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Endlich Regen – bei der Düngung ist Zurückhaltung angesagt

In Ackerböden und Grünland setzt die Feuchtigkeit Nährstoffe frei. Hinzukommt Dünger, der nicht wie üblich aufgenommen wurde.

Der Regen scheint zurück zu sein. Meteo Schweiz schreibt sogar, die Chancen stünden gut, dass die letzte Augustwoche deutlich niederschlagsreicher als üblich ausfallen werde. Vielleicht kehrt damit auch wieder etwas mehr Normalität in den Pflanzenbau zurück, der die letzten Wochen von Hitze und Trockenheit gelähmt war. Die Dürre hat aber sowohl über- als auch unterirdisch Spuren hinterlassen, die es bei der Düngung zu beachten gilt.

Kümmerliche Pflanzen haben weniger Nährstoffe aufgenommen

«Die Trockenheit hat das Pflanzenwachstum bei den meisten Kulturen stark gebremst und damit wurden auch weniger Nährstoffe aufgenommen», sagt Manuel Baur vom Fachbereich Düngung und Nährstoffmanagement beim Strickhof. Das gelte insbesondere für spät gesäten Mais, bei dem es stellenweise massive Ertragseinbussen gebe. «Wenn dieser Mais normal gedüngt worden ist, bleibt einiges an Stickstoff aus der Düngung übrig», schildert Baur.

Viel Stickstoff freigesetzt dank Birch-Effekt

Zusätzlich trete der sogenannte Birch-Effekt ein: Wenn stark ausgetrocknete Böden wieder angefeuchtet werden, kommt es zu einem sprunghaften Anstieg der Mineralisation und es wird Stickstoff freigesetzt. «Den Birch-Effekt kennt man vor allem aus Australien oder aus den Tropen, wo es ausgeprägte Wechsel zwischen Trockenheit und Feuchte gibt», bemerkt Manuel Baur.

Aktuelle Studien von Agroscope würden den Effekt aber auch für Schweizer Verhältnisse belegen. Das gelte grundsätzlich ebenso fürs Grünland und unabhängig davon, ob Schnitte ausgefallen sind. «Dieser Effekt wird natürlich verstärkt, wenn vor der Dürre Dünger ausgebracht worden ist und die Pflanzen kaum gewachsen sind», ergänzt der Berater. Es gehe vor allem um Stickstoff, da dieser Nährstoff der Mineralisierung unterliegt und seine Freisetzung stark von der mikrobiellen Aktivität im Boden abhängt. «Es können zwar ebenso relevante Mengen an Phosphor freigesetzt werden – diese sind jedoch kaum mobil im Boden und werden schnell wieder festgelegt», so Manuel Baur.

Grössere Mengen nach Raps und Weizen

Es schlummern demnach bisher ungenutzte Nährstoffe bzw. durch den Regen neu freigesetzte im Boden. Das gelte auch für Raps, obwohl diese Kultur weniger von der anhaltenden Trockenheit betroffen war als vielerorts der Mais. «Raps hinterlässt grundsätzlich hohe Stickstoffmengen nach der Ernte im Boden», hält Manuel Baur fest. Hier wäre er mit einer Düngung der folgenden Zwischenfrucht generell sehr zurückhaltend.

Und wie sieht es beim Weizen aus, wo die Erträge noch mehrheitlich gut ausgefallen sind? «Ich habe dieses Jahr bei Weizen nach der Ernte auch bis zu 100 kg/ha Nmin im Boden gefunden, obwohl die Erträge kaum geringer waren als im Vorjahr», schildert Baur. «Normalerweise würde ich etwa 50 kg/ha Nmin erwarten.» 

Gute Erträge sind keine Garantie, dass vorhandene bzw. ausgebrachte Nährstoffe aufgebraucht sind. «Deswegen empfehle ich allgemein Zurückhaltung bei der Düngung von Zwischenkulturen, da sie den Sinn haben, im Boden vorhandenen Stickstoff zu binden, damit er nicht ausgewaschen wird», fasst der Berater zusammen.

Kein pauschales Rezept, aber Zwischenfrüchte sind sinnvoll

Die Lage sei aber von Betrieb zu Betrieb anders und es gebe kein pauschales Rezept. Ebenso wenig eine allgemeine Formel, um abzuschätzen, welche Nährstoffe in welcher Menge jetzt noch im Boden stecken. «Wenn man aber seine Erträge kennt, kann man aus der Differenz zwischen Ertrag und Ertragserwartung in etwa ableiten, wie viel des Stickstoffs aus der Düngung im Boden geblieben ist», sagt Manuel Baur. Wer es genau wissen wolle, könne eine Nmin-Beprobung vornehmen.

In Anbetracht der verbreiteten Futterknappheit lautet die Empfehlung, nach Möglichkeit auf allen infrage kommenden Flächen Zwischenfutter anzubauen. Früh etablierte Bestände von Zwischenfrüchten können gemäss Manuel Baur je nach Kultur erhebliche Mengen Stickstoff – zum Teil über 100 kg – binden und den zu erwartenden N-Schub somit etwas abfangen.

Gefahr, dass Raps und Gerste zu üppig werden

Mit Blick auf die Herbstdüngung bei Gerste und Raps rät Manuel Baur ebenso zur Zurückhaltung wie bei der Düngung von Zwischenfrüchten. «Ich würde eher vorsichtig sein», meint er. In den vergangenen, ausgesprochen trockenen Sommern wie beispielsweise 2022 im deutschen Baden-Württemberg und darauffolgenden wettertechnisch normalen Herbsten habe sich nämlich gezeigt, dass Raps und Gerste zum Teil zu üppig in den Winter gegangen sind. «Obwohl sie keine Düngung erhalten haben», stellt Baur klar. Dieser Effekt könnte sich seiner Einschätzung nach auch 2026 zeigen.

Grünland moderat mit Gülle düngen

Wenn wieder mehr Wasser zur Verfügung steht, dürfte sich dem Berater zufolge etabliertes Grünland allgemein und insbesondere Gräser gut erholen – sofern sie nicht zu stark von der Trockenheit geschädigt sind. «Falls es ausreichend Niederschlag gibt, zeigt Grünland nach einer Trockenphase noch einmal einen deutlichen Wachstumsschub», so Manuel Baur. In dieser Phase würden die Bestände Nährstoffe aufnehmen, weshalb er eine moderate Gülledüngung vertretbar fände.  

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