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Wenn die Gülle trotz Dürre weg muss: «Möglichst stark verdünnt und wenig ausbringen»

Wo es noch ein wenig grün ist, richtet Gülle aktuell am wenigsten Schaden an. Berater Simon Jöhr rät aber zu genereller Vorsicht mit Düngen: Wenn der Regen kommt, dürften Nährstoffe en masse freigesetzt werden.

Während auf Feldern und Wiesen quasi Stillstand herrscht, füllen sich vielerorts die Güllegruben. Nach guter landwirtschaftlicher Praxis und nach Vorschrift sollte Gülle nicht auf ausgetrocknete Böden ausgebracht werden. Aber was tun, wenn keine Lagerkapazität mehr übrig ist?

Verdünnung umso wichtiger ohne Aufbereitung

«Wo es noch etwas grün ist, wäre Gülle jetzt am besten platziert», sagt Simon Jöhr, Berater am Inforama Waldhof und bei Regenerativ Schweiz. Er empfiehlt, die Gülle so stark wie möglich zu verdünnen, «mindestens 1:3». Eine starke Verdünnung sei umso wichtiger, wenn die Gülle nicht aufbereitet wurde.

Denn die Aufbereitung mache den Dünger weniger aggressiv und somit besser verträglich. Davon profitiere allerdings vor allem, wer seine Gülle bereits vorher jeweils aufbereitet hat. «Pflanzenkohle als Güllezusatz braucht z. B. 14 Tage, bis sie aufgeladen ist», gibt Jöhr zu bedenken.

Das absolute Minimum, um das Lager zu entlasten

Zur Reduktion von Ammoniakemissionen bieten sich die kühleren Morgenstunden zum Ausbringen an. Gut wäre etwas Regen davor und etwas danach, was in der aktuellen Wetterlage aber Wunschdenken zu sein scheint. «Bei uns im Emmental gab es Gewitter mit 50 mm innert kürzester Zeit, da ist Gülleführen sowohl davor als auch danach schwierig», schildert Simon Jöhr.

Aufgrund der jetzigen Bedingungen sollte seiner Meinung nach nur das absolute Minimum an Gülle ausgebracht werden – vielleicht 10–12 m³, um die Lagerkapazitäten zu entlasten. Nicht zuletzt, um keine «Unkrautkatastrophe» auf Ackerflächen zu provozieren.

Goldhirse, Erbsen und schwarzer Hafer als Gründüngung

Gründüngungen wachsen laut dem Berater derzeit vor allem auf Gemüsebetrieben, wo bewässert wird. Simon Jöhr rät da zu Goldhirse, Erbsen oder schwarzem Hafer: «Das kommt fast immer.» Ebenso wie Sorghum liesse es sich auch als Futter nutzen. Hier könnte man hochverdünnte Gülle ebenfalls einsetzen. Oder in spät gesätem, noch kleinem Mais.

«Wenn der Regen kommt, gibt das eine wahre Bombe»

Simon Jöhr betont, durch die zu erwartenden tiefen Erträge und das Bodenleben, das durch Hitze und Trockenheit eingegangen ist, seien die Böden heuer sehr nährstoffreich. «Wenn Regen dazukommt, gibt das eine wahre Bombe», verdeutlicht er. Das gelte es bei der Düngung im Herbst zu berücksichtigen, um nicht hohe Verluste und Überdüngung zu riskieren.

Grünland beurteilen und Stoppelfelder ansäen

Zur Frage einer Über- oder Neusaat von Grünland rät Simon Jöhr, einen Grasziegel auszustechen und in ein Becken mit wenig Wasser zu stellen: «Wenn die gewünschten Pflanzen wachsen, braucht es keine Übersaat.»

Vielerorts liegen Stoppelfelder brach, weil die Besitzer davon ausgehen, dass ohnehin nichts wachsen würde. Der Regenerativ-Berater hält es aber trotzdem nicht für schlecht investiertes Geld und aussichtslosen Aufwand, etwas zu säen.

«Ich empfehle einen 2–3 cm tiefen Kapillarschnitt, dann Direktsaat von Hafer, Hirse, Sorghum oder Erbsen in die unbearbeitete Schicht», erklärt er. Wenn diese Zwischenkulturen auch nur 10–15 cm hoch würden, sei der Boden gerettet. «Das kommt schon», ist er zuversichtlich. Selbst wenn es wie im Jahre 1947 erst im November wieder richtig regnen sollte.

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