Kurz & bündig
- Bei Saatkartoffeln entscheidet der richtige Zeitpunkt der Krautvernichtung über Kaliber und Vermarktung. - Im Biolandbau erfolgt die Krautvernichtung meist durch Krautschlagen und anschliessendes Abflammen. - Wüchsiges Wetter und nasse Böden können den optimalen Einsatzzeitpunkt erschweren.
Es ist Hochsommer. Die Kartoffelpflanzen stehen noch grün auf dem Feld, die Temperaturen sind hoch und immer wieder ziehen Gewitter über die Region. Eigentlich wachsen die Bestände hervorragend. Für viele Kulturen wäre das eine erfreuliche Situation. Für Elmar Fasel bedeutet ein solches Wetter jedoch vor allem eines: höchste Aufmerksamkeit.
Denn bei seinen Saatkartoffeln entscheidet oft ein Zeitfenster von wenigen Tagen darüber, ob die Knollen das gewünschte Kaliber erreichen oder zu gross werden. Gleichzeitig darf der Boden nicht zu nass sein, damit man mit den Maschinen auf den Acker fahren kann. Ist der richtige Zeitpunkt gekommen, müssen Krautschläger und Abflammgerät einsatzbereit sein. Denn wenn das Kaliber überschritten wird, ist der Saatgutmarkt verloren.

6 Hektaren Kartoffeln auf einem vielseitigen Biobetrieb
Der Betrieb von Elmar Fasel bewirtschaftet rund 48 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche. Neben Saat- und Speisekartoffeln werden Karotten, Soja, Weizen, Gerste, Hafer und Ackerbohnen angebaut. Hinzu kommen Weideflächen für rund 80 Weiderinder. Zudem bildet der Betrieb einen Lernenden aus.
Auf insgesamt 6 Hektaren baut Fasel Kartoffeln an. Als Saatkartoffelsorte steht Vitabella im Feld, bei den Speisekartoffeln setzt er auf Sound und Lady Jane. Die Saatkartoffeln liefert er an die Speise- und Saatkartoffelzentrale Düdingen AG (Spesag), während die Speiseware über Inoverde vermarktet wird.
Für den Biobetrieb stellt insbesondere die Krautvernichtung eine Schlüsselarbeit dar. Während bei Speisekartoffeln häufig ein einmaliger Arbeitsgang genügt, ist das Verfahren bei Saatkartoffeln deutlich anspruchsvoller.
Betriebsspiegel der Familie Fasel
Elmar Fasel, Tafers FR LN: 48 ha Kulturen: Saat-, Speisekartoffeln, Karotten, Weizen, Gerste, Hafer, Ackerbohne, Soja, Weide Tierbestand: 80 Weiderinder Arbeitskräfte: Ein Lernender
Saatkartoffeln verlangen Präzision
Im Gegensatz zu Speisekartoffeln werden Saatkartoffeln bereits in einem vergleichsweise jungen Entwicklungsstadium terminiert. Entscheidend sind das gewünschte Kaliber und der Befall durch Blattläuse, die Viren übertragen können.
«Sobald das Kaliber erreicht ist oder der Blattlausdruck zu hoch wird, müssen wir reagieren», erklärt Elmar Fasel.
Je nach Sorte liegt das angestrebte Kaliber meist bei rund 30 bis 50 Millimetern. Werden die Knollen grösser, können sie nicht mehr als zertifiziertes Saatgut verkauft werden. Zwar lassen sie sich noch als Speisekartoffeln vermarkten oder als eigenes Pflanzgut verwenden, für den Saatgutmarkt sind sie jedoch verloren.
Auch die Stickstoffversorgung spielt dabei eine wichtige Rolle. Zu hohe Stickstoffgehalte fördern ein starkes Krautwachstum. Dadurch wachsen die Pflanzen länger weiter oder treiben nach der Krautvernichtung erneut aus. Ein unerwünschter Effekt im Saatkartoffelanbau.

Zwei Arbeitsgänge für ein Ziel
Bei den Saatkartoffeln setzt Elmar Fasel auf ein Verfahren, das im Biolandbau weitverbreitet ist: mechanisches Krautschlagen kombiniert mit Abflammen.
Im ersten Schritt wird das Kraut mit dem eigenen Krautschläger entfernt. Dabei bleiben etwa 10 Zentimeter hohe Stoppel stehen. Da die Pflanzen mitten im Sommer noch voll im Saft stehen, würden diese ohne weitere Massnahmen wieder austreiben. Zwei bis drei Tage später folgt deshalb das Abflammen. Ein befreundeter Landwirt übernimmt diese Arbeit mit einem speziellen Gerät, das mit Gasbrennern arbeitet. Durch die Hitze werden die Pflanzenzellen zerstört und der Nachtrieb verhindert.
Ein zusätzlicher Nebeneffekt: Auch ein Teil der vorhandenen Unkräuter wird durch die Hitze geschädigt.
Mit dem Krautschläger schafft Fasel etwa eine Hektare pro Stunde. Das Abflammen beansprucht ungefähr gleich viel Zeit. Insgesamt rechnet er mit rund zwei Arbeitsstunden pro Hektare für die Krautvernichtung.
Bei Speisekartoffeln genügt oft der Krautschläger
Anders präsentiert sich die Situation bei Speisekartoffeln. Da diese bis zum Ende der Vegetationsperiode auf dem Feld bleiben, stirbt das Kraut häufig bereits natürlich ab.
Hier genügt meist ein Einsatz mit dem Krautschläger. Die Krautvernichtung soll vor allem die Schalenfestigkeit fördern und verhindern, dass abgestorbenes Kraut später den Kartoffelroder verstopft.
Bis zur Ernte bleiben die Knollen noch einige Zeit im Boden. Während Saatkartoffeln rund fünf Wochen zur vollständigen Abreife benötigen, reichen bei Speisekartoffeln in der Regel zwei bis drei Wochen.
Abflammen erfordert Fingerspitzengefühl
Das Abflammgerät funktioniert im Prinzip wie ein umgedrehter Gasgrill. Die grosse Gasflasche befindet sich vorne am Traktor, darunter erzeugen mehrere Brenner die nötige Hitze. Die Methode verlangt jedoch Fingerspitzengefühl. Besonders bei trockenen Bedingungen besteht Brandgefahr. Angrenzende Wiesen oder Getreidefelder können rasch in Mitleidenschaft gezogen werden. Ideal sind deshalb Einsätze nach leichtem Regen oder frühmorgens, wenn noch Tau auf den Pflanzen liegt.

Wie wichtig eine gute Vorbereitung ist, zeigte ein Vorfall auf dem Betrieb von Elmar Fasel. Bei hoher Luftfeuchtigkeit blieb der Rauch eines Abflammvorgangs längere Zeit in Bodennähe hängen. Besorgte Anwohner vermuteten einen Brand und alarmierten gleich zweimal die Feuerwehr.
«Das ist unangenehm für alle Beteiligten. Deshalb informieren wir die Feuerwehr heute lieber vorgängig», sagt Fasel.
Für ihn gehört die Kommunikation mittlerweile ebenso zur Arbeit wie die eigentliche Krautvernichtung.
Wüchsiges Wetter kann zum Problem werden
Besonders anspruchsvoll gestaltet sich die Situation bei Frühkartoffeln. Ausgerechnet Jahre mit guten Wachstumsbedingungen können Schwierigkeiten verursachen. Auch wenn Elmar Fasel selber keine Frühkartoffeln anbaut, kennt er die Problematik. «Wenn immer wieder Regen kommt und gleichzeitig hohe Temperaturen herrschen, wachsen die Kartoffeln fast zu gut», so Elmar Fasel.
Das Problem: Die Knollen erreichen unter solchen Bedingungen rasch ein zu grosses Kaliber. Gleichzeitig lassen nasse Böden oft keine Befahrung zu. Der Krautschläger arbeitet mit lediglich 3 Metern Arbeitsbreite und verursacht entsprechend viele Überfahrten. Auch das schwere Abflammgerät sollte nicht auf zu feuchten Böden eingesetzt werden.
Wer trotzdem fährt, riskiert Bodenverdichtungen, die später bei der Ernte zusätzliche Probleme verursachen können.
Gerade bei grösseren Flächen können wenige ungünstige Wochen erhebliche wirtschaftliche Folgen haben.
Krautschläger und Abflammen statt Herbizide
Früher wurde im konventionellen Kartoffelbau häufig direkt mit Reglone gearbeitet. Bereits einen Tag nach der Behandlung waren die Stauden abgestorben. Reglone ist ein Blattherbizid mit dem Wirkstoff Diquat und ist aufgrund seiner Toxizität seit 2022 verboten.
Heute kommen andere Mittel zum Einsatz. Dazu gehört beispielsweise das nichtsystemische Kontaktmittel Siplant auf Basis natürlicher Fettsäuren. Für Elmar Fasel stellt sich diese Frage allerdings kaum.

«Für uns als Biobetrieb gibt es praktisch keine Alternative zum Krautschläger und zum Abflammen»
Frühere Versuche mit sogenannten Krautzupfmaschinen hätten sich in der Region nicht durchgesetzt. Diese zupfen das Kraut mit einer Vorrichtung aus dem Boden. Die Technik stammt aus den Niederlanden und scheint unter den hiesigen Bedingungen und in Hanglagen weniger geeignet zu sein.
Wetter und Timing bestimmen den Erfolg
Die Krautvernichtung gehört im Biokartoffelbau zu den entscheidenden Arbeiten des Jahres. Gerade im Saatkartoffelanbau sind Präzision und der richtige Zeitpunkt ausschlaggebend. Mechanisches Krautschlagen und Abflammen haben sich auf dem Betrieb von Elmar Fasel bewährt.
Letztlich zeigt die Praxis: Gute Wachstumsbedingungen sind willkommen. Im Saatkartoffelanbau stellen sie jedoch hohe Anforderungen an das Timing, da die Knollen rasch das gewünschte Kaliber überschreiten und nasse Böden die Befahrbarkeit erschweren können.
Saat- und Speisekartoffeln: gleiche Kultur, unterschiedliche Ziele
Obwohl Saat- und Speisekartoffeln auf den ersten Blick gleich aussehen, unterscheiden sich die Anforderungen im Anbau deutlich. Bei Saatkartoffeln steht nicht der Ertrag im Vordergrund, sondern die Produktion von gesundem Pflanzgut mit dem richtigen Kaliber. Deshalb werden die Bestände bereits relativ früh terminiert. Sobald die gewünschte Knollengrösse erreicht ist oder der Druck durch virusübertragende Blattläuse zunimmt, wird das Kraut entfernt. Anschliessend benötigen die Knollen noch rund fünf Wochen zur vollständigen Abreife. Speisekartoffeln hingegen bleiben in der Regel länger auf dem Feld. Ziel sind ein möglichst hoher Ertrag und eine gute Qualität für den Verzehr. Die Krautvernichtung dient hier vor allem dazu, die Schalenfestigkeit zu fördern und die Ernte zu erleichtern. Oft genügt dafür ein einmaliger Einsatz mit dem Krautschläger. Nach zwei bis drei Wochen können die Knollen geerntet werden. Während bei Speisekartoffeln einige Millimeter mehr oder weniger kaum ins Gewicht fallen, kann ein zu grosses Kaliber bei Saatkartoffeln den Verlust des eigentlichen Absatzmarktes bedeuten.

