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Legehennenhalter Marc Keller zieht seine Junghennen selbst auf

Die Aufzucht bildet die Grundlage für gesunde und leistungsfähige Tiere. Landwirt Marc Keller zieht seine Junghennen seit über 10 Jahren selbst auf und berichtet über seine Erfahrungen.

Kurz & bündig

- Landwirt Marc Keller hält auf seinem Betrieb 12'000 Legehennen und zieht alle seine Junghennen seit über 10 Jahren selbst auf.
- Die Phasenfütterung, ein angepasstes Lichtprogramm und das Einhalten des Impfprogramms sieht er als entscheidende Faktoren für gesunde und leistungsfähige Tiere.
- Durch die Aufzucht auf dem Betrieb gestaltet sich das Umstallen flexibler und ist mit weniger Stress für die Junghennen verbunden.

Einige Köpfe blicken neugierig vom Stall in den neu geöffneten Aussenklimabereich. Die mutigsten Tiere setzen vorsichtig ihre ersten Schritte nach draussen, picken in die Einstreu und beobachten aufmerksam ihre neue Umgebung. Es ist der erste Tag, an dem die 8 Wochen alten Junghennen den Aussenklimabereich erkunden dürfen.

Seit dem Jahr 2015 zieht Landwirt Marc Keller aus Freimettigen BE alle seine Legehennen selbst auf. Der damals neu gebaute Junghennenstall bietet Platz für 6500 Tiere. Jährlich werden zwei eigene Junghennenherden aufgezogen. Der Legehennenstall bietet Platz für 12 000 Tiere, die im Jahresumtrieb gehalten werden.

Die Tiere werden als Eintagsküken eingestallt

Die Tiere kommen als Eintagsküken auf den Betrieb von Marc Keller. Am Sonntag und in der Nacht von Sonntag auf Montag geschlüpft, werden sie in der Regel am Montag im Aufzuchtstall eingestallt. Die Küken bezieht er über die Firma Wüthrich Geflügel AG von der Brüterei Animalco AG. Dabei setzt er seit gut drei Jahren auf die Rasse LSL-Lite (LSL = Lohmann Selected Leghorn). «Die Eigewichte sind etwas tiefer, dafür sind die Tiere sehr effizient, zum Beispiel was die Futterverwertung angeht», so Marc Keller. Zudem komme Zehenpicken weniger vor, seit er auf die Rasse LSL-Lite setze.

Die 8 Wochen alten Junghennen dürfen erstmals den Aussenklimabereich erkunden.
Die 8 Wochen alten Junghennen dürfen erstmals den Aussenklimabereich erkunden.

Im Junghennenstall, der auf 36 Grad geheizt ist, bleiben die frisch eingestallten Tiere zunächst auf der Voliere und die Anflugroste sind noch runtergeklappt. «Die Küken müssen möglichst schnell lernen, zu fressen und zu trinken», sagt Marc Keller.

Ab der 2. bis 3. Alterswoche (AW) werden die Volieren geöffnet und die Küken erhalten Zugang zum gesamten Innenbereich des Stalls. In dieser Zeit fährt Marc Keller die Stalltemperatur kontinuierlich herunter, bis in der 7. AW eine Temperatur von 20 ° C erreicht ist.

Zu einem späteren Zeitpunkt erhalten die Tiere Zugang zum Wintergarten. Ab der 7. AW dürfen sie diesen ab 16 Grad und ab der 10. AW ab 10 Grad Aussentemperatur nutzen. «Die Tiere müssen ihre eigene Körperwärme behalten», so Marc Keller.

Phasenfütterung und Rohfaserversorgung sind essenziell

Die Tiere erhalten zu Beginn schmackhaftes Kükenstarterfutter, das sehr reich an Energie und Rohprotein ist. Es hilft, die Entwicklung der Tiere möglichst schnell voranzutreiben. Sie erhalten das Futter über die Fütterungsanlage und zusätzlich in Schalen.

Ist die Gesamtmenge von 3 Tonnen aufgebraucht, erfolgt die Umstellung auf Kükenfutter. Zwischen der 8. und der 9. AW beginnt die Umstellung auf Junghennenfutter. Um zu verhindern, dass die Tiere verfetten, enthält das Futter weniger Energie und Rohprotein. Besonders wichtig ist eine ausreichend hohe Versorgung an Kalzium, Phosphor und Vitaminen, da sich vor allem das Skelett in diesem Alter noch stark entwickelt.

Das Futter enthält zudem einen höheren Anteil an Rohfasern. Ausreichend Rohfasern sind wichtig, um die Nährstoffaufnahme zu optimieren wie auch den Muskelmagen zu trainieren, damit die Tiere später als Legehennen genügend Futter aufnehmen können. Zusätzliche Rohfasern stellt Marc Keller durch Stroh und Heu oder Luzerneballen zur Verfügung.

Neben der Rohfaserversorgung dienen das Heu und das Stroh auch als Beschäftigung. Denn genügend Beschäftigung ist wichtig, damit die Junghennen ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben können. Das hilft, um Langeweile, Stress und somit auch Verhaltensstörungen wie Feder- oder Zehenpicken vorzubeugen.

«Die Junghennen sollen in der Einstreu immer etwas finden, was spannend ist, damit sie ausreichend scharren und picken können», sagt Keller. Er bietet den Tieren abwechslungsweise Beschäftigungsmaterial wie Picksteine, PET-Flaschen und kleine Heuballen an. Auch Körner bekommen die Tiere regelmässig.

Ende der 17. AW erhalten die Tiere Vorlegefutter, das noch mehr Kalzium als das Junghennenfutter enthält. Ab der 20. AW stellt Keller auf Legehennen-Starterfutter um. «Die Phasenfütterung ist bei der Junghennenaufzucht entscheidend, um die unterschiedlichen Nährstoffbedarfe in den verschiedenen Entwicklungsphasen zu decken», so Keller.

Landwirt Marc Keller weiss durch die langjährige Erfahrung mittlerweile genau, was es für gesunde und leistungsfähige Legehennen braucht.
Landwirt Marc Keller weiss durch die langjährige Erfahrung mittlerweile genau, was es für gesunde und leistungsfähige Legehennen braucht.

Mit dem Lichtprogramm die Junghennen erziehen

Die richtige Steuerung des Lichtprogramms ist ein weiterer wichtiger Punkt bei der Junghennenaufzucht. «Mit dem Licht können wir die Junghennen bei Bedarf ‹jagen›, aber auch wieder bremsen», sagt Marc Keller.

In den ersten 24 Stunden nach dem Einstallen ist das Licht die gesamte Zeit an, da die Küken sich in erster Linie an den Stall gewöhnen und genügend Zeit haben sollen, um zu fressen und zu trinken. Danach sinkt die Tageslichtdauer bis in die 14. AW auf 10 Stunden pro Tag.

Ab der 18. AW wird die Lichtdauer wieder erhöht. Im Legehennenstall wird diese dann schrittweise wieder auf 15 Stunden erhöht, wodurch die Lichtdauer dem Legebeginn der Tiere angepasst wird. Die Junghennen sollen nicht im Aufzuchtstall mit dem Legen beginnen. Damit das nicht passiert, muss die Entwicklung der Herde genau beobachtet werden und die Lichtsteuerung bei Bedarf angepasst werden. «Eine Frühlingsaufzucht entwickelt sich in der Regel zum Beispiel schneller als eine Winteraufzucht», weiss Marc Keller aus Erfahrung. Auch die Zeitzone habe einen Einfluss.

Durch die Lichtsteuerung werden die Junghennen ausserdem trainiert, abends auf die Voliere schlafen zu gehen. Deswegen ist es wichtig, dass das Licht vom Boden her gedimmt wird und die Tiere sich nach dem oberen Deckenlicht richten. Zudem sollen sie genügend Zeit haben, um auf die Voliere zu gelangen. «Unser Ziel ist es, dabei nie ein Huhn in die Hände zu nehmen», sagt Keller.

Die heruntergeklappten Anflugroste erleichtern den Junghennen den Zugang zu den verschiedenen Volierenebenen.
Die heruntergeklappten Anflugroste erleichtern den Junghennen den Zugang zu den verschiedenen Volierenebenen.

Die Tierbeobachtung ist phasenbedingt

Die Junghennen erfordern eine gute und regelmässige Tierbeobachtung. «Die Tierbeobachtung ist sehr phasenbedingt. In den ersten 4 bis 5 Wochen nach dem Einstallen ist sie sehr wichtig, da gehen wir täglich bis zu 4-mal in den Stall, um nach den Küken zu schauen», sagt Marc Keller.

Auch zwischen der 13. und der 14. AW müssen die Tiere besonders gut im Auge behalten werden, da in dieser Zeit bei den Tieren der Federkleidwechsel stattfindet und Federpicken ein Problem werden könnte. Für die Betreuung und die anschliessende Stallreinigung/-desinfektion fällt pro Umtrieb eine totale Arbeitszeit von rund 500 Stunden an.

Die Abgänge sind bei den Junghennen von Marc Keller mit 0,5 bis 1 % verhältnismässig tief. «Die Phasenfütterung, ein angepasstes Lichtprogramm sowie das Einhalten des Impfprogramms sind für mich entscheidende Faktoren für gesunde und leistungsfähige Hennen», sagt der Landwirt.

Die Waage gibt Auskunft über die Uniformität der Herde.
Die Waage gibt Auskunft über die Uniformität der Herde.

Neben der Tierbeobachtung setzt Marc Keller im Junghennenstall zudem eine Waage als Kontrolle ein, die bis zu 1500 Messungen pro Tag macht. «Durch die Waage sehe ich, wie schwer die Tiere sind, aber auch, wie uniform die Herde ist», erklärt er. Die Uniformität zeigt, wie gleichmässig das Körpergewicht der Tiere innerhalb einer Herde ist. Je jünger die Hennen sind, desto tiefer ist die Uniformität. Am Ende der Aufzucht sollte die Uniformität mindestens bei 96 bis 98 % liegen. Eine hohe Uniformität zeigt, dass alle Tiere optimal versorgt sind, und sie ist entscheidend für eine stabile Legeleistung.

Flexible Planung und wenig Stress für die Tiere

In der 19. AW zügeln die Junghennen in den Legehennenstall. Die Zeit des Umstallens ist sehr zeitintensiv, da die Leerzeit des Legehennenstalls meistens nur eine Woche beträgt. In dieser Woche muss der gesamte Stall gereinigt und desinfiziert werden. Auch allfällige Reparaturen müssen in dieser Zeit erledigt werden. «Dafür gibt es einen reibungslosen Übergang und der Ausfall ist gering», ergänzt Marc Keller.

Aktuell zieht Keller jährlich zwei Herden Junghennen für seinen eigenen Betrieb auf. «Ab diesem Sommer möchten wir eine zusätzliche Herde Junghennen für einen anderen Legehennenbetrieb aufziehen», erzählt er.

Mit dem zusätzlichen Umtrieb verlängert sich auch die Nutzungsdauer seiner Legehennen von 12 auf 14 Monate. Nur so ist es zeitlich möglich, einen zusätzlichen Umtrieb durchzuführen. Daran zeigt sich, dass die Planung der Aufzucht sowie jene der Legephase gut aufeinander abgestimmt sein müssen. «Wir planen 1,5 Jahre im Voraus, bis ein Huhn das erste Ei legt», verdeutlicht Keller.

Auch was das Tierwohl angeht, gibt es Vorteile, die Junghennen selber aufzuziehen. «Die Junghennen haben sehr kurze Transportwege, kennen die Betreuungspersonen und auch das Futter. Das Einzige, was sich ändert, ist der Stall», sieht Keller als grossen Mehrwert. Das Huhn sei ein Gewohnheitstier, schon kleine Veränderungen könnten herausfordernd sein, so der Landwirt.

Marc Keller weiss durch die langjährige Erfahrung mittlerweile genau, was für gesunde und leistungsfähige Legehennen erforderlich ist. Durch die Aufzucht auf dem Betrieb können Faktoren wie die Fütterung und das Lichtprogramm genau aufeinander abgestimmt werden. «Ein guter Junghennenaufzüchter arbeitet tierorientiert, sieht, was das Tier braucht, und leitet wenn nötig die richtigen Massnahmen ein», fasst Keller zusammen.

Betriebsspiegel der Familie Keller

Marc und Sandra Keller, Freimettigen BE
LN: 17 ha
Kulturen: Kunst- und Naturwiese, Weizen, Gerste
Tierbestand: 12 000 Legehennen, 6500 Aufzuchthennen, 44 Mastrinder
Weitere Betriebszweige: Kottrocknungsanlage zur Herstellung von NPK-Bio-Dünger, Photovoltaikanlage
Arbeitskräfte: Marc und Sandra Keller und diverse Angestellte (insgesamt 8 Vollzeitstellen)
www.keller-agrar.ch