Wie haben sich die Aufgaben von Landtechnik Aargau in hundert Jahren verändert?
Pascal Furer: Früher standen Schulung, Traktorentests und Beratung im Vordergrund, heute nimmt der Kampf gegen Bürokratie und Hürden einen grossen Teil der Arbeit ein. Aktuell beschäftigt uns die neue Fachbewilligung Pflanzenschutz intensiv. Um die Bürokratie etwas zu mildern, hat sich der Verband stark engagiert. Wir werden die geforderten Weiterbildungen möglichst praxisnah gestalten, damit die Mitglieder wirklich einen Nutzen daraus ziehen.
Wie stehen die Aargauer Bauernfamilien zur Mechanisierung?
Es gab und gibt immer die Neugierigen, die Pioniere, die auf neue Technik setzten, tüftelten und die Landtechnik weiterbrachten. Und es gibt die Vorsichtigeren, die zuerst abwarteten, bis sich eine Neuheit bewährt hat. Schlussendlich setzte sich der sinnvolle Fortschritt aber immer durch.
Welche Rolle spielen im Aargau Lohnunternehmen und Maschinengemeinschaften?
Lohnunternehmer spielen eine essenzielle Rolle. Der Einsatz von grossen, teuren Maschinen lohnt sich nur betriebsübergreifend. Mit ihrem grossen Wissen und ihrer Erfahrung arbeiten die spezialisierten Lohnunternehmen sehr effizient im Dienst der Landwirtschaft. Auch Maschinengemeinschaften machen Sinn, vor allem für einfachere Maschinen. Viele neue Maschinen und Geräte fordern den Bediener aber so stark, dass Fahrerwechsel nicht einfach sind.

Wie viel Hightech setzen Aargauer Betriebe ein und wie rentabel ist teure Technik wie GPS, Drohnen und Roboter?
Die Aargauer Landwirtschaft ist sehr fortschrittlich und es wird alles eingesetzt, was möglich ist. Auch High-Tech – aber das kommt sehr auf den individuellen Betrieb an. Vieles wird überbetrieblich eingesetzt, etwa Drohnen für Rehkitzrettung bis Pflanzenschutz. Wenn es rentabel ist, wird es eingesetzt – und sonst nicht. Zugegeben, manchmal merkt man das erst nach einer gewissen Zeit…
Wie läuft es mit den grossen Landmaschinen auf den verkehrsreichen Aargauer Strassen?
Die «Inselitis» und andere Hindernisse machen uns zu schaffen. Das Verständnis musste bei den Behörden erst geweckt werden, dass wir das ganze Jahr mit gut 3,5 Metern Breite unterwegs sind und entsprechende Schleppkurven benötigen. Zwischenzeitlich ist die Verwaltung aber recht gut informiert – dank unserem Verband! Von den anderen Verkehrsteilnehmern fehlt oft das Verständnis, wenn wir nicht so schnell unterwegs sind. Nachdem man aber ohnehin bald überall im Stau steht, legt sich das Problem von allein… Im Ernst: Es fehlen an vielen Orten die Ausstellplätze, um den Verkehr überholen zu lassen. Und wer trotzdem auf die Seite fährt, kommt fast nicht mehr in den laufenden Verkehr zurück. Da können wir nur appellieren – an alle Seiten! – gegenseitig Rücksicht zu nehmen.
Was antworten Sie kritischen Stimmen, die sagen, die landwirtschaftlichen Maschinen seien zu gross geworden?
Grosse Maschinen sind oft schonender für den Boden und andere Ressourcen. Und die geforderte Effizienzsteigerung bedingt eben oft auch grössere Maschinen.
Der Verband Landtechnik Aargau
Als vor 100 Jahren immer mehr Traktoren statt Pferde die Arbeit auf den Bauernhöfen übernahmen, wurde der Aargauer Verband für Landtechnik gegründet. Heute zählt der Verband rund 1500 Mitglieder; er ist das Bindeglied zwischen ihnen und Landtechnik Schweiz. Der Dachverband vertritt die politischen Interessen auf nationaler Ebene, Landtechnik Aargau im Kanton. Regelmässig finden Gespräche mit kantonalen Stellen wie Strassenverkehrsamt, der Polizei und dem Tiefbauamt statt, wenn Probleme auftauchen. Zudem bietet der Verband Weiterbildungen und Kurse an.
Jubiläumsfest am 23. August
Das 100-Jahr-Jubiläum feiert Landtechnik Aargau am 23. August auf der Rennbahn in Aarau, wo gleichzeitig das Pferderennen stattfindet. Um 15.30 Uhr gibt es Festansprachen von Präsident Pascal Furer und Regierungsrat Markus Dieth. Um 17 Uhr findet das Pferderennen «Preis 100 Jahre Landtechnik Aargau» statt.

