings auch noch einmal Ferien gebraucht. Deshalb habe ich meine Teilnahme dort auch zurückgezogen.

Was unterscheidet einen Europameister im Wettpflügen von einem sehr guten Landwirt im Alltag? 

Im Grunde nicht viel. Auch bei der Arbeit auf dem Feld will man möglichst präzise pflügen, das Unkraut möglichst gut bekämpfen und dabei Diesel sparen. Alle Punkte, die im Wettkampf bewertet werden, finden ihren Ursprung in der landwirtschaftlichen Praxis. 

Bedeutet dies nicht gleichzeitig, dass man sich auf einen Wettkampf dann nicht speziell vorbereiten muss? 

Das würde ich nicht sagen. Der Wettkampfpflug ist ein absolutes Hightech-Gerät, an dem ich selbst viele Veränderungen vorgenommen habe und der auch ausschliesslich für den Wettkampf eingesetzt wird. Die Einstellungen sind viel vielfältiger und jeder Pflug ist ein absolutes Unikat. Das müssen sie auch, denn im Wettkampfbereich ist man schweiz- wie auch weltweit auf vielen verschiedenen Böden unterwegs, an die man sich anpassen muss.  

Welche Rolle spielt bei den anstehenden Wettkämpfen die aktuelle Trockenheit?

Eine grosse. Gerade schwerere Böden können durch die Trockenheit sehr hart werden. Dies kann dazu führen, dass es beim Pflügen grosse Schollen gibt. Hier ist man darauf angewiesen, dass man Änderungen am Pflug vornehmen kann, damit es funktioniert. In dem Fall werden etwa Scharen mit mehr Einzug genutzt.

Zahlreiche Wettkämpfe konnte Marco Angst schon für sich bestimmen. So wie hier bei seinem Weltmeistertitel 2025 in Prag.(Bild: Privat)

Die Bodenbedingungen sind an jedem Wettkampfort anders. Wie geht man damit um?

Vor allem wenn man an internationalen Wettkämpfen teilnimmt, reist man vorher an und hat die Möglichkeit, vor dem Wettkampf einige Tage vor Ort zu üben. Damit der Boden der einzige unbekannte Faktor ist, reisen die meisten Teilnehmer mit ihrem eigenen Traktor und ihrem eigenen Pflug an, die perfekt aufeinander abgestimmt sind. Nur mit den eigenen Maschinen ist man so eingespielt, dass man überhaupt vorn mitfahren kann. 

Welche Bedeutung hat Pflügen heute noch, in einer Landwirtschaft, in der konservierende Bodenbearbeitung immer wichtiger wird?

Pflügen wird immer eine Bedeutung haben. Es fallen immer mehr Pflanzenschutzmittel weg. Wenn man herbizidlos produzieren will, dann ist der Pflug ein wichtiges Arbeitsgerät, mit dem man Unkraut im Vorhinein verlässlich bekämpfen und ein gutes Saatbeet hinterlassen kann. Es gab natürlich schon einen Wandel; man pflügt beispielsweise nicht mehr so tief wie früher. Aber aussterben wird das Pflügen nicht. Was nicht heisst, dass die pfluglose Bodenbearbeitung situativ nicht auch ihre Berechtigung hat.

Gab es in Ihrer Laufbahn einen Wettkampf, aus dem Sie besonders viel gelernt haben und der Sie als Wettpflüger entscheidend weitergebracht hat?

Mit Sicherheit war dies meine Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Kenia. Die Böden dort sind wirklich ganz anders als die, die wir hier kennen. Sie sind komplett schwarz und sehr klebrig, wenn sie feucht werden. Dort hatte ich Probleme, die ich vorher noch nie gehabt hatte. Ich musste viele Pflug-Einstellungen überdenken. Wie kann es gelingen, dass die Erde leichter über die Pflugscharen läuft? Wie kann der Widerstand verringert werden? Diese Überlegungen haben mir sehr viel gebracht. 

Welchen Stellenwert hat ein solcher Anlass wie die EM für die Schweizer Landwirtschaft und den Berufsnachwuchs?

An solchen Veranstaltungen können sich die Besucher ein Bild davon machen, was wir mit unseren Maschinen schaffen können, damit diverse Feldfrüchte gedeihen. Wir können zeigen, dass hinter unserer Arbeit höchste Präzision, viel Ehrgeiz und Leidenschaft steckt.  Nicht nur beim Wettkampf, sondern auch im beruflichen Alltag. 

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