Frische Eier aus dem eigenen Stall, morgens noch warm – das hat etwas Zeitloses. Wer heute ein paar Hennen im Garten hält, knüpft an eine Tradition an, die weit zurückreicht. Die Geflügelhaltung war die Domäne der Bäuerin: Sie versorgte die Familie mit Eiern, sie entschied über die Tiere, sie wirtschaftete mit dem, was der Hühnerstall abwarf.
Dann kam, innerhalb weniger Jahrzehnte, die industrielle Transformation und mit ihr verschwand die Henne nach und nach aus dem bäuerlichen Hinterhof.
Wie der Hühnerstall zur Männerdomäne wurde
Wie das genau geschah, hat Peter Moser nachgezeichnet. Der Historiker leitet das Archiv für Agrargeschichte und schrieb 2023 in der BauernZeitung unter dem Titel «Revolution im Hühnerstall – wie die Geflügelhaltung zur Männerdomäne wurde»: Noch 1955 ass man in der Schweiz 1,7 Kilogramm Geflügelfleisch pro Kopf und Jahr.
1973 waren es 7,5 Kilogramm, heute rund 15. Die Hühnerhaltung, einst Sache der Bäuerin und auf Selbstversorgung ausgerichtet, wurde zur spezialisierten, kapitalintensiven Branche – und vor allem eines: zur Männerdomäne.
Dass mit Eiern Geld zu verdienen ist, wissen Migros, Coop und die grossen Geflügelkonzerne nur zu gut. Was die Bäuerin im Garten hält, ist etwas anderes: kein Businessplan, kein Label, keine Produktionseinheit. Aber vielleicht genau deshalb etwas, das sich lohnt.
Schätzungsweise 70 000 private Hühnerhaltungen gibt es in der Schweiz, und es werden mehr. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hat zusammen mit dem Schweizer Tierschutz STS einen Ratgeber herausgegeben, der beim Einstieg hilft. Denn schön ist die Hühnerhaltung allemal. Einfach ist sie aber nicht.
Mindestens drei, besser mehr
Hühner sind Herdentiere. Wer glaubt, mit einer einzigen Henne glücklich zu werden, irrt – und handelt auch gesetzwidrig. Mindestens drei Tiere braucht es, damit eine stabile Rangordnung entstehen kann. Ohne diese gibt es ständig Unruhe in der Gruppe. Neue Tiere lassen sich am besten nachts in den Stall setzen, und wenn immer möglich gleich zwei auf einmal – so konzentrieren sich allfällige Auseinandersetzungen nicht auf ein einziges Tier.
Wer ausgemusterte Legehennen aus kommerzieller Produktion übernehmen möchte, sollte wissen: Diese Tiere haben in ihrer ersten Produktionsphase fast täglich ein Ei gelegt, das zehrt.
Sie brauchen Zeit und Geduld, um sich an eine kleine Gruppe und eine neue Umgebung zu gewöhnen. Der Schweizer Tierschutz STS berät und begleitet bei der Übernahme solcher Tiere.
Platz, Licht, Luft und ein Nest
Ein Hühnerstall ist mehr als eine Holzkiste mit einem Loch. Laut BLV braucht ein guter Stall vier Bereiche: Fressen, Scharren, Eierlegen, Schlafen. Für drei bis sechs Tiere gilt als Minimum eine Bodenfläche von zwei Quadratmetern bei 1,8 Metern Höhe.
Wer ein Fertiggehege kauft, sollte die gesetzlichen Anforderungen kennen – viele handelsübliche Modelle erfüllen sie nicht.
Zur artgerechten Haltung gehört eine überdachte Voliere als Puffer zwischen Stall und Weide, mit Scharrmöglichkeit und Schutz vor Regen. Neun Quadratmeter Volierenfläche haben sich für drei bis sechs Tiere bewährt.
Die angrenzende Weide sollte mindestens zehn Quadratmeter pro Huhn bieten, mit Sträuchern oder Unterständen – Deckung vor Fuchs und Greifvogel. Die Nester, mindestens eines pro fünf Tiere, sollen abgedunkelt und auf drei Seiten geschlossen sein. Hennen legen lieber dort, wo sie sich sicher fühlen.
Was ins Futter kommt und was nicht
Hühner sind Allesfresser, aber das bedeutet nicht, dass man ihnen alles geben darf. Das BLV empfiehlt ein Alleinfutter für Legehennen als Hauptration, ergänzt durch Steinchen und Muschelschalenschrot für den Muskelmagen.
Körner lassen sich abends einstreuen – das lockt die Tiere zuverlässig in den Stall. «Küchenabfälle nur in kleinen Mengen, niemals Fleisch, kein Brot, keine Teigwaren», so das BLV.
Was wie ein harmloser Snack klingt, kann die Verdauung aus dem Gleichgewicht bringen oder, im Fall von Fleischresten, echte Seuchenrisiken tragen.
Die rote Vogelmilbe
Wer Hühner hält, wird früher oder später auf sie treffen. Die rote Vogelmilbe wird von Wildvögeln übertragen, versteckt sich tagsüber in Stallritzen und saugt nachts das Blut der schlafenden Tiere.
Erste Warnsignale: Die Hühner wollen abends nicht in den Stall. Apathische Tiere mit blassen Kämmen sind ein ernstes Alarmzeichen – starker Befall kann zu Blutarmut führen. Ein doppeltes Klebeband unter den Sitzstangen hilft bei der Diagnose.
Bestätigt sich der Verdacht, muss der Stall gründlich gereinigt und danach mit Kieselsäurepräparaten behandelt werden, die auch im Biobetrieb erlaubt sind.
Registrierung nicht vergessen
Was viele nicht wissen: Jede Hühnerhaltung muss laut Tierseuchenverordnung bei der kantonalen Koordinationsstelle gemeldet sein. Der Veterinärdienst braucht diese Angaben, um bei Seuchenausbrüchen rasch reagieren zu können. Die zuständigen Stellen und weitere Informationen: huehnerrichtighalten.ch