Langsam sieht es auf Max Hombergers Parzelle in Wetzikon im Zürcher Oberland aus wie in einem Wald. Gut fünf Jahre, nachdem er im Jahr 2020 eine Hektare mit 1000 Bäumen bepflanzt hatte, sind zunächst die Birken in die Höhe geschossen. Rund fünf Meter hoch sind sie schon – «eine Pionierpflanze», wie Homberger, Jahrgang 1949, kräftige Statur, markanter Schnurrbart, vor Ort im Feld erklärt.
Es ist an diesem Julitag weit über 30 Grad warm, doch Hombergers Bäume zeigen trotz Trockenheit kaum Schäden. Entstehen soll hier, bis in 50 Jahren, ein «klimafitter» Wald. Homberger wird ihn nicht mehr als ausgewachsenen Wald sehen. Das scheint ihn nicht zu kümmern.
Kirsch- und Nussbäume stehen auf der Parzelle, Linden, Eichen, Vogelbeer- und Mammutbäume – Homberger hat sie zusammen mit einem befreundeten Förster ausgesucht. Auf Exoten hat er bewusst verzichtet: Alle Bäume in seinem «Klimawald» sind einheimisch, bis auf den Mammutbaum vielleicht, der zwar ursprünglich aus Amerika stammt, im Kanton Zürich aber seit über 100 Jahren heimisch ist, vor allem in Parks und Villengärten. Bodenständig, aber nicht dogmatisch – man wird diesem Muster in Hombergers Leben noch öfter begegnen.
Im Militär Karriere gemacht
Dabei war die Landwirtschaft einmal sein Ausgangspunkt, nicht sein Nebenschauplatz. Die Parzelle – eigentlich Landwirtschaftsland – hat er vom elterlichen Bauernbetrieb geerbt. «Wir hatten damals sechs Kühe und einen Zweispänner», erinnert er sich. Wie viele andere Höfe ist auch dieser längst aufgegeben worden.
Aufgewachsen ist Max Homberger im bäuerlichen Milieu des damaligen Bauern- und Gewerbebundes, einer Vorläuferorganisation der SVP – doch er schlug einen anderen Weg ein. Er wurde Jurist und machte Karriere im Militär. Die Landwirtschaft blieb ihm dennoch nahe: Als er seine damalige Frau, eine Tschechin, heiratete, spielte er mit dem Gedanken, in ihrer Heimat Land für den Ackerbau zu kaufen – rechtlich war das für ihn als Ausländer aber nicht möglich.
Wie kommt nun ein Bauernsohn und Bataillonskommandant zu den Grünen? Politisiert habe ihn das Autobahnbauprojekt durch die heute geschützte Moorlandschaft Wetzikon/Hinwil. Als ihn eine Frau aus dem Dorf ansprach, kandidierte er – und war schliesslich fast zehn Jahre Kantonsrat der Zürcher Grünen. Linientreu war er dabei nie in jeder Beziehung: «Beim Militär hatten wir eine andere Meinung, aber in der Kantonspolitik spielte das keine Rolle.»
Es ist ein Zug, der sich später im Wald wiederholen sollte – eigene Wege gehen, auch wenn sie gegen den Konsens der eigenen Reihen laufen.
Pragmatismus und Hartnäckigkeit
Denn im Klimawald warteten von Anfang an unerwartete Gegner. Die Eichen etwa, die eigentlich als idealer Kandidat für den Schweizer Wald der Zukunft gelten – immerhin bedeckten Eichenwälder schon zu Cäsars Zeiten weite Teile Galliens –, fielen zunächst der Maus zum Opfer.
«Wir hatten sehr viel Mausfrass», sagt Max Homberger und deutet auf eine Stange mit Querbalken mitten im trockenen Jungwuchs: einen eigens gebauten «Flugplatz» für Greifvögel. Das Problem: Weil zwischen den Bäumen viel hohes Gras wächst, sehen die Raubvögel die Mäuse gar nicht. Abhilfe soll nun eine verstärkte Beweidung mit Schafen schaffen, die durch ihren Tritt die Mauslöcher verschliessen – im Herbst zäunt der Nachbar das Waldstück deshalb als Schafweide ein.
Auch der Rehbock setzte den Jungbäumen im ersten Jahr zu – «der hat viele geschunden» – so Homberger. Er reagierte mit Verbissschutz um die Stämme. Insgesamt musste er seit der ersten Pflanzaktion im November 2020 schätzungsweise 200 bis 300 Bäume nachpflanzen. Trockenheitsabgänge aber, betont er, habe es keine gegeben – nur Nassschnee lege gelegentlich die Birken um. Seine Lösung dafür: schütteln. Und selbst ein aus heutiger Sicht zu kaltes und zu nasses Jahr wie 2021 habe dem jungen Wald genützt: perfekt fürs Anwachsen.
Es ist diese Mischung aus Pragmatismus und Hartnäckigkeit, mit der Homberger auch seine politischen Brüche vollzogen hat. Mittlerweile ist er aus der Grünen Partei ausgetreten – ausschlaggebend war die ablehnende Haltung der Linken zur 10-Millionen-Initiative, die er selbst unterstützt hatte.
In einem Leserbrief im «Zürcher Oberländer» bezeichnete er die Grünen daraufhin als «nützliche Idioten der Goldküstenmilliardäre». Es ist derselbe Beweggrund, der ihn einst zu den Grünen und schliesslich zu seinem Klimawald geführt hat: Er denkt über die eigene Generation hinaus. Die Versorgungssicherheit künftiger Generationen liegt ihm am Herzen – ebenso der schonende Umgang mit Boden und Wasser. Und genau das bringt ihn wieder in Konflikt, diesmal mit seinem angestammten bäuerlichen Milieu.
Empörung bei Landwirten
Denn dass er eine Hektare Fruchtfolgefläche weder verpachtet noch verkauft, sondern mit Wald bestockt, hat auch damit zu tun, dass er sein ererbtes Land nicht der intensiven Landwirtschaft unterworfen sehen will. In der Landwirtschaft sorgte das Vorhaben für Empörung. «Landwirtschaftsland ist begehrt», weiss Max Homberger, «viele Bauern sehen das als Kulturlandverlust.»
Ob der Konflikt am Ende vor Gericht ausgetragen wird, ist offen. «Von Seiten der Ämter gab es Abklärungen, aber noch nichts Weiteres», sagt er – und ist plötzlich ganz Jurist: Zwar sehe die Verordnung über die Fruchtfolgeflächen eine Aufforstung eigentlich nicht vor, räumt er ein. Aber im Zivilgesetzbuch sei geregelt, welchen Abstand eine Aufforstung von Landwirtschaftsland zur Nachbarparzelle einhalten müsse. Das impliziere, dass Aufforstungen rechtlich möglich seien – und da das Zivilgesetzbuch höher stehe als die Verordnung, sei der Fall für ihn klar.
Entscheiden dürfte sich das endgültig, wenn der Kanton wie beschlossen die Feststellung der statischen Waldgrenzen durchführt – eigentlich gedacht, damit unbeabsichtigt verwaldete Parzellen nicht unter das Waldgesetz fallen. «Eine Konzession an die Millionäre der Goldküste», findet Homberger. In seinem Fall dürfte damit die Frage nach der Zonenkonformität seines «Klimawaldes» wieder aktuell werden – eines Waldes, der, ähnlich wie der Mann, der ihn gepflanzt hat, sich nie ganz in die Kategorien fügen wollte, die andere für ihn vorgesehen hatten.

