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Hitzestress im Stall: ein möglicher Risikofaktor für Salmonellen

Der Zoonosenbericht 2025 zeigt hohe Fallzahlen bei Mensch und Rind. Eine neue Studie bringt nun einen zusätzlichen Faktor ins Spiel: heisse und feuchte Sommer. Das BLV erklärt, was das für Schweizer Ställe bedeutet – und was Tierhaltende jetzt schon tun können.

2280 Menschen haben sich 2025 in der Schweiz nachweislich mit Salmonellen angesteckt. Die Zahl bleibt hoch, seit Jahren. Auch bei Rindern wurde der Erreger wieder häufiger gefunden. Eine neue internationale Studie bringt nun einen zusätzlichen Faktor ins Spiel: den Klimawandel. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) ordnet ein, was das für Schweizer Tierhaltende bedeutet.

Aktuell ist der Erreger noch aus einem anderen Grund im Gespräch: Bei der laufenden Erkrankungswelle bei Milchkühen, für die das IVI ein neues Orthobunya-Virus aus der Simbu-Serogruppe («Shamonda-like») verantwortlich macht, sind in einzelnen Betrieben auch Salmonellen nachgewiesen worden. Das zeigt, wie präsent der Keim in Schweizer Beständen sein kann.

Was Salmonellen sind und warum sie Bauernbetriebe betreffen

Salmonellen sind Bakterien, die beim Menschen eine Durchfallerkrankung mit Erbrechen und Fieber auslösen können. Tiere tragen die Erreger oft in sich, ohne selbst krank zu wirken – Fachleute sprechen von einer asymptomatischen Kolonisation.

Der Mensch steckt sich meist über Lebensmittel tierischer Herkunft an: Fleisch, Eier oder nicht pasteurisierte Milch. Weil sich Salmonellen bei Zimmertemperatur vermehren können, gilt in der Küche eine einfache Regel: verderbliche Lebensmittel kühl lagern, Fleisch immer durchgaren.

Für Tierhaltende ist das Thema in doppelter Hinsicht relevant. Erstens, weil Bestände frei von Salmonellen bleiben sollen und dafür konsequente Biosicherheit nötig ist. Zweitens, weil sich in der Übertragungskette – Tier, Futter, Stall, Lebensmittel – die Massnahmen der Landwirtschaft direkt auf die Zahl der Erkrankungen beim Menschen auswirken.

Was der Zoonosenbericht 2025 zeigt

Der jährliche Bericht zur Überwachung von Zoonosen, den das BLV zusammen mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) veröffentlicht, zeichnet für 2025 ein Bild der Stabilität auf hohem Niveau. Beim Menschen wurden 2280 labordiagnostisch bestätigte Salmonellose-Fälle gemeldet, das entspricht 25,1 Neuerkrankungen pro 100 000 Einwohnerinnen und Einwohner. Damit liegt die Zahl deutlich über dem, was noch vor zehn Jahren üblich war. Die häufigsten Serovare – so nennt man die Untertypen der Salmonellen – blieben Salmonella Enteritidis mit 36 Prozent und Salmonella Typhimurium mit 16 Prozent.

Woher der Anstieg kommt, ist laut Bericht nicht restlos geklärt. Diskutiert werden ein vermehrter Einsatz empfindlicherer Testmethoden (Multiplex-PCR), mehr Auslandsreisen der Bevölkerung sowie der gestiegene Eierkonsum samt höherem Import von Eiern aus dem Ausland.

Bei den Tieren registrierten die kantonalen Veterinärämter 2025 insgesamt 121 Salmonellose-Fälle, leicht weniger als im Vorjahr, aber im gewohnten Schwankungsbereich der letzten zehn Jahre. Am häufigsten betroffen waren mit 27,3 Prozent aller Meldungen Rinder – ein Anstieg gegenüber den Vorjahren. Danach folgten Hunde und Reptilien mit je 17,4 Prozent. Beim Geflügel, wo Salmonellen für die menschliche Gesundheit die grösste Bedeutung haben, gelten strenge Bekämpfungsziele: höchstens 1 Prozent Prävalenz bei Zucht- und Masttieren, höchstens 2 Prozent bei Legehennen.

Diese Ziele wurden 2025 erneut erreicht. Trotzdem meldete das nationale Überwachungsprogramm 19 Fälle bei Geflügelherden, etwas mehr als in den Vorjahren – der grösste Teil davon bei Legehennen.

Die Klimastudie: Wärme, Regen und resistente Keime

Vor diesem Hintergrund sorgt eine neue Studie für Gesprächsstoff, die kürzlich im Fachjournal ScienceDirect erschienen ist. Sie untersucht den Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und der Verbreitung von Antibiotikaresistenz-Genen bei Salmonellen, in Form einer langjährigen ökologischen Modellierungsstudie (Originaltitel: «Association of climate change with the spread of antimicrobial resistance genes in Salmonella: a longitudinal ecological and modelling study»).

Die Autorinnen und Autoren untersuchten über einen längeren Zeitraum, ob sich veränderte Temperaturen und Niederschlagsmuster im Zusammenhang mit Antibiotikaresistenzen bei Salmonella-Isolaten zeigen lassen. Antibiotikaresistenz bedeutet, dass ein Bakterium gegen ein Medikament unempfindlich geworden ist, das eigentlich gegen dieses Bakterium wirken sollte – eine Entwicklung, die sowohl in der Human- als auch in der Veterinärmedizin zunehmend Sorgen bereitet.

Wie sieht die Situation in der Schweiz aus?

Die BauernZeitung hat beim BLV nachgefragt, was diese Studie für Schweizer Tierhaltende bedeutet. Mediensprecherin Sarah Camenisch antwortete schriftlich im Namen des Amtes.

Auf die Frage, ob sich Schweizer Tierhaltende wegen der Studie überhaupt Sorgen machen müssten, oder ob unser Klima zu verschieden sei von den untersuchten Regionen, hält das BLV fest, der in der Studie beschriebene Zusammenhang zwischen veränderten Temperaturen und Niederschlagsmustern und Antibiotikaresistenzen könne durchaus auch für die Schweiz relevant sein – «da der Klimawandel auch hier zu steigenden Temperaturen und veränderten Niederschlagsmustern führt.»

Ob sich der in der Studie gezeigte Effekt bei Schweizer Salmonella-Isolaten tatsächlich in gleicher Form zeige und ob einzelne Tierarten stärker betroffen wären als andere, lasse sich hingegen nicht sagen. Das BLV betont zudem, dass der Klimawandel nur einer von mehreren Faktoren sei, die zur Ausbreitung resistenter Keime beitragen – «insbesondere auch der unsachgemässe Einsatz von Antibiotika» spiele eine wichtige Rolle.

Auch zur Frage, ob eher Geflügel- oder eher Rinder- und Schweinehaltende betroffen wären, bleibt das Amt zurückhaltend: Eine klare Zuordnung sei aus heutiger Sicht nicht möglich.

Interessant ist der Blick auf die bestehenden Schweizer Überwachungssysteme. Über das Programm Arch-Vet, das den Antibiotikaverbrauch und die Resistenzlage bei Tieren erfasst, und Anresis, das entsprechende Daten beim Menschen sammelt, beobachtet das BLV laufend die Resistenzentwicklung. Camenisch schreibt dazu: «Was wir sehen, ist, dass in der Schweiz viele Resistenzen bei Tieren rückläufig sind, andere resistente Keime treten in den letzten Jahren vermehrt auf.» Auch hier gelte: Der Klimawandel sei nicht der einzige mögliche Grund für eine solche Zunahme.

Was das für den Stall bedeutet

Konkret für die Praxis verweist das BLV auf die bekannten Grundsätze der Infektionsprophylaxe – Biosicherheit, Hygiene, sorgfältige Bestandesbetreuung – und hällt fest, dass diese mit zunehmenden resistenten Keimen noch wichtiger würden.

Zum Thema Hitze im Stall äussert sich Sarah Camenisch differenziert: Hitzestress könne, wie jede Form von Stress, die Tiergesundheit und das Tierwohl beeinträchtigen. Es sei deshalb schon heute zentral, Tiere vor Hitze zu schützen – «mittels Stallklima, Lüftung, Beschattung und Haltungssystemen». Entscheidend sei das Zusammenspiel von Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftbewegung, Sonneneinstrahlung, Stallbau und Management. Als konkrete Massnahmen nennt sie eine angepasste Fütterung, gute Luftzirkulation, regelmässige Tierkontrollen sowie das Vorverlegen der Weidezeiten auf die Nacht oder die frühen Morgenstunden.

Ob das Thema Klima künftig fest in der «Strategie Antibiotikaresistenzen» (StAR) des Bundes verankert wird, ist laut BLV noch offen. Zentral bleibe der sachgemässe Einsatz von Antibiotika, ergänzt durch Biosicherheits- und Infektionspräventionsmassnahmen. Ob der Klimawandel darin künftig ausdrücklich berücksichtigt wird, sei «nicht entschieden».

Forschung zu Hitze bei Schweinen und Geflügel läuft

Dass das BLV das Thema Hitze und Tiergesundheit nicht auf die leichte Schulter nimmt, zeigt ein zweites, laufendes Forschungsprojekt: «Auswirkungen des Klimawandels auf Gesundheit von Mensch und Tier», das BAG und BLV gemeinsam im Rahmen des Programms NCCS-Impacts leiten. Das Projekt ist in vier Module gegliedert. Im zweiten Modul erheben Forschende Daten zum Stallklima und zum Verhalten von Schweinen und Geflügel, um Indikatoren für Hitzestress zu identifizieren und wirksame Kühlstrategien zu prüfen.

Camenisch bestätigt: Die Ergebnisse zu den Auswirkungen von Hitze auf Schweine und Geflügel würden voraussichtlich gegen Ende dieses Jahres vorliegen. Ein drittes Modul untersucht, wie sich veränderte klimatische Bedingungen auf das Risiko für Pilzwachstum und Mykotoxine in Lebensmitteln auswirken – auch dazu werden im Herbst 2026 Resultate erwartet.

Bereits abgeschlossen ist das erste Modul zu Hitzerisiken beim Menschen, aus dem unter anderem ein Webtool zur Abschätzung von Notfallkonsultationen in Spitälern während Hitzeperioden entstanden ist. Für die Landwirtschaft dürfte vor allem Modul 2 in den kommenden Monaten an Bedeutung gewinnen.

Die Grössenordnung im Blick behalten

Der Zoonosenbericht 2025 zeigt auch, dass lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche insgesamt zugenommen haben: 72 wurden 2025 gemeldet, deutlich mehr als die 37 bis 43 Fälle pro Jahr, die seit 2021 üblich waren. Am häufigsten waren dabei Ansteckungen mit Campylobacter, Salmonellen und dem Shigatoxin-bildenden Escherichia coli (STEC).

Das BLV ordnet diesen Anstieg allerdings nicht in erster Linie als Verschlechterung der Lage ein, sondern als Folge einer besseren Sensibilisierung der kantonalen Behörden, die seit 2019 gezielt für die Meldung solcher Ausbrüche geschult werden.

Für Tierhaltende bleibt das Fazit nüchtern: Salmonellen sind kein neues Problem, aber ein hartnäckiges. Der Klimawandel könnte eine zusätzliche Komponente sein, wie stark, ist heute wissenschaftlich noch nicht geklärt. Wer schon jetzt konsequent auf Biosicherheit, Stallhygiene und Hitzeschutz setzt, reduziert das Risiko unabhängig davon, was künftige Studien noch zeigen werden.

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