Sorgenkind Digiflux – ist Freiwilligkeit statt Zwang ein gangbarer Weg?

IP-Suisse und Bio Suisse nehmen die Entscheide der WAK-N zur Kenntnis und richten den Blick mit einem klaren Vorschlag nach vorn.

Die Wirtschaftskommission des Nationalrates (WAK-N) hat sich mit nicht weniger als fünf Vorstössen befasst, die eine weitere Vereinfachung der Mitteilungspflicht via Digiflux fordern. Mit 16 zu 9 Stimmen unterstützt die WAK-N eine Gesetzesanpassung in diesem Sinn.

Auf freiwilliger Basis bestehen bleiben

«Trotz bereits eingebauter Erleichterungen muss das Meldesystem ­weiter vereinfacht werden», so die Haltung der Kommissionsmehrheit. Ansonsten drohten Doppelspurigkeiten, mehr administrative Belastung und Kosten, «ohne dabei einen erkennbaren Mehrwert zu generieren».

IP-Suisse und Bio Suisse nehmen das so zur Kenntnis. In einer Mitteilung halten sie aber fest, Digiflux solle – unabhängig vom Ausgang des politischen Prozesses – weiter bestehen und für alle interessierten ­Betriebe freiwillig verfügbar sein. «Digiflux wird seit Juli 2025 in einer Pionierphase genutzt», heisst es ­weiter.

Würde die gesetzliche Mitteilungspflicht also weiter abgeschwächt werden oder ganz fallen, solle Digiflux als Instrument auf freiwilliger Basis nutzbar bleiben.

Ursprünglich Teil eines Kompromisses

Dies, um «Daten zu Pflanzenschutzmittel-Käufen, -Anwendungen und Nährstoffkäufen erfassen, auswerten und in eigener Hoheit weitergeben zu können», beschreiben IP-Suisse und Bio Suisse. «So bleiben die bereits getätigten Investitionen nutzbar und niemand wird zur Teilnahme verpflichtet», fassen sie zusammen.

Im Weiteren erinnern die beiden Organisationen an die Entstehung des Projekts Digiflux: Mehr Transparenz entlang der Stoffflüsse sei ein zentraler Bestandteil des politischen Kompromisses als Antwort auf die Trinkwasser- und die Pestizidverbots-Initiative gewesen. Dieses Versprechen an die Bevölkerung solle auch bei einer gelockerten Mitteilungspflicht bestehen bleiben. «Wer ab dem 1. Januar 2027 freiwillig mitmachen will, soll dies ohne neue Hürden weiterhin tun können», so ihre Haltung.

Kommentar von Jil Schuller

(Bild: BauZ)

Eigenverantwortung mögen die Schweizer(innen). Bei Vorschriften fühlt man sich bevormundet, mit Appellen an die Eigenverantwortung ernst genommen. Nach der Odyssee, die Digi­flux als Umsetzung eines politischen Versprechens hinter sich hat, könnte Freiwilligkeit tatsächlich eine Lösung sein. Mit der Geschichte der Mitteilungspflicht im Blick, wäre sie nichts anderes als eine Möglichkeit, Eigenverantwortung wahrzunehmen.

Digiflux kann Vorteile haben und Landwirtschaftsbetrieben dabei helfen, effizienter zu werden. Die Plattform kann zur Digitalisierung beitragen, um die in Zukunft kaum ein Weg herumführt. Nicht zuletzt verschlingt ein solches Projekt fraglos viel Geld und Zeit. Nach jahrelanger Entwicklung und Anpassung wäre es eine Verschwendung, alles über den Haufen zu werfen.

Ein freiwilliges Digiflux bietet ausserdem jenen eine Chance, die genug haben vom Vorwurf der politischen Agrarlobby, die wortbrüchig werde und sich gegen Anpassungen stemme. Wer will, kann mitmachen und das Versprechen an die Bevölkerung halten. Das ist sogar einiges mehr wert, als wenn die Vorschrift käme – solange sich genügend Freiwillige finden.

Ob das gelingt, hängt von den Funktionen ab, die Digiflux bieten kann. Und von dem Vertrauen potenzieller Nutzer in die Plattform. Eine Möglichkeit mit Mehrwert zur Weiterentwicklung der Betriebe statt einer Mitteilungspflicht – damit wäre viel gewonnen.

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