«Mit unseren Kühen gehören wir nicht zur Spitze, aber wir freuen uns auf die Jubiläumsschau»

Familie Kamber auf dem Vorder Erzberg freut sich auf das Jubiläum «100 Jahre Viehzuchtverein Passwang» am 7. Oktober. Rund 125 Kühe, 20 Rinder und 15 Kälber sind gemeldet.

Auf dem Vorder Erzberg in der Gemeinde Beinwil SO bewirtschaften Adrian und Marlies Kamber mit ihren drei Kindern Hansueli, Christa und Aline seit 2019 einen typischen Bergbauernbetrieb mit Restaurant. Angestellt als Hirten und Pächter betreuen sie im Sommer jeweils rund 140 fremde Rinder. Dazu kommen noch ihre eigenen Kühe, rund 14 Stück, mit dem Jungvieh.

«Unsere Region litt diesen Sommer stark unter der Trockenheit», erklärt Adrian Kamber. So kehrten die fremden Rinder bereits Ende August wieder auf ihre Heimbetriebe zurück. Die meisten in die Region Huttwil BE, da der Erzberg der Alpgenossenschaft Huttwil gehört. «Zum Glück hatten wir für die Tiere immer genug Wasser, das ersparte uns viel Arbeit», sagt Marlies Kamber dankbar.

Marlies und Adrian Kamber führen seit 2019 den Bergbetrieb Vorder Erzberg im Solothurner-Jura. (Bild: Peter Fankhauser)

Hornlose Tiere mit Rassecode 60

Auf 1070 m ü. M. liegt der mit Wald, Weide und Matte 100 ha grosse Betrieb Vorder Erzberg. Im Stall stehen Simmentalerkühe, die Milch wird für die eigene Kälbermast verwendet. «Rund 90% unseres Bestandes sind nicht nur genetisch hornlos, sondern tragen auch den Rassecode 60», sagt der Betriebsleiter.

Vielfach werden die eigenen hornlosen Stiere im Natursprung eingesetzt. «Zurzeit haben wir auch schon eine genetisch hornlose Tochter vom bekannten Simmentalerstier Toni mit Rassecode 60», freut sich der Landwirt. Da man viel mit Natursprung arbeitet, hätten die Tiere für die Besamungsstationen leider zu tiefe Zuchtwerte, bemerkt er. «Mir gefällt aber die Philosophie mit der Hornlosigkeit und so werden wir weiter versuchen, das hornlose Gen im Stall zu behalten, ohne dabei den Rassecode 60 aus den Augen zu verlieren», so Adrian Kamber.

Jütz und Jodellieder im Herzen

Zu einer besonderen Leidenschaft von Kambers gehört auch die Herbstviehschau auf dem Passwang. Und dieses Jahr ganz besonders: Denn der Viehzuchtverein Passwang feiert am Mittwoch, 7. Oktober, sein 100-jähriges Bestehen. «Wir gehörten schon auf dem vorherigen Pachtbetrieb dem VZV Passwang an. Da die Herbstviehschau für uns zu den Höhepunkten des Jahres gehört, wollten wir auch zu keinem anderen Verein wechseln», so der Tenor der Familie.

Wenn das Wetter es zulässt, laufen Kambers mit ihren Kühen rund zwei Stunden mit Treichelgeläut und Blumenschmuck vom Erzberg Richtung Passwang. «In einem Jodellied heisst es: ‹Bärge, z'Vieh und z'Gloggeglüt – säg mer du, was Schöners git›», sagt Marlies Kamber. «Die tägliche Arbeit verbindet uns stets mit Jütz und Jodelliedern, die wir im Herzen tragen», ergänzt ihr Mann.

Hier eine schöne, genetisch hornlose Simmentalerkuh mit Rassecode 60. Ihr Vater ist der bekannte Stier Brisago. (Bild: Peter Fankhauser)

Eine wichtige Tradition für die Familie

Der Weg zur Viehschau auf den Passwang führt für Kambers der Jurahöhe entlang. «Dabei geht es auch viel durch den Wald, und an einigen Orten ist der Wanderweg sehr schmal und steil», so der Landwirt. «Da am Jubiläum der Aufzug schon auf 9 Uhr angesetzt ist, müssen wir unsere Tiere dieses Jahr eine weite Strecke fahren lassen, aber sicher nicht bis zum Schauplatz», betont die Bäuerin.

Denn das «Zügeln» sei für die ganze Familie eine wichtige Tradition. «So freuen wir uns sehr, den letzten Abschnitt zu Fuss mit den Kühen ‹chüjerisch› aufzufahren», sagt Adrian Kamber. «Wir können und wollen einfach nicht anders. Das ist eine Leidenschaft, die zu uns gehört», ergänzt seine Frau und meint: «Hüehnerhut u Ougewasser ghöre o drzue.» Mit der Herbstviehschau auf dem Passwang würden bei ihr auch immer wieder Erinnerungen an die «Berglerzeiten» aufkommen, die sie und ihr Mann in jungen Jahren erlebt hätten.

Dieser genetisch hornlose Code‑60-Simmentalerstier wird von Kambers zurzeit im Natursprung eingesetzt. (Bild: Peter Fankhauser)

Einen schönen Tag erleben

Kehrt man auf den Vorder Erzberg ein, hat man einen wunderschönen Rundumblick über die Jurahöhen. «Nicht nur unseren Gästen gefällt das Panorama, auch uns gefällt es hier oben», sagt Marlies Kamber mit einem Lächeln im Gesicht. Bei schönem Wetter würden die Gäste draussen eine gutbürgerliche Küche und viel Hausgemachtes geniessen können. «Bei kaltem, nassem Wetter gibt es auch drinnen Platz», ergänzt ihr Mann.

«Hier oben zu wirten, das schätzen wir von ganzem Herzen und sind dafür auch dankbar», so Marlies Kamber. Dank des jetzigen schönen Herbstwetters dürfen sie sich nicht über zu wenig Gäste beklagen. «Natürlich gibt es viel Arbeit, doch das machen wir gerne. Vorerst freuen wir uns aber auf die Jubiläumsschau am 7. Oktober», betont das Ehepaar.

Die beiden hoffen, dass sie mit den anderen sieben Züchterfamilien einen schönen und unvergesslichen Tag erleben dürfen. «Mit unseren Kühen gehören wir nicht zur Spitze», sagen sie. Ihnen bedeutet es vielmehr, dass sie einmal im Jahr für die Viehschau den Kühen das Glockengeläut anziehen dürfen. Und so meint Marlies Kamber im breiten Oberländer-Dialekt, den sie ursprünglich hat: «S’mit de Trichli chü la lüte, d'Bärge, z'Veh u z’Gloggeglüt, bhüet di Gott dir Chüjerlüt.»

100 Jahre VZV Passwang/Ramiswil

Wann:          Mittwoch, 7. Oktober 2026

Wo:              Schauplatz Mittler Passwang

Programm:

9   Uhr        Auffuhr Alpaufzug
10 Uhr        Punktierung der Kühe
13 Uhr        Kälberwettbewerb
13.30 Uhr   Rangierung Rinder
14 Uhr        Misswahlen, anschliessend Alpabzug
19.30 Uhr   Öffentlicher Züchterabend

Weiterlesen

  • Adrian Bleuler (links) und Manuel Romann (rechts) haben Anfang 2026 das Lohnunternehmen von Ernst Mülli (Mitte) und Peter Kofel (fehlt) übernommen.

    Lohnunternehmer: Wenn zwei langjährige Mitarbeiter zu Nachfolgern werden

    Was passiert mit einem Lohnunternehmen, wenn die Generation, die es aufgebaut hat, in Pension geht? Beim Lohnunternehmen Mülli-Kofel übernehmen zwei langjährige Mitarbeiter und zeigen, wie eine ausserfamiliäre Nachfolge gelingen kann.
    Show more
    ABO
  • Agrarfolien sammeln: Eine Erfolgsgeschichte aus Zug

    ✹
  • Die Rinder sind zurück von der Alp – Bilanz eines schwierigen Sommers