Kurz & bündig
- Landwirt Ueli Gfeller zieht jährlich zwischen 350 und 400 Tränker zu Fressern auf.
- Durch die Einstallung in 2er-Gruppen sowie das eigenständige Abholen der Tränker von den Geburtsbetrieben kann er auf Gruppenbehandlungen mit Antibiotika verzichten.
- Jährlich werden 150'000 kg Vollmilch der eigenen Milchkühe vertränkt.
«Bereits in meiner Kindheit interessierte ich mich stark für die Kälberhaltung. Auch meine Aus- und Weiterbildung richtete ich danach aus. Deswegen war für mich klar, dass ich mich nach der Hofübernahme auf die Kälberhaltung spezialisieren wollte», erzählt Landwirt Ueli Gfeller aus Worb BE.
Ueli Gfeller hat den Betrieb im Jahr 2016 von seinem Vater übernommen. Damals bot der Betrieb Platz für 20 Milchkühe, 10 Mastmuni sowie einige Mastkälber. Seit der Übernahme hat sich einiges verändert: Mit dem Neubau des Milchviehstalls im Jahr 2023 hat sich die Anzahl Milchkühe verdoppelt, zudem werden jährlich 350 bis 400 Tränkekälber zu Fressern aufgezogen.
Alle Tränker werden in 2er-Gruppen eingestallt
Jeden Donnerstag holt Ueli Gfeller die Tränker selbst bei den Geburtsbetrieben ab. Mittlerweile sind es 16 Betriebe, mit welchen er zusammenarbeitet. «Seit 2023/24 sind es jährlich etwa 300 Tränker, welche ich direkt von Betrieben einkaufe. Der Anfang war schwer, doch heute ist das Thema Tränkergesundheit aktuell und die Landwirte sind eher dazu bereit, die Tränker direkt zu verkaufen. So kommt es mittlerweile sogar vor, dass ich Anfragen von Betrieben bekomme, welche mir ihre Tränker verkaufen wollen», sagt Ueli Gfeller. Auch eigene Tränker (im Jahr 2025 waren es 28 Tiere) zieht er zu Fressern auf. Die zusätzlichen Tiere bezieht er über den Handel.
Die Tränker stallt Ueli Gfeller in einem Alter von 30 Tagen und mit einem Gewicht von 70 bis 80 kg ein. Dabei setzt er auf Tiere mit 50 Prozent Mastrassenanteil und Simmentaler. «Als Fresser werden Tiere der Rasse Limousin am meisten nachgefragt», weiss Gfeller aus Erfahrung. Er stallt weibliche und männliche Tiere ein.
Eine grosse Herausforderung ist das Immunloch, in welchem sich die Kälber beim Umstallen befinden. Das eigenständige Abholen trägt viel zu einer guten Tiergesundheit bei. «Meiner Meinung nach befindet sich die Schwachstelle auf dem Sammelplatz, wo alle Tiere zusammentreffen», sagt Gfeller. Holt er die Kälber direkt von den Geburtsbetrieben ab, ist die Durchmischung viel kleiner.
Beim Transport achtet er darauf, dass er zuerst den am weitesten entfernten Betrieb anfährt, damit die Transportwege nicht unnötig verlängert werden. Die Betriebe befinden sich in der Region. Der am weitesten entfernte Betrieb ist in etwa 40 Minuten Fahrzeit erreichbar.
Ein weiterer wichtiger Punkt für eine gute Kälbergesundheit ist ein optimales Klima mit genügend Frischluft. Der neue Kälberstall ist auf allen Seiten offen und kann mithilfe von Windschutznetzen von der Nordostseite her geschlossen werden.
Ueli Gfeller verfolgte bei der Fresseraufzucht von Anfang an das Ziel, keine Gruppenbehandlungen mit Antibiotika durchzuführen. «Da ich die Tränker zu Beginn direkt in 10er-Gruppen eingestallt habe, ist mir das nicht von Anfang an geglückt», so Gfeller.
Seit dem Jahr 2023 werden nun alle Tränker in 2er-Gruppen eingestallt. Dort bleiben sie, je nach Gesundheitszustand und Gewicht, zwei bis vier Wochen und wechseln dann in eine 10er-Gruppe. Nach dem Abtränken kommen sie in den grösseren Gruppenstall, wo sie bis zum Ausstallen bleiben. Dieser Stall ist in zwei Gruppen à 25 und à 38 Tiere unterteilt.
«Seit den Jahren 2023/24 hat sich die Kälbergesundheit stark verbessert. Im Schnitt behandeln wir in den ersten vier Wochen nur jedes fünfte Kalb mit Antibiotika», so Gfeller. Die Abgänge sind mit durchschnittlich 0,5 Prozent sehr tief.

150'000 Kilogramm Milch werden jährlich vertränkt
Bei der Fütterung setzt Ueli Gfeller bei den Tränkern auf Vollmilch seiner Milchkühe. Von den jährlich produzierten 400'000 kg Milch vertränkt er rund 150'000 kg an die Kälber. Die restliche Menge (250'000 kg) liefert er an die Dorfkäserei, wo die Milch zu Pastmilch und Joghurt verarbeitet wird.
Die Milch kann er zu einem konstanten Milchpreis abliefern. Die Menge ist aber beschränkt. Für höhere Ablieferungen würde er einen tieferen Preis bekommen, da überschüssige Milch, welche in der Käserei nicht verarbeitet werden kann, in die Industrie gelangt. Aus diesem Grund macht für ihn das Vertränken der Vollmilch auf dem Betrieb Sinn.
Zu Beginn erhalten die Kälber 8 Liter Milch pro Tag, nach dem Wechsel in die 10er-Gruppen wird die Menge auf 6 Liter verringert. Getränkt wird jeweils zweimal täglich. Dabei hat jedes Tier seinen eigenen, nummerierten Tränkeeimer, der nach jedem Mal Tränken sauber gereinigt wird – eine wichtige Massnahme, um einer Verschleppung der Erreger unter den Tieren vorzubeugen.

Mit dem Einstallen bekommen die Tränker bereits TMR vorgelegt, um sie an die spätere Fütterung zu gewöhnen. Die Futtermischung besteht zu 80 Prozent aus Mais und zu 20 Prozent aus Heu. Ergänzend bekommen die Kälber bis zum Abtränken ein Kälberaufzuchtfutter und zusätzliches Heu. Die Kälber werden innerhalb von acht bis zehn Wochen abgetränkt; in dieser Zeit trinken sie etwa 300 bis 350 kg Milch. Danach erhalten die Tiere bis zum Ausstallen TMR zur freien Verfügung.
Die Fresser werden in einem Alter von rund fünf Monaten und mit einem Gewicht von gut 200 kg ausgestallt und an Ausmastbetriebe verkauft. Einige Fresser liefert Ueli Gfeller direkt an zwei Betriebe in der Region, die anderen werden über einen Händler vermarktet. Da die Tränkerpreise saisonal schwanken, berechnet Ueli Gfeller die Verkaufspreise jeweils anhand der Einstallpreise.
«Zum Zeitpunkt der Hofübernahme im Jahr 2016 war der Milchpreis sehr tief», so Ueli Gfeller. Das hat den Landwirt noch stärker dazu bewogen, sich auf die Fresseraufzucht zu spezialisieren und mehr Milch auf dem Betrieb zu verwerten. «Mit der Fresseraufzucht konnte ich damals die Milchkühe retten», so Gfeller.
Zwei Standbeine auf dem Betrieb erhalten
Die Milchkühe sind für Ueli Gfeller heute ein wichtiges zweites Standbein. «Auch bei den Fressern könnte sich die wirtschaftliche Lage immer verändern. Deswegen habe ich mich auch dazu entschieden, den Milchviehstall zu erneuern, als dieser baufällig wurde», sagt Ueli Gfeller.
Für gewisse Betriebe kann die Aufzucht von Fressern eine Möglichkeit sein, mehr Milch auf dem Betrieb zu verwerten, gerade hinsichtlich der Schwankungen des Milchpreises.
Grundsätzlich sind die betrieblichen Anforderungen für die Fresseraufzucht nicht sehr gross: Es braucht Platz und einen Stall dazu. «Damit die Tiergesundheit im Griff behalten werden kann, sind die Anforderungen an den Betriebsleiter aber sehr gross. Man darf auch nicht vergessen, dass ein gutes Klima sehr wichtig ist für die Kälber», das sieht der Landwirt als besonders wichtigen Punkt. Auch ist es immer ein Abwägen der aktuellen Preise und des Aufwands.
«Die Spezialisierung der Betriebe hat ihre Gründe. Letztlich ist es wichtig, dass die Professionalität nicht verloren geht», schlussfolgert Gfeller.

Betriebsspiegel der Familie Gfeller
Ueli und Pia Gfeller, Worb BE
LN: 23 ha
Kulturen: Kunst- und Naturwiese, Mais, Gerste, Futterweizen
Tierbestand: 42 Milchkühe, 150 Fresseraufzuchtplätze (jährlich 350 bis 400 Tiere)
Arbeitskräfte: Ueli und Pia Gfeller, Eltern von Ueli Gfeller, zwei Angestellte (80 % und 30 %)

