Wenn Kühe nicht brünstig werden, greift der ein oder andere Rinderhalter auf die Spirale zurück. Diese verhilft, den Zyklus wieder in Gang zu bringen. Bei der nächsten Besamung erhofft man sich, dass das Tier wieder trächtig wird. Doch nicht immer ist die Besamung erfolgreich. Woran liegt das?
Zysten verhindern den Zyklus
Wenn eine Kuh nicht stierig wird, liegt es häufig daran, dass die Eierstöcke ruhen oder Zysten vorhanden sind. Letztere entstehen durch einen Hormonmangel. «Zysten werden bei Kühen beobachtet, die viel Milch geben und besonders am Anfang der Laktation häufig noch nicht genügend Energie aufnehmen. Beides führt dann dazu, dass die verantwortlichen Hormone für den Eisprung nicht in ausreichender Menge gebildet werden», erklärt Veterinärmedizinerin Maren Feldmann von der Rindergesundheit Schweiz. Wenn der Eisprung hormonbedingt ausfällt und die Eizelle im Eierstock verbleibt, entsteht dann eine sogenannte Follikel- bzw. Bläschenzyste auf dem Eierstock. «Diese ist anatomisch fühlbar und etwa so gross wie ein Ei.»

Wird die Spirale mit dem Hormon Progesteron aufgelegt und nach einer gewissen Zeit gezogen, fällt der Hormonspiegel plötzlich rasant ab – ein Zeichen für den Körper, sofort wieder mit der eigenen Hormonproduktion anzufangen, wodurch die Eierstöcke aktiviert werden. In der Regel verschwinden dadurch die Zysten wieder und die Kuh wird brünstig, führt sie weiter aus.
Funktion der Spirale
Während der Verweildauer in der Vagina wird das Hormon Progesteron (in der Spirale) laufend abgegeben. Es unterdrückt zunächst den Zyklus, indem es die Freisetzung des luteinisierenden Hormons (LH) hemmt, was für den Eisprung zuständig ist. Nach der Spiralentnahme nach sieben Tagen fällt der Progesteronspiegel drastisch ab. Das verleitet den Körper dazu, wieder mit der körpereigenen Hormonproduktion zu beginnen, welche den Zyklus der Kuh vorantreiben – das Tier wird stierig und eine Besamung kann erfolgen.
30 % Chance für eine Trächtigkeit
Danach kann die normale Besamung durchgeführt werden. «Es besteht aber nur etwa eine 30-prozentige Erfolgswahrscheinlichkeit, dass die Kuh nach der Spiralentnahme wieder trächtig wird», so Maren Feldmann.
Auf die Besamung nach der Spiralentnahme sollte aber nicht verzichtet werden, sagt die Tierärztin: «Je nach Tier und Milchleistung sind die Chancen unterschiedlich hoch. Wenn die Kuh richtig stierig ist, dann kann sie auch beim ersten Zyklus tragend werden.» Ansonsten sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Besamung beim nächsten Zyklus, also nach 21 Tagen, erfolgreich ist, versichert sie. Die Besamung kann wie bei einer natürlichen Brunst erfolgen.
Schwache Brunstsymptome werden übersehen
Eine Spirale ist meistens nur sinnvoll, wenn Tiere wirklich keinen Zyklus mehr haben, betont Maren Feldmann. «In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass bei unseren Milchkühen die Dauer der Brunst immer kürzer und die Brunstsymptome schwächer werden. Obwohl in diesen Fällen ein normaler Zyklus läuft, wird die stierige Kuh übersehen.» Will man genau wissen, was mit den Kühen los ist, könne eine Tierärztin durch die gynäkologische Untersuchung feststellen, welches Problem vorliegt und ob die Spirale verordnet werden muss.
Viele Landwirt(innen) würden aber auf die Spiralbehandlung verzichten, wegen der hohen Kosten, die dadurch entstehen. «Man kann besonders zu Beginn der Laktation und bei hohen Milchleistungen auch einfach abwarten, ob das Tier nach dieser Phase von allein zur Brunst kommt. Auch können alternativ sogenannte Releasing-Hormone gespritzt werden, die auf die Hormonausschüttung im Gehirn wirken und das Follikelwachstum am Eierstock anregen», so die Tierärztin. Tritt auch dann keine Brunst ein, empfiehlt Feldmann dies mit dem Tierarzt abzuklären.
Begriffserklärung
Progesteron: Das Schwangerschaftshormon wird im Gelbkörper gebildet. Es stimuliert die Gebärmutter, sich auf eine mögliche Befruchtung vorzubereiten. Gelbkörper: Dieser entsteht im Eierstock nach dem Eisprung aus dem geplatzten Eibläschen (Follikel). Follikel: Der Follikel ist die Hülle der heranreifenden Eizelle im Eierstock. Das Follikelstimulierende Hormon (FSH) bewirkt die Eireifung, das luteinisierende Hormon (LH) löst den Eisprung aus. Follikelzyste: Beim Eisprung zerplatzt der Follikel, die Eizelle gelangt in den Eileiter, wo sie befruchtet werden kann. Bleibt ein Eisprung aus, produziert der Follikel weiterhin Flüssigkeit. Es bildet sich eine Follikelzyste.

