Im Frühling dieses Jahres haben die Betreiber ihre Agri-Photovoltaik‑Anlage in Hettenschwil AG in Betrieb genommen. Auf rund 1,15 Hektaren wurden sieben frühe bis späte Sorten gepflanzt. «So lässt sich die Ernte entzerren», begründet Hansjörg Erne.
Er empfiehlt den Interessierten des Austauschs zu Agri-PV im Obstbau, der vom FiBL und dem LZ Liebegg organisiert worden ist, die Baueingabe möglichst früh einzureichen. Denn man könne nicht wissen, wie lange das Bewilligungsverfahren dauern werde.
Zudem sei es einfacher, zuerst die Agri-PV-Anlage zu bauen und dann erst die Bäume zu pflanzen – sie hätten es allerdings umgekehrt gemacht. Weiter ist der Landwirt überzeugt, dass es auch nach aussen nur Vorteile mit sich bringe, wenn man als Obstproduzent innovativ denke.
Eine neue Anlage mit doppeltem Nutzen
Hansjörg Erne und Ruedi Obrist führen die Betriebszweiggemeinschaft «Chilspeler Obst» in Hettenschwil und bewirtschaften gemeinsam knapp zehn Hektaren Obst. Vor 26 Jahren legte der Vater von Hansjörg Erne zusammen mit Ruedi Obrist die erste gemeinsame Tafelkirschenanlage an. Als Hansjörg Erne den Betrieb übernahm, führten die beiden die Zusammenarbeit weiter und legten vor fünf Jahren den ganzen Obstbau zusammen.




Nachdem die erste Anlage in die Jahre gekommen war, entschieden sich die Betriebsleiter für eine neue Anlage. Parallel kamen sie mit dem Thema Agri-PV in Berührung. «Wir waren uns einig, das müssen wir weiterverfolgen», erzählt Hansjörg Erne am vom FiBL und dem LZ Liebegg organisierten Agri-PV‑Erfahrungsaustausch. «Die erste Baueingabe, die auch bewilligt wurde, war eine konventionelle Kirschenanlage mit Hagelschutz und Plastikabdeckung», erzählt Hansjörg Erne.
Die PV-Anlage war dann nur noch ein kleines Upgrade, auf das sie aber ein weiteres Jahr gewartet haben, bis im Sommer 2025 die Baubewilligung auf dem Tisch lag. Die Schwierigkeit lag darin, dass es die erste kommerzielle Agri-PV-Anlage im Aargau ist, die ohne Forschungszweck betrieben wird. Das bedeutet, es musste ein Vorteil für die landwirtschaftliche Produktion nachgewiesen werden. Hans-Jakob Schärer vom FiBL ergänzt: «Wenn eine Kirschenanlage hundert Prozent Landnutzungseffizienz hat, dann gibt es mit der PV-Anlage vielleicht ein paar Kirschen weniger, aber mit dem Strom dazu ist man entsprechend bei 140 Prozent. Das Potenzial ist da und zeigt, dass hier die Praxis die Forschung schon fast überholt.»
25 Prozent der Anlage sind mit Solarpanels überdeckt
Gebaut wurde die Anlage mit Energie 360° als Investor. Die Planung und Umsetzung erfolgten durch Insolight. Sie erreicht einen Peak von 780 kW, wobei der Trafo 630 kW einspeisen kann. Die 1300 bifazialen Panels bedecken rund 25 Prozent der Anlage und produzieren beidseitig Strom. Auf rund 1,15 Hektaren wurden zehn frühe bis späte Sorten gepflanzt.

Rund 300 Tonnen Metall und 24 Tonnen Material für die Abdeckung sind verbaut worden. Darunter befinden sich 950 verzinkte Pfosten, die bis zu vier Meter in den Boden gerammt wurden und die gesamte Konstruktion tragen.
Elektrisch verstellbare Folien bieten viele Vorteile
Das Foliensystem besteht aus einzelnen drei Meter langen Bahnen, die per App oder über Sensoren für Regen, Temperatur und Wind gesteuert werden. Die Planen können innerhalb von fünf Minuten über der gesamten Anlage geschlossen oder wieder geöffnet werden. Dies war kostenintensiver als eine konventionelle Abdeckung, bringt aber Vorteile: Die Blüten und später die Kirschen werden vor Regen geschützt, die Feuchtigkeit kann anschliessend durch das erneute Öffnen wieder entweichen.
Bei Frost im Frühling sollen die Planen tagsüber offen sein, um den Boden und das Metall durch die Sonne erwärmen zu lassen. Abends werden sie geschlossen, um die Wärme zu halten. «Was wir von Anfang an diskutiert haben, ist auch der soziale Aspekt», sagt Ruedi Obrist. Denn das Foliensystem mache für die teilweise älteren Erntehelfer(innen) das Lesen angenehmer und es könne dann jeweils länger pro Tag geerntet werden.

Des Weiteren können Pflanzenschutzmittel reduziert werden, indem während der Blüte die Folien geschlossen und die Bäume somit vor Regen geschützt werden. Die Anlage ist in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet, sodass die Bäume im Tagesverlauf ausreichend besonnt werden.

«Was wir von Anfang an diskutiert haben, ist auch der soziale Aspekt»
Bewässerung nach Bedarf
Die Bewässerung erfolgt über Netzwasser, das bisher – auch im heurigen trockenen Sommer – genügend vorhanden ist. Zudem macht Agroscope in einem Teil der Anlage Versuche mit einem Dendrometer. Dieses Gerät misst die Baumstammdicke im Tagesrhythmus und entscheidet anhand dessen, ob die Bäume bewässert werden müssen.
Spannend sei, dass er die Bäume, bei denen die Entscheidung bei ihm gelegen habe, mehr bewässert habe als die, die aufgrund des Messwerts automatisch bewässert wurden, sagt der Betriebsleiter. Die Beschattung durch die Panels dürfte zudem die Verdunstung und damit den Wasserverbrauch etwas reduzieren. Hansjörg Erne bleibt realistisch, aber auch sehr zuversichtlich: Ob sich das gesamte System, so wie es gebaut ist, langfristig bewährt, zeige sich in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren.


