Warum 2026 Weizen deklassiert wird, obwohl bis aufs Protein alles stimmt

Die Deklassierungen stossen auf Unverständnis, stellt der Schweizerische Getreideproduzentenverband (SGPV) fest. Er erklärt die Gründe und stellt eine finanzielle Abfederung für die Betroffenen in Aussicht.

Feuchtigkeit, Hektolitergewicht, Fallzahl und Mykotoxin-Belastung – alles prima. Und trotzdem wird das Brotgetreide deklassiert, weil der Proteingehalt zu tief ist. So erging es einigen Landwirt(innen) während der Ernte 2026, die sich derzeit dem Ende zuneigt. «Diese Deklassierungen stiessen bei manchen Produzenten auf Unverständnis», teilt der Schweizerische Getreideproduzentenverband (SGPV) mit. Daher liefert der Verband eine Reihe von Erklärungen.

Durchschnittlich 1,5 Prozent weniger Protein im Korn

Grund für die tiefen Proteingehalte bei sonst häufig ausgezeichneten Qualitätsmerkmalen seien demnach die schlechte Stickstoffaufnahme im Frühling aufgrund ausbleibender Niederschläge sowie die enorme Hitze. Letztere habe die normale Reifung der Pflanzen behindert und dazu geführt, dass sie auf dem Feld verdorrten.

Die Proteingehalte liegen laut SGPV heuer im Durchschnitt 1,5 Prozent unter dem Vorjahreswert. Einige Lieferungen erreichten nicht die seit diesem Jahr geltenden neuen Grenzwerte. Diese betragen mit dem frisch in Kraft getretenen Proteinzahlungssystem 12 Prozent für TOP und jeweils 11 Prozent für die Klassen I und II ausgangs Sammelstelle.

Gründe für die Empfehlung zur Deklassierung

«Der SGPV empfahl den Sammelstellen am 24. Juni, ab der Ernte Lieferungen unter 11 Prozent als Futtergetreide zu deklassieren», heisst es in der Mitteilung weiter. Dies, weil folgende Faktoren einen negativen Einfluss auf die Preisentwicklung am Brotgetreidemarkt erwarten liessen:

Volle Lager: Vor der Ernte lagen über 130 000 t Getreide in den Lagern. Um die Preise zu stützen sowie Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht zu bringen, seien Deklassierungen unvermeidlich gewesen. Angesichts der Ernteschätzungen beziffert der SGPV diese mit mindestens 50 000 t.

Sammelstellen entlasten: Die hohen Lagerbestände machten Logistik und Lagerung der neuen Ernte zur Herausforderung. Die Deklassierungen direkt während der Ernte sollten dazu beitragen, die Arbeit der Sammelstellen zu vereinfachen und die Kosten – insbesondere für Lagerung und Transport – zu senken.

Futtergetreidemarkt: Die deklassierten Mengen könnten dort «problemlos und schnell» aufgefangen werden.

Nachfrage: Verarbeiter fragen weniger Brotgetreide nach. Das liegt gemäss SGPV an einem Rückgang der Fertigprodukt-Exporte und einem Anstieg der Importe von verarbeiteten Backwaren.

Qualität: Gefragt sei Qualitätsgetreide mit hohem Proteingehalt. Bei einem Überangebot müssten die Chargen mit zu geringem Proteingehalt vom Markt genommen werden, auch wenn die restlichen Qualitätskriterien erfüllt wären.

Beitrag und tiefere Annahmegebühren bei Deklassierung

Um die finanziellen Auswirkungen für jene Produzenten, die von diesen Deklassierungen betroffen sind, abzumildern, wird der SGPV nach eigenen Angaben einen Beitrag von 8 Fr./100 kg auszahlen. Auf die deklassierten Posten würden zudem die Beiträge und Annahmegebühren für Futtergetreide (12 Rp./100 kg Verbandsbeiträge) erhoben anstelle jener für Brotgetreide.

«Anschliessend gilt es, eine endgültige Bilanz der Ernte 2026 zu ziehen und zu entscheiden, ob weitere Deklassierungen erforderlich sein werden», schreibt der SGPV. Ziel sei es, die für die Ernte 2026 festgelegten Richtpreise zu erreichen.

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