Pascal Eugster ist Softwareentwickler und Inhaber der Inoo GmbH aus Altstätten SG. Der Ostschweizer hat eine App entwickelt, die alles vereinfachen soll, was an Büroarbeit rund um die Tiere anfällt. Die Idee zu «Herdy» entstand während einem Gespräch mit einer Bauernfamilie aus der Region.
«Die Familie kam mit einer einfachen Idee auf mich zu: ein digitales Notizbuch für ihre Tiere», erzählt Eugster. Dabei habe er bemerkt, wie gross das Bedürfnis nach einer einfachen Herdenverwaltung mit direkter Anbindung an die Tierverkehrsdatenbank (TVD) sei. «Das wollte ich nicht nur entwickeln, sondern auch mit Leidenschaft als eigenes Produkt betreiben.»
Was kann die App Herdy?
Bisher wurde alles auf Papier oder in Excel festgehalten und danach in die TVD abgetippt. «Das ist doppelte Arbeit, und genau die wollte ich abschaffen», so Pascal Eugster. Mit Herdy lässt sich nun alles direkt im Stall erledigen: die TVD-Meldungen, das Behandlungs- und das Auslaufjournal, Geburten, Abgänge und vieles mehr.
Auch Meldefristen sollen weniger vergessen gehen, da die App einen Kalender mit Erinnerungsfunktion hat. Was erfasst wurde, steht auch gleich in den Journalen, die bei einer Kontrolle verlangt werden. Für diese Kontrollen kann man direkt ein PDF ausdrucken. Die App läuft auf dem Handy und dem Computer (iOS und Android).

Am meisten freut sich der Rheintaler auf die neue Sömmerungsfunktion. Alpbetriebe und Bestösser sollen ihre Tiere, Meldungen und das Weidejournal direkt in der App führen. In der Zucht wird die Deckplanung ausgebaut, mit einer Warnfunktion vor Inzucht.
Ausserdem werde gerade die Anbindung von GPS-Sendern für Weide und Alp geprüft, sagt Eugster. «Welche zusätzlichen Instrumente zukünftig noch hinzukommen, bestimmen grösstenteils die Landwirtinnen und Landwirte mit ihren Wünschen.»
Täglich neue Registrierungen
Pascal Eugster ist sehr zufrieden mit der Entwicklung der App. Täglich kommen neue Registrierungen dazu. Zum heutigen Stand arbeiten rund 100 Betriebe mit «Herdy», über 8500 Tiere sind registriert.
Darunter befänden sich Schafzuchten, Ziegenhalter, Rinderbetriebe und Mischbetriebe, sagt Pascal Eugster. Er arbeite rund um seine App sehr eng mit den Landwirtinnen und Landwirten zusammen.
Die Daten bleiben bei den Betrieben
Die grösste Herausforderung zum Erfolg der App war laut deren Entwickler die Finanzierung. Ein solches Produkt zu entwickeln, sei für eine kleine Firma eine sehr grosse Investition, räumt Pascal Eugster offen ein. Der 25‑Jährige hat Herdy aus seiner Firma «Inoo GmbH» heraus finanziert und dafür teilweise auf einen normalen Lohn verzichtet. «Nur so bleibt ‹Herdy› unabhängig», sagt er.
Davon sollen auch die Landwirtinnen und Landwirte profitieren: «Weil wir uns selbst finanzieren, bleiben die Daten bei den Betrieben. Sie gehen nicht an Dritte, die damit eigene Interessen verfolgen.»
Eine zusätzliche Herausforderung war laut Pascal Eugster die Technik. Die Anbindung an die TVD sei anspruchsvoll. Jede Tierart hat ihre eigenen Regeln und eine falsche Meldung hat für einen Betrieb reale Konsequenzen. «Diesen Herbst stellt Identitas ihre Schnittstellen um, und Agate wechselt beim Login auf AGOV. Dabei muss alles sitzen», so Eugster.
Viele Rückmeldungen erhalten
Pascal Eugster erhält viele konkrete Rückmeldungen der Nutzer. Viele davon hätten Herdy direkt verändert, sagt er. Grössere Betriebe fragten nach Lesegeräten für die Ohrmarken und nach einem Begleitdokument direkt aus der App – was jetzt möglich ist.
Ein Landwirt sagte Eugster, Herdy zeige ihm zu viel an. «Darauf haben wir die App aufgeräumt: Wer keine Milchtiere hat, sieht keine Milchfunktionen mehr, und jeder Betrieb stellt selbst ein, was die App anzeigt.» Ein anderer Betrieb habe sich gewünscht, dass nach dem Ablammen automatisch Gruppen entstehen. Daraus entstand die Ablammliste.
Herdy sei nun aus der Pilotphase heraus, sagt der Entwickler. Getragen wird es von einem Jahresabo, dessen Preis sich nach Herdengrösse richtet. An der Preisstruktur arbeitet Eugster zurzeit noch. «Herdy soll für alle Betriebsarten und Betriebsgrössen eine faire Lösung sein, vom kleinen Ziegenhalter bis zum grossen Rinder- oder Schafbetrieb», sagt er. Wer Herdy ausprobieren möchte, kann es für 14 Tage kostenlos testen.

Auf Zusammenarbeit angewiesen
Damit sich Herdy langfristig etablieren kann, ist Eugster auf die enge Zusammenarbeit mit den anwendenden Landwirtinnen und Landwirten angewiesen. «Ich gehe auf ihre Wünsche ein, denn nur so kann die App weiterentwickelt werden und eigenfinanziert bleiben», so Eugster.
Dazu brauche es Betriebe, die Herdy weiterempfehlen, und Partner aus der Branche wie Zuchtverbände, Tierärztinnen und Tierärzte, Treuhandbüros oder sonstige Interessierte. «Mein Ziel ist, dass bis Ende 2027 rund 1000 Betriebe mit Herdy arbeiten», sagt der Ostschweizer.
Eine grosse Arbeitserleichterung
Johannes Frei ist Landwirt in Marbach SG und nutzt Herdy. Er begleitet die Entstehung der App bereits seit Beginn. Seine Schwester hatte damals den Wunsch nach einem geeigneten Tool für die Herdenverwaltung, da die beiden auf dem Markt nichts Geeignetes fanden. So wandten sie sich mit diesem Wunsch an ihren Freund Pascal Eugster.
Johannes Frei hält auf seinem Betrieb Legehennen und rund 100 Schafe. Bevor er Herdy nutzte, managte er seine Herdenverwaltung wie wohl so manch anderer auch – mit Notizzetteln. Er sieht in der App eine grosse Arbeitserleichterung: «Ich habe Feierabend, wenn ich aus dem Stall rauslaufe», sagt er.

«Es ist einfach und schnell»
Ein besonderer Vorteil von Herdy sei, dass verschiedene Personen darauf zugreifen können, lobt Johannes Frei. So haben bei ihm im Stall sein Vater, seine Schwester und er selbst immer dieselben und die aktuellsten Informationen von allen Tieren zur Hand. «Wenn zum Beispiel ein Schaf hinkt, schreibt man es auf – egal, wer im Stall ist», erklärt Frei. Hinke das Schaf zu einem späteren Zeitpunkt wieder, zeige die App an, dass es schon öfter vorkam.
«Es ist einfach und schnell», betont Frei. Vorher habe man mit dem Zettel ins Büro gehen müssen, heute sei das Büro «direkt im Hosensack». Mit Herdy hat Frei eine einfache, komplette Herdenübersicht. Er kann neben Behandlungen und Klauenpflege auch notieren, ob das Schaf einen guten Mutterinstinkt hat und ob es viel Milch gibt. «So weiss man es im Herbst noch, wenn man die Schafe wieder deckt.»
Mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis ist Frei ebenfalls zufrieden. Die App spare ihm viel Zeit und es sei alles sauber aufgeschrieben. «Je länger man mit Aufschreiben wartet, desto eher geht etwas vergessen. Mit Herdy kann man alles überall und sofort aufschreiben.»

