Das Ressourcenprojekt Klimastar Milch von Nestlé, Emmi, Aaremilch, ZMP und AgroCleanTech soll Erkenntnisse dazu liefern, wie die Schweizer Milchwirtschaft klimafreundlicher und ressourceneffizienter werden kann.
Ein Augenmerk gilt dabei der Nahrungsmittelkonkurrenz: Verfüttert werden soll möglichst nur, was sich nicht direkt für die menschliche Ernährung eignen würde. Die 219 teilnehmenden Milchbetriebe haben die Zielmarke von 20 Prozent Reduktion der Nahrungsmittelkonkurrenz bis 2027 schon 2026 um drei Prozent übertroffen – vermehrt kommen Nebenprodukte aus der Lebensmittelindustrie zum Einsatz.
40 Kühe mit knapp 10 000 Litern Milch
Wie sich das umsetzen lässt, weiss Markus Gisler. Der Landwirt aus Gunzwil LU setzt mehrere Nebenprodukte als Einzelkomponenten ein und hat verschiedene ausprobiert. Während der Teilnahme an Klimastar Milch – aber ohne Zusammenhang mit dem Ressourcenprojekt – hat der Landwirt von Käserei- auf Silomilchproduktion umgestellt.
Seitdem nutzt er einen Mischwagen. «Das sehe ich als Grundvoraussetzung, um einzelne Nebenprodukte einsetzen zu können», erklärt Gisler. Er hält 40 Kühe (fast alles Holstein), der Stallschnitt liegt bei knapp 10 000 Litern Milch.
Beim Biertreber war das Handling schwierig
Von Klimastar Milch gibt es eine Liste mit 42 möglichen Nebenprodukten, von Apfeltrester bis Zuckerrübenschnitzel. Die hat Markus Gisler konsultiert und anschliessend mit einem Fütterungsberater besprochen, was sinnvoll und praktisch wäre. «Sehr interessant finde ich Biertreber, aber das Handling wäre für mich ohne Hoflader schwierig», sagt der Luzerner.
Ein Mühlennachproduktegemisch (MNG) hat er auch ausprobiert, es schimmelte aber im Silo. «Vielleicht habe ich einfach Pech gehabt mit dem Posten», bemerkt Gisler. Zuckerrübenschnitzel wären bestellt, aber er rechnet aufgrund der hohen Nachfrage und der Knappheit in diesem Jahr kaum damit, beliefert zu werden. In normalen Jahren setzt er stattdessen auf Mais.
Unterschiedlich in Preis und Form
Heute verfüttert Markus Gisler drei Nebenprodukte: Rapsextraktionsschrot, Sonnenblumenextraktionsschrot und Malzkeime. Hinzu kommt Futterharnstoff. Das Extraktionsschrot sei preislich interessant. Er kombiniert es mit Maiskleber als Quelle für pansenstabiles Eiweiss.
«Malzkeime sind quasi das Pendant zu Biertreber, sind aber getrocknet in Würfelform und stammen aus dem Ausland», erläutert der Landwirt. Sie gelten als Eiweissfutter mit hohem Mineralstoffgehalt und liefern zusätzlich Rohfasern. Gisler füttert seinen Milchkühen 3 kg/Tag davon. Gerade in Zeiten der Futterknappheit ist er froh über Malzkeime, da sie – im Gegensatz zu zugekauftem Heu – einen sicheren Nährstoffgehalt aufweisen und preislich mit dem Dürrfutter mithalten können.
Die Nebenprodukte ergänzt der Landwirt mit Maissilage als Energieträger sowie einem normalen TMR-Mineralstoff und mischt alles zu einer TMR. «Den grössten Teil machen am Ende Gras und Mais aus, da spielt die Schmackhaftigkeit der Nebenprodukte keine grosse Rolle», so seine Einschätzung. Für seine Kraftfutterstation hingegen hat er ein normales Leistungsfutter gewählt, das in kleinen Mengen zum Einsatz kommt.
Einzelkomponenten sind günstiger als fertige Mischungen
Durch die Reduktion der Nahrungsmittelkonkurrenz auf seinem Betrieb kann Markus Gisler gut vom wirkungsorientierten Prämienmodell bei Klimastar Milch profitieren. «Wirtschaftlich geht das klar auf für mich», sagt er.
Solange die Verfügbarkeit gegeben sei, wäre das auch ohne Projektprämie der Fall – zumal der Landwirt die Nebenprodukte als Einzelkomponenten kauft: «Das ist generell günstiger als fertiges Mischfutter.» Voraussetzung bleibt der eigene Mischwagen.
Durch die Verwendung von Einzelkomponenten braucht Gisler jedoch auch mehr Silokapazität – und natürlich ist der Aufwand grösser, wenn man mehrere Komponenten beimischen muss.

«Wirtschaftlich geht das klar auf für mich.»
«Die nötige Menge wäre kaum verfügbar»
Beim Ausrollen der Verfütterung von Nebenprodukten auf die ganze Schweiz stellen sich dem Landwirt allerdings einige Fragezeichen. «Die nötige Menge wäre wohl kaum verfügbar», gibt er zu bedenken.
Ausserdem ist die Definition, was als Nebenprodukt gelten soll, nicht ganz einfach. Sojaextraktionsschrot steht beispielsweise nicht auf der Liste von Klimastar Milch. Nach Projektende möchte Markus Gisler wieder Sojaextraktionsschrot einsetzen und die Wirkung auf die Milchleistung seiner Kühe beobachten.
Den Effekt seiner bisherigen Futteränderung auf Milchmenge und -gehalte zu beurteilen, fällt ihm schwer. Denn seit der Umstellung auf Silomilch hat er auch den Maisanteil erhöht und produziert generell intensiver.
Gut investiertes Geld für die Fütterungsberatung
Durch die Nebenprodukte steht Markus Gisler in engem Kontakt mit seinem Fütterungsberater. «Das sind ja alles Eiweisskomponenten, aber man muss auf die unterschiedlichen Pansenpassageraten achten – also ob die Proteine schnell oder erst später verfügbar sind», schildert er.
Weiter sei die unterschiedliche Aminosäurenzusammensetzung der Proteinfuttermittel zu berücksichtigen. Da könne man schon etwas falsch machen. Daher macht Gisler jeweils einen Vorschlag, welches Nebenprodukt er interessant fände, und bespricht mit dem Berater, wie viel davon in der Ration möglich wäre.
Diese Beratung schlägt für den Luzerner mit 600 Franken pro Jahr zu Buche. «Das ist kein Betrag, wenn dafür die Fütterung stimmt», findet er. Gisler ist froh, eine unabhängige Fachperson beiziehen zu können.
Zwischenfutter von Nachbars Flächen
Mit Nebenprodukten in der Ration sinkt ausser der Nahrungsmittel- auch die Flächenkonkurrenz, da diese Produkte nicht gezielt zu Futterzwecken angebaut werden. Markus Gisler sät ausserdem schnell wachsendes Zwischenfutter nach der Getreideernte auf zwei Nachbarbetrieben.
Denn seine eigenen 18 ha LN – die er mit Natur- und Kunstwiesen sowie Silomais bewirtschaftet – gelten trotz Hügelzone mehrheitlich als ackerfähig. Das bedeutet, dass Klimastar Milch auf diesen Flächen die Konkurrenz als hoch einstuft, weil im Prinzip Kulturen für die direkte menschliche Ernährung produziert werden könnten.
«Im Herbst gibt es von dem Zwischenfutter noch einen moderaten Schnitt und dann etwas mehr im Frühling», schildert Gisler. Ohne die nachbarschaftliche Absprache würden Gründüngungen gesät. So gewinnt er Grundfutter zwischen zwei ackerbaulichen Hauptkulturen. In einem guten Jahr gehe das auch finanziell gut auf – heuer weniger, da das Zwischenfutter aufgrund der Trockenheit zum Teil zweimal gesät werden musste.
Zurück zu Rübenschnitzeln, dafür weniger Mais

Luzi Etter hat bereits früher Zuckerrübenschnitzel verfüttert, danach eine Weile lang nur auf Maissilage aus eigenem Anbau gesetzt und ist mit dem Projekt Klimastar Milch zu den Rübenschnitzeln als Energielieferant im Futter zurückgekommen. «Das PME-PMN-Verhältnis passt besser zu unserer normalen Ration», sagt er.
Luzi und Regula Etter führen den Wydihof in Unterseen BE. In ihrem Stall stehen 37 Kühe der Rassen Fleckvieh und neuseeländische Holstein, der Betrieb ist bio-zertifiziert. Etters Ration besteht in erster Linie aus Gras. Nach der saisonalen Abkalbung im Januar/Februar stehen die Kühe ab März auf der Weide.
«Grassilage legen wir mit dem Ballenauflöser vor, Maissilage und Zuckerrübenschnitzel mit einer kleinen Garette», beschreibt der Berner die Winterfütterung. Auf die Ergänzung mit Kraftfutter wird verzichtet, da es für Etters Herde nicht notwendig und vergleichsweise teuer ist. Ein Mischwagen wäre für ihn angesichts des hohen Weideanteils kaum auszulasten. Zumal ein Teil der Kühe noch gealpt wird.
Effekt schwer abschätzbar
Die Mengen Maissilage und Zuckerrübenschnitzel auf dem Biobetrieb sind klein: «Wir füttern etwa 2 kg TS pro Kuh in der Startphase», beschreibt Luzi Etter. Pro Jahr kauft er etwa einen Lastenzug à 20–22 Ballen silierter Bio-Zuckerrübenschnitzel. Das sei nicht günstig, räumt er ein. «Eine Balle kostet etwa 230 Franken.»
Aber die Mengen sind wie erwähnt klein, der Futterwert passt und der Bio-Landwirt macht gute Erfahrungen mit den Schnitzeln. Auch wenn er nicht sagen könnte, ob die leichte Futteranpassung einen Effekt auf die Milchleistung seiner Tiere hatte. «Wir haben generell keine sehr hohen Milchleistungen. Ausserdem fällt der Einsatz der Zuckerrübenschnitzel damit zusammen, dass wir zwei Drittel der Tiere über den Sommer zuhause behalten und nicht mehr alle alpen», gibt er zu bedenken. Auf dem Heimbetrieb gäben die Kühe automatisch mehr Milch als auf der Alp.
Einige ältere Kühe in Etters Stall kannten Zuckerrübenschnitzel noch von früher und frassen sie direkt gerne. «Die anderen mussten sich erst daran gewöhnen», erzählt der Berner. Nach ein paar Wochen seien aber auch diese Tiere auf den Geschmack gekommen.
Höhere Effizienz in der Produktion erreicht
Mit dem Ersatz eines Teils der Maissilage durch Zuckerrübenschnitzel musste Luzi Etter keine weiteren Anpassungen der Ration vornehmen. «Wir geben konsequent etwas Mineralstoff für Spurenelemente und Phosphor. Mit Calcium sind wir im Grundfutter gut abgedeckt», sagt er. Eine Beratung hat er nicht in Anspruch genommen, sondern die Gehälter zusammen mit seiner Frau durchgerechnet.
Wie Markus Gisler haben auch Luzi und Regula Etter im Rahmen von Klimastar Milch die Flächenkonkurrenz ihrer Milchproduktion reduziert. Dazu haben die Zuckerrübenschnitzel beigetragen. «Die Effizienz ist auch gestiegen, durch die höhere Milchleistung ohne Alpung», ergänzt der Bio-Landwirt. Die Flächenkonkurrenz variiere allerdings auch je nach Jahr, abhängig von den Erträgen im Futterbau.

