Kurz & bündig
- Adrian Bleuler und Manuel Romann waren langjährige Mitarbeiter im Lohnunternehmen Mülli-Kofel und haben dieses per Anfang 2026 übernommen.
- Zur finanziellen Absicherung haben sie eine GmbH gegründet.
- Die Übergabe verlief unkompliziert, nur die Arbeitszeit- und Maschinenabrechnung untereinander ist kompliziert. Eine selbst entwickelte App soll den Vorgang vereinfachen.
Eine Betriebsübergabe muss nicht immer innerhalb der Familie stattfinden. Ein Beispiel dafür ist das Lohnunternehmen Mülli-Kofel in Schleinikon ZH an der Grenze zum Kanton Aargau. Ernst Mülli und Peter Kofel haben das Lohnunternehmen über viele Jahre aufgebaut. Anfang 2026 nach ihrer Pensionierung haben sie einen Teil des Lohnunternehmens ausserfamiliär an Manuel Romann und Adrian Bleuler übergeben. Die beiden Nachfolger waren allerdings keine Fremden, sondern langjährige Mitarbeiter.
Alles begann mit einer Quaderballenpresse
Die Geschichte des Lohnunternehmens begann 2001. Peter Kofel führte einen Pferdehof und Ernst Mülli einen Ackerbaubetrieb. Peter Kofel fuhr bereits selbst mit einer Kleinballenpresse im Lohn, womit er Ernst Mülli kennenlernte. Dieser half ihm immer wieder beim Bergen der Kleinballen. Als ein anderes Lohnunternehmen im Kanton Zürich aufhörte, übernahmen sie zusammen eine Quaderballenpresse. «Wir konnten nicht nur die Maschine, sondern auch den ganzen Kundenstamm übernehmen», erinnert sich Ernst Mülli. Daraus entwickelte sich das Lohnunternehmen Mülli-Kofel. Der Maschinenpark wuchs kontinuierlich. «Immer wenn wir wieder Geld hatten, investierten wir in Maschinen», sagt Ernst Mülli. Nebst dem Pressen verrichtete das Lohnunternehmen auch jegliche Säarbeiten und später auch noch Baggerarbeiten.

Mit stetem Wachstum stieg auch der Bedarf an Mitarbeitern. So kam vor über 20 Jahren Adrian Bleuler ins Unternehmen und wenige Jahre später stiess Manuel Romann dazu. «Als ich 15-jährig war, durfte ich das erste Mal schwaden», erinnert sich Manuel Romann. Die beiden waren im Stundenlohn angestellt und halfen, so oft es ging, im Lohnunternehmen mit, nebst ihren Vollzeitarbeitsstellen. Damals arbeitete Adrian Bleuler Vollzeit als Zimmermann sowie nebenbei auf dem elterlichen Hof und Manuel Romann arbeitete als Landwirt und Lohnunternehmer.
Somit sind die beiden Nachfolger über all die Jahre ins Lohnunternehmen reingewachsen und kannten bereits jeden Handgriff. «Ernst und Peter haben uns immer machen lassen und uns vertraut», erinnert sich Manuel Romann.

Zwei Vorgänger, zwei Nachfolger
Bereits vor etwa sechs Jahren kam die Frage auf, ob Manuel Romann und Adrian Bleuler das Lohnunternehmen weiterführen möchten. Auslöser dafür war der Kauf einer Quaderballenpresse mit Vorbauhacker. «Wir haben die Maschine nur gekauft, weil wir wussten, dass die beiden das Unternehmen weiterführen möchten. Sonst hätten wir bis zur Pensionierung mit den bestehenden Maschinen weitergearbeitet», sagt Ernst Mülli.
Für Manuel Romann und Adrian Bleuler war die gemeinsame Übernahme ebenfalls naheliegend. Beide waren bereits Teil des Lohnunternehmens und konnten den bekannten Kundenstamm übernehmen. Ausserdem können sich zwei Unternehmer gegenseitig vertreten, Entscheidungen gemeinsam tragen und die Arbeitsbelastung aufteilen. Das ist den beiden wichtig. «Zudem haben wir beide eigenes Interesse daran, dass das Unternehmen läuft. Wir ziehen beide am Karren», sagt Adrian Bleuler.
Denn wie Ernst Mülli und Peter Kofel führen auch Adrian Bleuler und Manuel Romann nebst dem Lohnunternehmen noch einen Landwirtschaftsbetrieb. Adrian Bleuler hält 550 Mastschweine und betreibt Ackerbau. Manuel Romann hat Aussicht auf den Munimastbetrieb mit Ackerbau von seinen Eltern. Die Hofübernahme steht noch bevor.

Die Übergabe muss nicht kompliziert sein – aber sauber
Die Übergabe des Lohnunternehmens verlief bei Mülli-Kofel ziemlich unkompliziert. Ernst Mülli und Peter Kofel haben zusammen eine Preisliste für die Maschinen zusammengestellt, die Manuel Romann und Adrian Bleuler übernehmen konnten. «Die Preisvorstellung war sehr fair, weshalb wir zustimmten», sagt Adrian Bleuler. Finanziell gesehen war es für die beiden Nachfolger einfacher, einzelne Maschinen zu übernehmen, zumal das Maschinenkapital eines Lohnunternehmens doch einen beachtlichen Wert hat. Einen Teil des Betrages liessen die Vorgänger sogar als Darlehen stehen.
Gleich zur Übernahme gründeten die beiden Nachfolger eine GmbH. Ein wichtiger Grund dafür war für Adrian Bleuler die Absicherung: Landwirtschaftsbetrieb, Lohnunternehmen und Privatvermögen sollten sauber voneinander getrennt sein. Die Gründung haben die beiden als sehr einfach in Erinnerung. «Man musste nur sehr viel unterschreiben», erzählt Manuel Romann.
Einzig die Frage nach Einzel- oder Kollektivunterschrift gab noch kurz zu diskutieren. Manuel Romann und Adrian Bleuler entschieden sich für die Kollektivunterschrift, sodass sie gleichberechtigt sind. «Hier sehe ich das grösste Risiko bei der Gemeinschaft. Wenn wir uns mal nicht einig werden würden, geht gar nichts mehr», gibt Adrian Bleuler zu bedenken. Theoretisch hätten sie eine Drittperson als Schiedsrichter mit reinnehmen können, was sie aber als wenig sinnvoll erachteten.
Ernst Mülli findet es eine gute Idee: «Peter Kofel und ich hätten damals auch schon eine GmbH gründen sollen, weil wir immer weitergewachsen sind.» Somit konnten Adrian Bleuler und Manuel Romann die Maschinen über die GmbH kaufen und haben das Lohnunternehmen «AgriWe GmbH» gegründet. «Agri» steht für Agrardienstleistungen und «We» für Wehntal. «Uns war es wichtig, dass keine persönliche Namen und Ortschaften den Firmennamen dominieren», erklärt Adrian Bleuler.

Die Stunden müssen richtig zugeteilt werden
Die Übergabe und GmbH-Gründung war sehr einfach, dank frühzeitiger und offener Kommunikation von allen Beteiligten. «Geändert hat seit der Übergabe eigentlich nicht viel, ausser dass jetzt alle Kunden direkt Manuel oder mich anrufen», sagt Adrian Bleuler. Die beiden Vorgänger Ernst Mülli und Peter Kofel sind weiterhin im Stundenlohn angestellt und helfen tatkräftig im Lohnunternehmen mit.
Komplizierter ist die Abrechnung innerhalb des Lohnunternehmens. Die Strukturen sind sehr komplex, da Ernst Mülli und Peter Kofel auch nach der Pensionierung ihre Einzelfirma Mülli-Kofel weiterführen. Die Hauptarbeiten wie Pressen, Säen, Spritzen, Düngen, Transport und Futterhandel haben Adrian Bleuler und Manuel Romann übernommen.
Die Baggerarbeiten und einige Säarbeiten werden von Mülli-Kofel weitergeführt. Zudem hat Manuel Romann bereits einige Jahre vor der Geschäftsübernahme selbst eine eigene GmbH fürs Maissilieren gegründet. Auch diese führt er nebst der gemeinsamen GmbH weiter.
Die vielen verschiedenen Dienstleistungen und Beteiligungen verkomplizieren vor allem die Stundenabrechnung der Personen und Maschinen. Private Maschinen der Vorgänger sind weiterhin im Lohnunternehmen im Einsatz. Zum Beispiel sät Ernst Mülli morgens mit seinen eigenen Maschinen Zuckerrüben für einen privaten Kunden, danach presst er für einen Kunden von der AgriWe GmbH und am Abend fährt er noch mit dem Holzerkran für Mülli-Kofel. Arbeits- und Maschinenstunden sowie Treibstoff müssen sauber den einzelnen Posten zugeteilt werden. Manuel Romann und Adrian Bleuler versuchen, die einzelnen Leistungen konsequent zu dokumentieren.
Adrian Bleuler hat dafür im vergangenen Winter eine App entwickelt. «Die Software Agrarmonitor ist noch zu teuer und aus meiner Sicht nicht ganz für unser Unternehmen zugeschnitten. Deshalb habe ich eine eigene App kreiert.» In der App können alle Fahrer die für Kunden ausgeführten Aufträge erfassen, woraus Adrian Bleuler dann die Rechnungen erstellen kann. Das funktioniere sehr gut.
Einzig die Personalstundenabrechnung ist noch nicht vollständig integriert. Aber auch das ist mit der App möglich. «Nach der Entwicklung der App startete leider schon wieder die Saison, weshalb zu wenig Zeit für eine Einführung blieb», erzählt Adrian Bleuler.
Für ihn und Manuel Romann ist aber klar, dass sie bis Jahresende alle Posten korrekt mit ihren Vorgängern abrechnen möchten. «Am Ende geht es dann schon auf», sagt Ernst Mülli gelassen. Er und sein Partner Peter Kofel sind sehr kulant. «Uns ist es wichtig, dass bis Ende Jahr alles sauber abgerechnet wurde», sagt Adrian Bleuler.

«Bei uns darf man auch mal Ferien machen»
Mit der Übergabe haben sich auch die Verantwortlichkeiten verändert. Adrian Bleuler kümmert sich unter anderem um Büro, Rechnungen, Säen und Pflanzenschutz. Manuel Romann ist stärker für den Futterhandel und die Arbeiten rund ums Mais zuständig. Das Pressen teilen sie sich.
Für die tägliche Planung nutzen sie vor allem Whatsapp. Aufträge und Standorte werden konsequent in Chats eingetragen. Das hilft, den Überblick zu behalten und die rollende Planung zu organisieren. Gerade während der Saison kommen kurzfristige Änderungen dazu. Andere Arbeiten lassen sich bereits am Vorabend planen. So können sie weitgehend unnötige lange Strassenfahrten vermeiden, indem sie die Aufträge örtlich zusammenfassen.
Ernst Mülli erachtet diese Strategie als sinnvoll und wendet den Whatsapp-Chat ebenfalls an.
Was ebenfalls neu ist: «Bei uns darf man Ferien machen», sagt Adrian Bleuler und lacht. Bei Mülli-Kofel wurden Ferien noch nicht so ernst genommen. Die Nachfolger versuchen das besser zu machen.
Adrian Bleuler hat deshalb die Idee, eine Geschäftsnummer anzuschaffen. So können die Kunden beim Telefonat je nach gewünschter Dienstleistung entweder Adrian Bleuler oder Manuel Romann wählen. Bei Ferienabwesenheiten könnten sie das Telefon entsprechend umleiten.
«Ohne Ernst und Peter sind wir im Seich»
Die beiden Nachfolger jonglieren zwischen Familie, Stall, Ackerbau, Lohnunternehmen und anderen Ämtlis. Das Gespräch erweckt den Eindruck, als hätte ihr Tag mehr als 24 Stunden bei so vielen verschiedenen Arbeitsposten. Sie wissen aber die Mitarbeit ihrer Vorgänger sehr zu schätzen. «Wenn uns Ernst Mülli und Peter Kofel einmal nicht mehr unterstützen können, dann sind wir im Seich», wissen die beiden. Personalfindung ist eine grosse Herausforderung bei Lohnunternehmen. «Wir sind zu klein für einen Vollzeitangestellten, haben aber viele saisonal intensive Arbeiten mit technisch hochstehenden Maschinen», erklärt Manuel Romann. Das erschwert es, jemanden temporär einzuarbeiten.
Die Übergabe ist geschafft. Themen wie Personal und Arbeitszeiterfassung bleiben zwei Herausforderungen, welche die Jungunternehmer noch lösen müssen. Das Beispiel zeigt, dass eine ausserfamiliäre Übergabe an zwei langjährige Mitarbeiter funktionieren kann, wenn gegenseitiges Vertrauen da ist.

