Braunvieh-Züchter Mike Indergand: «Die besten Kühe fallen nicht auf»

Der Thurgauer hat mit 29 Jahren den Hof in Altnau übernommen. Sein Zuchtziel: eine funktionelle Kuh, die viel Milch gibt und lange lebt – wie seine Lieblingskuh Wendy.

«Die besten Kühe sind nicht unbedingt die leistungsstärksten, sondern diejenigen, die am wenigsten auffallen», sagt Mike Indergand, der in Altnau TG einen Landwirtschaftsbetrieb mit 60 Brown-Swiss-Kühen bewirtschaftet. Sein Zuchtziel ist eine sehr funktionelle Kuh, die viel Milch gibt und lange lebt. Dabei erinnert sich Indergand an seine Lieblingskuh Wendy, die mit 15 Jahren eine Leistung von 150 000 Litern Milch erzielt hatte.

Der Betrieb wurde in den letzten Jahren laufend modernisiert

Mike Indergand wuchs auf dem Betrieb in Altnau auf und half schon als Kind mit. Zunächst machte er eine Lehre als Lastwagenmechaniker, direkt im Anschluss folgte die Zweitausbildung zum Landwirt. Danach war er eine Saison im Obstbau tätig und arbeitete während drei Jahren als Servicetechniker für Melkroboter bei Lely.

Letztes Jahr übernahm er schliesslich den Betrieb von seinem Vater Werner Indergand sowie von Ernst Marolf. Diese hatten ihn zuvor während rund 30 Jahren als Betriebsgemeinschaft geführt. «Die beiden haben den Betrieb laufend modernisiert», sagt der 29‑Jährige.

So hätten sie beispielsweise noch kurz vor der Übergabe in einen Melkroboter investiert. Ernst Marolf und Werner Indergand sind auch heute noch auf dem Betrieb tätig. «Von ihrer Erfahrung profitiere ich täglich», sagt der Junglandwirt, der seinerseits sein Können als Mechaniker einbringt. Kürzlich hat er die Werkstatt vergrössert, in welcher er die Maschinen auf dem Betrieb selbst wartet und repariert.

«Ich probiere gerne Neues aus», sagt er. So hat er diesen Sommer die Ventilatoren im Stall optimiert, um den Kuhkomfort zu fördern. «Bei der Hitze hat man gemerkt, wie entscheidend eine gute Lüftung ist», stellt der Thurgauer fest. Vor allem auch, weil es diesmal nicht wie in vorhergehenden Sommern lediglich einige Tage lang heiss war, sondern über mehrere Wochen.

Orsella wurde Junior-Champion an der Top Show 2026

Die Milchleistung auf dem Betrieb beträgt durchschnittlich 10 000 kg Milch bei 50 Abschlüssen: Mike Indergand konnte eine starke Herde übernehmen, die Ernst Marolf über Jahrzehnte aufgebaut hatte. Dieser hatte sich schon früh mit Genetik auseinandergesetzt. In der jüngeren Vergangenheit kamen Stiere wie Brice, Royce oder – als Vertreter einer jungen Generation – auch Cooper zum Einsatz.

Die Zuchterfolge überzeugen nicht nur mit hohen Milchleistungen, sondern auch auf Schauen: So wurde etwa die Biniam-Tochter Orsella an der Top Show 2026 in Märwil zur Junior-Champion gewählt. «Mir war vorher gar nicht bewusst gewesen, dass sie vom Exterieur her so heraussticht», so der Landwirt.

Ihm war die Kuh vor allem mit der beachtlichen Leistung von 9 300 kg Milch in der ersten Laktation aufgefallen. Indergand hat inzwischen selbst Freude an Zucht und Viehschauen gewonnen. Zusammen mit Marolf plant er, die inzwischen zweitlaktierende Orsella auch an der Swiss Classic in Brunegg AG zu zeigen.

Zum Betrieb von Mike Indergand gehören 60 Kühe und 40 Stück Jungvieh. (Bild: Alexandra Stückelberger)

Ein weiterer Betriebszweig ist der Anbau von Tafelobst

Nebst einer gezielten Zucht trägt auch die Fütterung zum Erfolg einer Herde bei. Auf dem Betrieb von Mike Indergand werden die Kühe mit einer Totalen Mischration (TMR) mit je 50 Prozent Gras- und Maissilage gefüttert. Dazu kommen Ausgleichsfutter, Mineralstoffe, Essig sowie Futterkalk. Nicht unerheblich sei zudem, dass man auf dem Betrieb immer sauber gearbeitet habe, so Indergand. 

Ein wichtiger Betriebszweig auf dem Hof, der nah am Bodensee auf 415 m ü. M. liegt, ist der Obstbau: Auf 11 ha baut Indergand Äpfel und Birnen an. Dabei handelt es sich um Sorten wie Gala, Jonagold und Braeburn. Diese liefert er hauptsächlich als Tafelobst an die Tobi Seebost AG. Dazu beschäftigt er im Herbst bis zu 15 Arbeitskräfte. Kürzlich investierte Indergand zudem in einen modernen Pflücker-Truck. Aufgrund der Trockenheit im Sommer war die diesjährige Ernte allerdings durchzogen.

Trotz Bewässerung der Anlagen kam es zu Einbussen: «Die Früchte sind kleiner als sonst», so der Betriebsleiter. Einen Teil der Ernte musste er daher zu Mostobst deklassieren.

Ein Höhepunkt des Jahres dagegen war der «Braunvieh-bi-dä-Lüüt»-Anlass, der am 30. Oktober 2026 auf seinem Betrieb stattfand. Gegen 300 Personen kamen teilweise von weit her, um einen Blick auf die Braunviehherde zu werfen und sich in geselligem Rahmen auszutauschen.

Betriebsspiegel

Mike Indergand, Altnau TG

LN: 55 ha

Tierbestand: 60 Kühe, 40 Stück Jungvieh

Kulturen: 24 ha Ackerbau, 11 ha Tafelobst (Äpfel und Birnen).

Vermarktung: Silomilch via Strehl Käserei AG, Obst an Tobi Seeobst AG und harassenweise auch direkt.

Mitarbeiter: Ernst Marolf, Werner Indergand, saisonale Arbeitskräfte.

Weiterlesen