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Landwirt Beat Mathys setzt beim Kartoffelbau auf modernste Technik

Trockenheit, Krankheiten und steigende Kosten machen es zunehmend schwieriger, stabile Kartoffelerträge zu erzielen. Landwirt Beat Mathys ist dennoch überzeugt, dass Kartoffeln dank einer durchdachten Anbaustrategie Geld bringen.

Kurz & bündig

- Beat Mathys hat rund 30 Jahre Erfahrung im Kartoffelbau. Neben dem Kartoffelbau auf seinem Betrieb führt er ein Lohnunternehmen, das auf den Anbau von Kartoffeln spezialisiert ist. - Bei den Kartoffeln setzt Mathys mit dem All-in-one-Setzgerät und der Unterfussdüngung auf modernste Technik.

«Bereits meine Grosseltern haben Kartoffeln angebaut. Sie waren damals die Ersten, welche in der Region Saatkartoffeln angebaut haben, und wurden zuerst ausgelacht, weil sie so kleine Kartoffeln ernteten», sagt Landwirt und Lohnunternehmer Beat Mathys aus Cressier FR und lacht.

Beat Mathys bringt viel Wissen und fast 30 Jahre Praxiserfahrung im Kartoffelbau mit. 1997 ist er eingestiegen. In dieser Zeit hat sich auf dem Betrieb viel getan. Mathys produziert auf seinem Betrieb jährlich bis zu 30 Hektaren Saat-, Industrie- und Speisekartoffeln. Ausserdem führt er ein Lohnunternehmen, welches auf den Kartoffelbau spezialisiert ist und jährlich rund 100 Hektaren Kartoffeln anpflanzt, erntet und sortiert.

Beat Mathys setzt im Kartoffelbau mit dem All-in-one-Setzgerät und der Unterfussdüngung auf modernste Verfahren. Zudem hat er seit 2023 einen autonomen Feldroboter auf seinem Betrieb (siehe «die grüne», Ausgaben 2/2024 und 9/2024).

Kartoffeln sind eine sehr arbeitsintensive, aber auch risikoreiche Kultur und stellen hohe Anforderungen an Personal und Technik.
Kartoffeln sind eine sehr arbeitsintensive, aber auch risikoreiche Kultur und stellen hohe Anforderungen an Personal und Technik.

Saatbettbereitung, Setzen und Dammformung in einem Gang

Auf seinem eigenen Betrieb baut Beat Mathys hauptsächlich die Frites-Sorten Agria und Innovator an, im Bereich der Chips-Sorten Beyonce sowie Thalessa. Seit diesem Jahr baut er bei den Saatkartoffeln mehrheitlich die Sorte Agria an. Die Produktion von Agria-Saatkartoffeln ist in der Praxis nicht wirklich beliebt, da die gewünschten Stückzahlen häufig nicht erreicht werden. Durch die Unterfussdüngung soll sich das aber verbessern.

Bei der Fruchtfolge achtet Mathys darauf, die Kartoffeln möglichst nach einjähriger Kunstwiese anzubauen. Der Anbau nach Kunstwiese ist ideal, da der Boden gut mit Stickstoff versorgt ist. «Die Verwurzelung ist dadurch sehr gut», weiss Mathys. Die Anbauflächen kann Mathys zudem mit drei Betrieben aus der Umgebung, die alle keine Kartoffeln anbauen, abtauschen. Das erleichtert die Planung der Anbauflächen, damit auch die Anbaupause von vier Jahren eingehalten werden kann.

Beat Mathys setzt seit 2007 ein All-in-one-Setzgerät ein. Die Saatbettbereitung, das Setzen und die Dammformung erfolgen dabei in einem Gang. Die grossen Vorteile sind schnelleres und präziseres Arbeiten, zudem sind weniger Überfahrten nötig. Pro Stunde können mit dem All-in-one-Setzgerät gut 0,75 Hektaren Kartoffeln gesetzt werden. «Vor grossem Regen macht es keinen Sinn zu setzen. Nach dem Setzen sollte der Boden ein bis zwei Tage abtrocknen können», weist Mathys hin. In der Regel beginnt er Anfang April mit dem Setzen.

Auf das Vorkeimen verzichtet der Landwirt. «Vorkeimen ist mit diesen Mengen gar nicht machbar. Mit dem All-in-one-Setzgerät fallen die Triebe ausserdem ab», erklärt er. Das Vorkeimen bringe dann etwas, wenn ein halb automatisches Setzgerät verwendet werde, bei welchem die Triebe während des Setzens nicht oder kaum beschädigt würden. Ohne das Vorkeimen dauert der Feldaufgang zwar ein wenig länger, ist dafür aber auch gleichmässiger.

Beim All-in-one-Setzgerät erfolgen die Saatbettbereitung, das Setzen und die Dammformung in einem Gang.
Beim All-in-one-Setzgerät erfolgen die Saatbettbereitung, das Setzen und die Dammformung in einem Gang.

Unterfussdüngung bei All-in-one-Setzgerät aufgebaut

Beat Mathys kombiniert das Setzen seit vier Jahren mit der Unterfussdüngung. Diese wurde beim bestehenden Setzgerät aufgebaut. Der Dünger gelangt dabei direkt an die Wurzel. Vorteile dieser Kombination sind:

  • Pflanzung und Düngung werden kombiniert: Mehrere Arbeitsschritte entfallen komplett, da Pflanzung und Düngung in einem Schritt erfolgen.
  • Bessere Nährstoffversorgung: Die Knollen erhalten sofort die richtigen Nährstoffe, was für ein gesundes Wachstum sorgt.
  • Einfacher Aufbau der Dämme: Von Anfang an wird genügend Erde aufgetragen, wodurch kein späteres Anhäufeln mehr notwendig ist.
  • Höhere Effizienz: Das Verfahren spart Zeit, Diesel und Arbeitskräfte und ist somit ideal für grosse Flächen und enge Zeitfenster.
  • Stabile Erträge: Landwirte berichten von gleichmässigen Beständen und sicheren Erträgen, auch in schwierigen Jahren.

Durch die Unterfussdüngung kann ein Mehrertrag von bis zu 20 Prozent erreicht werden.

Im Kartoffelbau verwendet Beat Mathys vor allem Kunstdünger, der vor und während des Setzens ausgebracht wird. Im Bereich der Lohnarbeiten organisieren die jeweiligen Landwirte den Dünger selbst.

Beat Mathys arbeitet bei seinen Kartoffeln mit den folgenden Düngenormen (können sich je nach Sorte leicht unterscheiden):

  • N: 80 bis 120 Einheiten
  • P: 100 Einheiten
  • K: 350 Einheiten

Besonders bei der Phosphordüngung sieht Beat Mathys einen grossen Vorteil durch die Unterfussdüngung. Phosphor setzt er in Form von Diammonphosphat ein. «Phosphor ist für die Jugendentwicklung sehr wichtig. Da dieser aber sehr träge im Boden ist, kann er sich nicht gut verschieben», erklärt der Landwirt. Mithilfe der Unterfussdüngung gelangt der Phosphor direkt an die Wurzel.

Stickstoff setzt Mathys eher sparsam ein. «Gerade bei der Sorte Agria sollte man mit dem Stickstoff nicht übertreiben. Zu viel kann sich negativ auf die Lagerfähigkeit auswirken, da die Kartoffeln schneller schrumpelig werden», weiss er aus Erfahrung. Genügend Kalium ist wichtig für das Abreifen und die Schalenfestigkeit während der Lagerung.

Landwirt und Lohnunternehmer Beat Mathys hat für seinen Betrieb eine Strategie gefunden, mit der er im Kartoffelbau gute Erträge und weniger Schwankungen erlebt.
Landwirt und Lohnunternehmer Beat Mathys hat für seinen Betrieb eine Strategie gefunden, mit der er im Kartoffelbau gute Erträge und weniger Schwankungen erlebt.

Bodensonden für den richtigen Bewässerungszeitpunkt

Beat Mathys bewässert den grossen Teil (rund 70 %) seiner Kartoffelflächen. Bewässert wird von Anfang Juni bis Mitte August. Mathys arbeitet mit Bodensonden, mit denen er den richtigen Zeitpunkt für den Bewässerungsstart bestimmt. «Hier in der Region sind die Böden sehr unterschiedlich, was den Wasserhaushalt anbelangt. Die Bodensonden geben mir einen Anhaltspunkt, wo ich mit der Bewässerung anfangen sollte», sagt er.

Das Wasser stammt aus dem Schiffenensee, wobei für die Entnahme eine Lizenz erforderlich ist. Die Parzellen werden während der Bewässerungszeit einmal wöchentlich mit einem Bewässerungsrollomat bewässert. Dabei werden pro Gabe rund 30 mm Wasser verteilt.

Beat Mathys setzt auf eine kontinuierliche Bewässerung in den heissen Monaten, betont aber auch die Wichtigkeit des Pflanzenschutzes: «Nur mit der Bewässerung alleine ist es nicht gemacht. Man muss die Pflanzen gleichzeitig auch vor Krankheiten wie Krautfäule und Alternaria schützen.»

2024 war ein schwieriges Kartoffeljahr. Mathys berichtet von durchschnittlichen Ertragsausfällen in der Höhe von 20 bis 80 Prozent, je nach Sorte und Parzelle. Dies mehrheitlich durch die Kraut- und Knollenfäule. «Im Kartoffelbau stehen immer weniger Wirkstoffe zur Verfügung, vor allem im Bereich der Kontaktstoffe», sagt Mathys zu den Herausforderungen.

Damit die Pflanzen gut geschützt sind, braucht es gute Kenntnisse über die verfügbaren Pflanzenschutzmittel, um diese möglichst ideal zu kombinieren. Um Resistenzen möglichst vorzubeugen, wechselt Mathys den Wirkstoff bei jeder zweiten Behandlung.

Die Krautfäule führte besonders im Jahr 2024 zu grossen Ernte-ausfällen bei den Kartoffeln.
Die Krautfäule führte besonders im Jahr 2024 zu grossen Ernte-ausfällen bei den Kartoffeln.

Zu hohe Bodentemperaturen begünstigen Lagerverluste

Das Kraut wird vor der Ernte mit einer Spritzung reguliert. Wichtig dabei ist laut Mathys, dass das Kraut vorher von selber abreifen kann. Das ist besonders wichtig für die Schalenfestigkeit und Lagerfähigkeit.

Idealerweise erfolgt die Ernte der Lagerkartoffeln bei Bodentemperaturen von 10 bis 15 Grad, das ist bei den Parzellen von Beat Mathys ab Mitte September. Bei Bodentemperaturen über 20 Grad können Probleme bei der Lagerung auftreten. «Faule Knollen in Kombination mit warmen Temperaturen können zum Verlust von ganzen Posten führen. Dann bringen auch Kühlanlagen nicht mehr viel», so Beat Mathys. Die natürlichen Lagerverluste, die durch die Zellatmung entstehen, liegen etwa bei 5 bis 10 Prozent, gegen Mai hin eher bei 10 Prozent.

Die Kartoffeln werden bei Beat Mathys in Paloxen gelagert. Die Einlagerung mittels Hallenfüller wäre auch möglich, das erfordere aber eine höhere Sortenspezialisation.

Personal zu finden, unter anderem für das Verlesen und Sortieren, wird immer schwieriger. Für das Verlesen und Sortieren kann sich Beat Mathys gut vorstellen, in Zukunft in eine optische Sortieranlage zu investieren, die Kartoffeln nach Gewicht und Grösse sortiert.

Beat Mathys hat für seinen Betrieb eine Strategie gefunden, mit der er gute Erträge und weniger Schwankungen erlebt, auch in herausfordernden Kartoffeljahren. Sein Fazit: «Im Kartoffelbau gibt es stets etwas zu diskutieren. Doch wer es gut macht, kann durchaus Geld verdienen.»

Betriebsspiegel der Familie Mathys

Beat und Elzbieta Mathys, Cressier FR LN: 87 ha Kulturen: Kartoffeln, Raps, Weizen, Gerste, Natur- und Kunstwiesen Tierbestand: 60 Milchkühe Weitere Betriebszweige: Lohnunternehmen mit Spezialisierung auf Kartoffelbau, PV-Anlage 200 kWh Arbeitskräfte: Beat Mathys, 2 Lehrlinge, 1 Vollzeitangestellter, 10 Teilzeitangestellte www.mathys-lato.ch

Fruchtfolge, Sortenwahl, Düngung, Feldaufgang, Pflanzenschutz, Bewässerung, Krautregulierung sowie Ernte und Lagerung sind zentrale Stellschrauben, welche die Wirtschaftlichkeit massgeblich beeinflussen können.
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