Vor fünf Jahren verwandelte das Team um Arthur Loretz einen leer stehenden Stall in Sedrun in einen Ausstellungsraum für Kunst – die Stalla libra wurde zum «Art Space». Der Stall als Kunstraum gehört nun zur Vergangenheit, denn neu lockt die Stalla libra als Spielhaus.


Früher wurde in Heuställen gespielt. Man spielte Fangis, Verstecken und sprang auf dem Heu herum. Während das Spielen im Stall für ältere Generationen zu den schönen Erinnerungen gehört, haben heute viele Kinder keine Ahnung von diesem Vergnügen und spielen höchstens in virtuellen Ställen. Im Ferienort Sedrun kann sich das ändern; es gibt zwar kein Heu mehr im Stall an der Via dil Bogn, und die Heuböden wurden blitzeblank geputzt. Alles scheint jetzt irgendwie modern und trotzdem können sich die Besucher dort sehr gut beschäftigen und ihrer Fantasie freien Lauf lassen.

Sechs neue oder neu interpretierte Spiele


Im vergangenen Sommer wurde die Stalla libra nämlich in ein einladendes Spielhaus für Jung und Alt umgewandelt. Wie man bereits an der Eröffnung Ende des letzten Jahres feststellen konnte, ist das Interesse für dieses neue Angebot grösser als für die bisherigen Kunstausstellungen, die ebeenfalls gut besucht waren. Hinter der unscheinbaren Holzfassade der Stalla libra (romanisch für «leerer Stall») in Sedrun ist im Sommer 2015 ein ungewöhnliches Spielhaus entstanden. 15 internationale Designer realisierten in den nostalgischen Räumlichkeiten sechs neue oder neu interpretierte Spiele.


Den Sinn für Geschick und Strategien testen


Bereits beim Betreten der Stalla libra werden Besucherinnen und Besucher zu Spielfiguren. Die nostalgischen Räumlichkeiten haben 15 internationale Designer während eines Monats umgebaut. «Die originellen Spiele laden Jung und Alt, Einheimische und Gäste dazu ein, Geschick und Sinn für Strategie zu testen», hält das Team der Stalla libra fest. Die jungen Gestalterinnen und Gestalter haben der Stalla libra mit dem Bau fantastischer Spiele neues Leben eingehaucht. Unter anderem wird beim wohl kreativsten Tischfussballspiel der Ball über Brücken und durch Tunnelstollen gespielt.


Das Libra-Labyrinth führt in Sackgassen und von der Hölle in den Himmel, wo es zur Belohnung eine schöne Aussicht zu geniessen gibt. Das mehrfach ausgezeichnete Spiel «Carcassonne», das speziell für die Räumlichkeiten der Stalla libra neu interpretiert wurde, verlangt von den Spielenden ein strategisches Vorgehen. In der bunten Schaumstoffwelt wiederum ist der Fantasie der Kleinen keine Grenzen gesetzt.

Das Herzstück der Stalla libra bildet jedoch die Hausmetzgerei im Comic-Stil. Im weiss-rosa Heustock verwandeln sich die Spielenden, mit Schürze ausgestattet, in Köche. In zehn Mini-Spielen müssen sie die Zutaten für Frau Müllers perfektes Rezept sammeln.

«Bei diesem Spiel haben wir bewusst einen allgemein bekannten Beruf gewählt und eine spielerische, abstrakte Komponente hinzugefügt», erklärt Fabio Hendry, Spielentwickler und Präsident von Stalla libra – Spielhaus. Eine Aufgabe der Hausmetzgerei besteht darin, einen Finger im Abfalleimer zu finden – mit Elementen aus Silikon und Holz. «Es gibt Spielanleitungen, aber wie sich bereits erwiesen hat, stellen sich Spielbegeisterte gerne eigene Regeln auf», so Hendry, der von der Kreativität der Besucher begeistert ist.

Brachliegende Bauten zu neuem Leben erwecken


Einige Konzepte und alle Elemente der kreativen, strategischen und intuitiven Spiele sind von 15 Absolventinnen und Absolventen des Masters «Product Design» am Londoner «Royal College of Art» in Zusammenarbeit mit Sedruner Handwerkern realisiert worden. «Früher aber haben wir in den Ställen des Dorfs gespielt. Diese Erinnerung haben wir in das Konzept einfliessen lassen», sagt Arthur Loretz, Mitinitiant des Projekts. «Mit der neuen Nutzung des Heustalls wollen wir weiterhin dazu beitragen, brachliegende nostalgische Bauten im Dorfkern mit Leben zu füllen», ergänzt

Antonia Hendry, drittes Mitglied des Fördervereins Stalla libra.


Als Spielhaus erlebt dieser ehemalige Heustall in Sedrun bereits zum zweiten Mal eine Renaissance, nachdem die leer stehenden Räumlichkeiten von 2011 bis 2015 als Kunstraum unter dem Namen «Stalla libra – Art Space» genutzt wurden.

Susi Rothmund