Ein Rasen, der unter den Füssen knirscht wie Stroh. Salatköpfe, die am Mittag die Blätter hängen lassen. Tomatenstauden, die morgens noch aufrecht standen und am Abend schlapp im Beet liegen.
Wer diesen Sommer einen Bauerngarten pflegt, kennt das Bild: Ohne Wasser verdorrt fast alles, und zwar schneller, als man giessen kann. Doch ist es überhaupt gerechtfertigt, in einem trockenen Sommer den eigenen Garten zu bewässern? Man könnte einwenden: Solange Golfplätze bewässert und Autos gewaschen werden, muss ein Bauerngarten gewiss nicht leiden.
Die spannendere Frage ist aber eine andere: Was kann die Bäuerin, was kann der Bauer selber dazu beitragen, dass der Garten auch mit weniger Wasser auskommt? Wir haben Othmar Ziswiler gebeten, mit uns einen Schritt in die Zukunft zu machen – für den Fall, dass sich solche Wetterphänomene wiederholen. Er ist Fachabteilungsleiter Gärtnerischer Detailhandel beim Branchenverband Jardin Suisse und kennt die Sorgen und Fragen der Gartenbesitzerinnen und -besitzer aus erster Hand.
Kein Abschied vom Bauerngarten – aber ein anderer
Othmar Ziswiler gibt zuerst einmal Entwarnung: Das ganze Konzept Bauerngarten muss wegen der Trockenheit nicht über den Haufen geworfen werden. «Ich denke nicht, dass wir gleich das ganze Konzept Bauerngarten auf den Kopf stellen müssen», sagt er.

Verändern wird sich trotzdem einiges. Bei den Blumen setzen sich zunehmend Dauerbepflanzungen mit Arten durch, die Trockenheit lieben, statt sie nur zu ertragen – Steppensalbei etwa, Lavendel, Katzenminze oder Kugeldisteln, die auch in der prallen Sonne nicht die Köpfe hängen lassen.
Im Gemüsebeet liegt die grössere Stellschraube weniger im Sortiment als in der Pflege: «Regelmässiges Hacken, Mulchen und ein möglichst humusreicher Boden helfen, die Feuchtigkeit länger im Boden zu halten», so Ziswiler. Und: gegossen wird am Morgen, wenn der Boden noch kühl ist – sonst verdunstet ein grosser Teil des Wassers, bevor er überhaupt bei den Wurzeln ankommt.
Vom Regenfass zur Zisterne
Wo auf dem Hof keine oder nur ungenügende Quellen vorhanden sind, führt laut Othmar Ziswiler kein Weg am Sammeln von Wasser vorbei. «Bereits mit einer oder besser mehreren Tonnen können ein paar Tage überbrückt werden, doch um wirklich sicherzugehen, wird es Wasserzisternen mit mehreren Kubikmetern Fassungsvermögen brauchen», sagt er.
Gerade dann, wenn ohnehin die Umgebung ums Haus neu gestaltet wird, sei das gut investiertes Geld. Dazu passt auch die Überlegung, eine Bewässerungsanlage anzuschaffen: «Eine Tropfbewässerung im Gemüsegarten ist wassersparender als ein Beregner», hält der Fachmann fest.
Die grüne Branche denkt in Schwämmen
«Für die grüne Branche und Jardin Suisse ist Wasser schon lange ein Thema», sagt der Fachabteilungsleiter Othmar Ziswiler. Besonders in Städten setzt sich das Konzept der sogenannten Schwammstadt durch: Der Boden wird so gestaltet, dass er Regenwasser aufsaugt und zurückhält wie ein Schwamm, statt es sofort in die Kanalisation abfliessen zu lassen – zusammen mit der passenden Bepflanzung verbessert das spürbar das Klima in der Stadt.
Bei privaten Hausgärten geht es vor allem um die richtige Beratung: «Sei es bei einer Umgestaltung durch den Gartenbauer oder in der Gärtnerei beim Verkauf der standortgerechten Pflanzen», so Ziswiler. Das Ziel bleibt dasselbe – Gärten, die auch lange Hitze- und Trockenperioden gut überstehen.
Warum nicht einfach Melonen?
«Wie meine Wassermelone zu Hause beweist, lieben sie zwar die heissen Temperaturen, aber das nur, wenn sie viel gegossen werden», sagt Othmar Ziswiler. Zum Star der trockenen Sommer taugen sie darum nicht.
Deutlich genügsamer sind traditionelle Gemüsearten wie Buschbohnen, Erbsen, Randen, Sellerie, Karotten oder Kohlarten: «Wenn sie gut angewachsen sind, brauchen sie in einem normalen Sommer kaum zusätzliches Wasser.»
Der Garten der Zukunft
«Die Gärten der Zukunft werden klimaangepasst sein», ist Othmar Ziswiler überzeugt. Ein bewusster Umgang mit Wasser, trockenheitsverträgliche Pflanzen und schattenspendende Bäume gewinnen an Bedeutung.
«Regenwasser wird gesammelt und gezielt dort eingesetzt, wo es am meisten gebraucht wird», so Ziswiler – vor allem im Gemüsegarten sowie bei Kübel- und einjährigen Pflanzen. So entstehen Gärten, die selbst lange Hitzeperioden gut überstehen.

