Eine Kulturlandschaft, wo es im Ackerland viele Buntbrachen und andere Lebensräume wie Hecken oder Steinhaufen gibt, bietet verschiedenen Arten Nahrung und Unterschlupf. Ein gutes Indiz dafür, dass die Aufwertung einer landwirtschaftlich genutzten Region mit Biodiversitätsflächen funktioniert, ist der Feldhase. Denn mit ihm kommen auch diverse andere Tiere und Pflanzen, teilt die Vogelwarte Sempach mit.

Mindestens 5 Prozent BFF 

Damit der Feldhase effektiv gefördert werden kann, braucht es gemäss Vogelwarte mindestens fünf Prozent Biodiversitätsförderflächen (BFF) in intensiv genutztem Ackerland. Im Klettgau, wo BBF bereits auf 12 Prozent der Fläche realisiert werden konnten (siehe Kasten) ist der Erfolg sicht- und messbar:

  • Praktisch alle untersuchten Brutvögel konnten profitieren.
  • Die Dichte von Schwarzkehlchen und Dorngrasmücken ist mehr als 5mal höher als in anderen Regionen.
  • Die praktisch ausgestorbene Grauammer kommt nur noch im aufgewerteten Gebiet vor.
  • Die Dichte an Feldhasen ist 5mal so hoch wie im Schweizer Durchschnitt (rund 16 Feldhasen pro Quadratkilometer). Im angrenzenden Gebiet ohne BFF sind es gemäss der diesjährigen Feldhasen-Zählung der Vogelwarte nur zwei Tiere pro Quadratkilometer).

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Schwarzkehlchen brüten bevorzugt in Ödland- und Brachflächen. (Bild Pixabay)

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Früher haben Waldrodungen, traditioneller Ackerbau und Pferdehaltung die Goldammer stark gefördert. Auch sie profitiert von der Feldhasenförderung. (Bild Pixabay)

Schäden nur in geringem Ausmass

Es ist schön, wenn Wildtiere auch in der Kulturlandschaft wieder einen Lebensraum finden. Aber richten die Pflanzenfresser auch Schäden an den Kulturen an? «Feldhasen ernähren sich von grünen Pflanzenteilen, im Winter auch von Rinde – was die Tiere eben finden. Das können auch Ackerpflanzen sein», räumt Livio Rey ein. 

Das bestätigt auch Lena Heinzer vom Landwirtschaftsamt des Kantons Schaffhausen. «Man hört hin und wieder, dass Kulturen wie Sonnenblumen beim Auflaufen von Feldhasen abgefressen werden», erklärt sie auf Anfrage. Das Ausmass der Schäden sei aber jeweils gering und «nicht vergleichbar mit beispielsweise Wildschweinen», so Heinzer. 

Mehr Arten machen das System gesünder und schöner

Eigentlich sei die Frage nach Nützlingen oder Schädlingen veraltet, meint Rey. «Wir wissen heute, dass mehr Arten ein Ökosystem stabiler machen», erklärt er. Man könne nicht immer sagen, welche Folgen das Verschwinden einer einzelnen Art haben werde, «die positiven Effekte von mehr Biodiversität sind hingegen bekannt», so der Biologe.  

Was ebenfalls bekannt ist: eine vielfältige Landschaft mit farbigen Blüten von Mohn, Labkraut und Wiesensalbei, Vogelstimmen und gelegentlich beobachtbaren Wildtieren tut den Menschen gut, die darin wandern oder arbeiten. 

Ein Beispiel positiver Effekte von mehr Biodiversität in der Landwirtschaft: Wiesel helfen Landwirten gegen Mäuse


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Buntbrachen sind nicht nur eine Augenweide, sie bieten auch zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. (Bild Vogelwarte/Markus Jenny)

 

Das Klettgau als Vorzeigebeispiel

Im schaffhausischen Klettgau wird seit 1991 das «Lebensraumverbundsystem Klettgau» aufgebaut. In drei intensiv genutzten Ackerbaugebieten haben Landwirte in Zusammenarbeit mit der Vogelwarte und dem Kanton ökologische Ausgleichsflächen zur Förderung bedrohter Arten angelegt. Ursprünglich geplant war, auf 10 Prozent der Fläche extensive Wiesen, Ackersäume und Niederhecken zu schaffen und miteinander zu vernetzten. Laut Mitteilung der Vogelwarte sind es aktuell bereits 12 Prozent.

Im Kanton Bern gedeiht feldhasenfreundliches Getreide, in weiten Reihen gesät. Mehr dazu: Bauern fördern Feldhasen und Feldlerchen

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(Bild jsc)